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Verkehr in Großstädten : Notwendige Park-Debatte

  • -Aktualisiert am

Ruhender und fließender Verkehr: Parkstreifen in Karlsruhe Bild: dpa

Der Automobilverband VDA will das Parken reformieren. Gut so: Diese Debatte ist längst überfällig.

          3 Min.

          Einen Parkplatz in einer deutschen Großstadt zu finden, kostet oft Zeit, Geld und Nerven – und es belastet die Umwelt. Nach Angaben des Mobilitätsdatendienstleisters Inrix sucht ein durchschnittlicher Autofahrer zum Beispiel in Frankfurt am Main je Fahrt zehn Minuten nach einem Parkplatz.

          Das klingt erst einmal nach wenig, summiert sich aber laut Inrix im Jahr auf 65 Stunden. Würde ein Parkplatzsucher in dieser Zeit arbeiten, kann sich der entgangene Lohn schnell auf einen drei- bis vierstelligen Betrag belaufen. Jede Maßnahme, die die Parkplatzsuche einfacher und effizienter macht, ist daher hochwillkommen. Die nun vorgelegten Vorschläge des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) weisen deshalb in die richtige Richtung, haben aber auch Verbesserungspotential.

          In der Tat sollte es zum Beispiel möglich sein, unter Wahrung des Datenschutzes stärker als bisher digitale Lösungen einzusetzen, um das Angebot an Parkplätzen mit der Nachfrage danach in Einklang zu bringen. Dafür bedarf es aber einer Integration verschiedener Datenquellen. Wenn städtische und private Parkhäuser ihre freien Parkplätze nicht in Echtzeit an Navigationsapps auf dem Smartphone oder Infotainment-Systeme in Autos senden, ist noch gar nichts gewonnen.

          Die Parklücken nicht vergessen

          Was sich aber im Falle einer Tiefgarage oder eines mit Schranken begrenzten Parkplatzes noch relativ einfach gestalten könnte, wird mit Parklücken am Straßenrand schon wesentlich komplizierter. Im Prinzip müsste künftig jede Parklücke in einer Stadt mit Sensoren bestückt werden, die registrieren, ob der Stellplatz gerade frei ist oder nicht. Diese Daten müssten über das Internet zusammenlaufen, um sie dann an in die Stadt kommende Autofahrer weiterzugeben.

          Erste Versuche dazu gibt es schon. Aber es wird noch Zeit und vor allem viel Geld kosten, auch Abstellmöglichkeiten im öffentlichen Raum über digitale Lösungen effizienter zu nutzen. Diese Kosten kommen auf die Allgemeinheit zu, und das sollte auch nicht verschwiegen werden.

          Ein Preis für den Parkraum

          Ein weiterer Vorschlag des VDA ist es, den Parkraum zu bepreisen und dort auch Preisdifferenzierung zu ermöglichen. Auch das ist gutzuheißen, schließlich sind Parkplätze in Innenstädten zu vielen Zeiten knapp, also ein Gut, das am besten über einen Preismechanismus vergeben wird. So ließe sich eine Lenkungswirkung erzielen: Das Parkhaus am Frankfurter Römer oder am Roten Rathaus in Berlin ist dann möglicherweise je nach Angebot und Nachfrage eben deutlich teurer als ein Stellplatz in Frankfurt-Rödelheim oder Berlin-Pankow in S- oder U-Bahnnähe.

          Jeder Autofahrer könnte dann selbst und frei entscheiden, ob er den teureren Parkpreis im Zentrum auf sich nimmt oder eben den günstigeren im Vorort. Und ob es sich für ihn dann auch noch lohnt, von dort mit den öffentlichen Verkehrsmitteln weiter in die Innenstadt zu fahren.

          Hier müssten die Kommunen allerdings jene Vorsicht walten lassen, die auch der VDA einfordert. Wenn die Nachfrage nur groß genug ist, könnte der Preis theoretisch in Höhen steigen, die sich nur noch gewisse gesellschaftliche Gruppen leisten können. Eine Preisdeckelung könnte dies verhindern, ohne die gewünschte Lenkungswirkung ganz abzuwürgen.

          Schließlich will der VDA das Anwohnerparken neu regeln, und auch hier schwebt ihm eine Preisdifferenzierung vor. „Um unerwünschte soziale Effekte zu verhindern, könnten zum Beispiel die Preise für Bewohnerparkausweise einkommensabhängig gestaffelt werden“, heißt es dazu im Positionspapier des Verbandes. Dieses Differenzierungsmerkmal erschließt sich nicht. Denn nicht immer gilt die Regel: Wer mehr verdient, fährt auch ein größeres Auto.

          Gerade weil Anwohnerparkausweise fahrzeugbezogen ausgestellt werden, sollten zum Beispiel objektive Kriterien wie die Fahrzeuglänge oder die Fahrzeugbreite in die Berechnung einfließen. Das wäre transparent und gerechter – und es brauchte auch nicht eine zusätzliche Einkommensprüfung durch das Ordnungsamt, das den Anwohnerparkausweis ausstellt.

          Insofern sind die Vorschläge des VDA ein Ansatzpunkt für die weitere Diskussion über das Parken und Flächennutzung in der Stadt und den Ausgleich der Interessen aller Verkehrsteilnehmer. Diese Debatte sollte geführt werden, und sie wird je nach Stadt zu unterschiedlichen Lösungen führen. Dass aber über die Parksituation in großen Städten geredet werden muss, liegt auf der Hand. Denn jede überflüssige Minute Parkplatzsuchverkehr kostet Zeit, Geld und Nerven – und sie belastet die Umwelt.

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