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Beliebtheits-Ranking : Chemie ist, wenn es stinkt – den Managern

Sind zufrieden: Schott-Mitarbeiter im Produktionswerk für Ceranfelder Bild: ddp Images

Global fusionieren Chemiekonzerne wie verrückt. In Deutschland herrscht gerade relative Ruhe. Dennoch sind Führungskräfte der Branche nur mittelmäßig gestimmt.

          In deutschen Chemie- und Pharmakonzernen brodelt es ständig, das liegt in der Natur des Geschäfts. Forscher kochen in Erlenmeyerkolben ihr chemisches Süppchen, mixen diese Substanz und jene im Reagenzglas und schauen, was passiert. Das Experiment – mit Versuch und Irrtum – ist die Basis für den Fortschritt in der Wissenschaft.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber nicht nur die Labors lassen es zischen. Seit zehn, zwanzig Jahren schütteln auch die Strategieabteilungen der deutschen Konzerne die Branche kräftig durch. Vorstände und die Fachleute für Fusionen experimentieren so munter wie ihre weißbekittelten Kollegen in der Forschung: Mal verschmelzen die Unternehmen mit einem anderen zu einer neuen Verbindung. Mal spalten sie etwas ab. Gelegentlich zerfallen sie in viele Teile.

          Wann immer ein Konzern strategisch ein neues Großexperiment ansetzt, geschieht, was so gerne passiert in der Chemie: Es knallt – in den Vorständen und Aufsichtsräten, wo starke Egos aufeinanderprallen. Und es stinkt – den Mitarbeitern. Denn eines hat sich stets aufs Neue gezeigt in dieser Industrie, deren Konzerne unaufhörlich fusionieren und mit Sparten jonglieren: Der Dauerumbau frustriert die Beschäftigten, auch die Leistungsträger. Das erweist sich als zuverlässiges Muster, wenn der Berufsverband der Führungskräfte in der Chemie seine Mitglieder nach ihrer Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber befragt.

          Schott ist beliebtester Chemie-Arbeitgeber 

          Seit eineinhalb Jahrzehnten setzt dieser Verband, der VAA, jährlich seine „Befindlichkeitsumfrage“ an. Die Teilnehmer benoten ihre Unternehmen auf die Kultur, die Strategie, die Arbeitsbedingungen. Und egal, ob es in Leverkusen (Bayer) war oder in Ingelheim (Boehringer), ob in Holzminden (Symrise), Darmstadt (Merck) oder Burghausen (Wacker): Wo ein Konzern im Umbruch war und im Ungewissen, wo ein Sparprogramm anstand oder ein Stellenabbau – fast immer sackte das Unternehmen in der Rangliste ab. Meist beruhigte sich die Lage irgendwann, und mit den Zensuren ging es wieder bergauf. Ein verlässliches Barometer: Deswegen verfolgen Konzernvorstände die Umfrage Jahr für Jahr aufmerksam. Denn die Branche stellt sich darauf ein, zunehmend um Nachwuchs zu konkurrieren, wenn die Demographie dauerhaft auf die Studentenzahlen schlägt.

          Dieses Jahr fällt die Rangliste, die dieser Zeitung exklusiv vorliegt, dadurch auf, dass es kaum Bewegung gibt. Die ersten vier Plätze? Unverändert. Und auch dahinter hat sich wenig getan. An der Spitze behauptet sich der Schott-Konzern, der viele Jahre schlecht abschnitt wegen eines Schlingerkurses und eines als herrschsüchtig beschriebenen Unternehmensleiters. Die Note verbesserte sich nochmals, von 2,50 im vergangenen Jahr auf 2,15 in diesem.



          Auf den Plätzen zwei bis vier verharren wie im Vorjahr die frühere Bayer-Kunststoffsparte Covestro, Wacker und Bayer. Das gute Abschneiden Covestros stach schon voriges Jahr ins Auge. Immerhin hatte Bayer schon einmal ein Chemiegeschäft in ein unabhängiges Unternehmen abgespalten, Lanxess nämlich, und dort war die Stimmung zu Beginn miserabel. Covestro, im Oktober 2015 ausgelagert, erzielt allerdings anders als Lanxess von Beginn an beträchtliche Renditen, der Aktienkurs hat sich seit der Erstnotiz weit mehr als verdoppelt. Da fällt der Umbruch weniger ins Gewicht.

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