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Vereinigte Staaten : So wenig Arbeitslose wie zuletzt vor 50 Jahren

Sie treiben die Erholung am amerikanischen Arbeitsmarkt: Der Dienstleistungssektor – nicht die Industrie. Bild: dpa

Die Arbeitslosenquote in den USA sinkt auf das Rekordtief von 3,5 Prozent – und mildert die Angst vor einer Rezession. Doch ein Wirtschaftssektor macht weiterhin Sorgen.

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          Die amerikanische Volkswirtschaft hat im September 136.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und damit einen seit mehr als 100 Monaten währenden Aufschwung fortgesetzt. Die Arbeitslosenquote sank sogar auf den historischen Tiefstwert von 3,5 Prozent. Auf diesem Niveau lag die Quote zuletzt vor 50 Jahren. Im Vormonat hatte die Arbeitslosenrate noch 3,7 Prozent betragen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Damit liefert der amerikanische Arbeitsmarkt eine der wenigen positiven Daten für die amerikanische Wirtschaft. Das dürfte dazu beitragen, aufkommende Rezessionsängste abzumildern. Diese waren in dieser Woche gleich durch mehrere Meldungen entfacht worden. Unter anderem hatte das Institut for Supply Management vermeldet, dass Industriearbeit im September den zweiten Monat in Folge geschrumpft sei.

          Damit ist die Industrieproduktion auf das niedrigste Niveau der vergangenen zehn Jahre gesunken. Das hatte vor allem auch deshalb Konjunktursorgen ausgelöst, weil auch andere Industrienationen einen Rückgang der Industrieproduktion verzeichneten. Für Teile der amerikanischen Industrie diagnostizieren Ökonomen inzwischen eine Rezession.

          Sorgenkind Industrie

          Ins Bild passt, dass im September 2000 Arbeitsplätze in der Industrie verloren gegangen sind. Auch die Exportaufträge wiesen nach einer Analyse des Instituts deutlich nach unten. Der Industriesektor wird allerdings durch einen außergewöhnlichen Faktor beeinflusst: den nun schon 19 Tage währenden Streik beim Autobauer General Motors, der die Arbeiten in mehreren Fabriken gestoppt hat.

          Die Vereinigten Staaten profitieren im Moment allerdings von ihrer vergleichsweise geringen Abhängigkeit von Fabriken. Der deutlich wichtigere Dienstleistungssektor ist im September weiter gewachsen. Erste Bremsspuren sind trotzdem unübersehbar: Das Wachstum hat sich stark verlangsamt. Zugleich sind in diesem Sektor viele neue Arbeitsplätze entstanden, vor allem im Gesundheitswesen.

          Das amerikanische Wirtschaftsministerium meldete unterdessen eine Vergrößerung des amerikanischen Handelsbilanzdefizits im August um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat auf 54,9 Milliarden Dollar. Importe stiegen um 0,5 Prozent im August vor allem getrieben durch die Einfuhr von Konsumgütern, darunter Mobiltelefone.

          Damit zeigen die amerikanischen Konsumenten weiterhin eine hohe Ausgabenbereitschaft. Diese rückt zunehmend in den Fokus der Ökonomen. Sie suchen nach Indikatoren, dass der amerikanische Konsument müde werden könnte: Ein paar zarte Hinweise gibt es dafür. Die Kreditkartenzinsen sind auf dem höchsten Niveau seit Jahrzehnten angekommen, rechnen Ökonomen der Deutschen Bank vor. Gute 85 Prozent der Neuwagen-Erwerbe erfolgen demzufolge inzwischen auf Pump, 20 Prozent der Käufe fallen in die Subprime-Kategorie.

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