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Erwerbsverhalten : Flüchten die Väter ins Büro?

Egal ob Vater oder kinderlos: Vor dem Bildschirm essen ist ungesund. Bild: Picture-Alliance

Väter arbeiten häufiger als Männer ohne Kinder. Das belegt das Statistische Bundesamt nochmal mit neuen Daten. Das Vorurteil, wonach Väter sich vor dem Windelwechseln drücken, ist dadurch aber noch nicht belegt.

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          Männer mit Kindern arbeiten häufiger als ihre Geschlechtsgenossen ohne Nachwuchs. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, gingen 91 Prozent der Väter im Alter zwischen 18 und 64 Jahren im Jahr 2017 einer Erwerbstätigkeit nach. Der Anteil der erwerbstätigen Männer ohne Kinder betrug lediglich 77 Prozent. Der Befund, dass Väter häufiger einer bezahlten Arbeit nachgehen als kinderlose Männer, zieht sich den Ergebnissen des Mikrozensus zufolge durch alle Altersgruppen im erwerbsfähigen Alter.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Ein anderes Bild zeigt sich bei den Frauen: Für Mütter zwischen 18 und 64 Jahren betrug die Erwerbstätigenquote 71 Prozent und war somit drei Prozentpunkte niedriger als bei Frauen ohne Kinder. „Mütter sind am seltensten erwerbstätig“, schreiben die Statistiker dazu. „Insbesondere jüngere Mütter mit meist noch kleinen Kindern gingen deutlich seltener einer realisierten Erwerbstätigkeit nach. Erst nach dem 45. Lebensjahr entspreche ihre Quoten ungefähr denjenigen der Frauen ohne Kinder.

          Allerdings sind nur die Daten neu und aktuell. Die Feststellung, dass Väter häufiger arbeiten als ihre kinderlosen Geschlechtsgenossen und Männer generell öfter einer Erwerbstätigkeit nachgehen als Frauen ist jahrzehntealt. Nur ganz allmählich gleichen sich die Daten an. Daraus ziehen manche den Schluss, dass es bis zur Gleichberechtigung leider noch ein weiter Weg ist. Anhänger eines traditionellen Familienmodells wiederum finden die klassische Aufgabenteilung gut und verteidigen sie. Beispielsweise lässt sich argumentieren, dass das Gesamteinkommen der Familie schneller steigt, wenn sich ein Elternteil auf die Karriere konzentriert und der andere auf die Kinder, als wenn beide „nur“ 60 bis 80 Prozent arbeiten und dann im Zweifel keiner von beiden befördert wird.

          Nur jede dritte erwerbstätige Mutter arbeitet Vollzeit

          Den Daten lässt sich auch entnehmen, dass Väter häufiger in Vollzeit arbeiten (wenn sie überhaupt arbeiten): Der Anteil Vollzeit arbeitender Väter lag bei 94 Prozent, bei den Männern ohne Kinder waren es mit 88 Prozent etwas weniger. Genau andersherum ist es bei den Frauen: Nur jede dritte erwerbstätige Mutter arbeitet in Vollzeit, während es unter den Frauen ohne Kinder zwei von drei so viel arbeiten. Als den mit Abstand wichtigsten Grund für ihre Teilzeittätigkeit nennen Mütter die Kinderbetreuung. 47 Prozent der erwerbstätigen Mütter sagen, dass sie wegen ihrer Kinder weniger arbeiteten. Ein weiteres Fünftel reduziert die Arbeitszeit aufgrund sonstiger persönlicher oder familiärer Verpflichtungen.

          Die oft gehörte Unterstellung, wonach Väter ihre bezahlte Arbeit der Kinderbetreuung vorziehen und quasi „ins Büro fliehen“, lässt sich durch die Daten ohnehin nicht belegen, weil die Kausalkette nicht eindeutig ist. Womöglich gibt es tatsächlich Männer, die ihre Schreibtischtätigkeit dem Windelwechseln vorziehen. Allerdings ist auch wahrscheinlich, dass arbeitslose oder gesundheitlich angeschlagene Männer schwieriger eine Frau finden und aus diesem Grund nicht Vater werden können. Wer arbeitet und gut verdient hat demnach schlicht eher eine Frau und Kinder. Denkbar wäre auch, dass die Väter ihre Erwerbsarbeit steigern, weil die Familie zwingend mehr Geld braucht. Studien zeigen, dass das Kindergeld nämlich nur die Hälfte oder gar nur ein Drittel der tatsächlichen Mehrausgaben für Kleidung, Nahrung, Betreuungskosten, den Kinderwagen oder eine größere Wohnung abdeckt.

          Als Väter und Mütter werden im Mikrozensus Personen gezählt, die mit ihren Kindern im selben Haushalt wohnen. Ferner zählt die Statistik nur Väter als erwerbstätig, wenn sie ihrer Erwerbstätigkeit tatsächlich nachgehen und nicht in Elternzeit sind. Entscheidend ist das allerdings nicht ansatzweise: Nur 0,5 Prozent aller Väter zwischen 18 und 64 Jahren befanden sich 2017 in Elternzeit. Die volle Publikation des Statistischen Bundesamtes finden Sie hier.

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