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USA : Konsumenten ohne Kauflust

  • -Aktualisiert am

Leere Straßen, verwaiste Läden Bild: dpa

Seit den Terrorangriffen kaufen die Amerikaner deutlich weniger ein. Milzbrand und drohende Arbeitslosigkeit dämpfen die Konsumlust. Eine Analyse.

          2 Min.

          Das vergangene Wochenende war für Amerikas Einzelhändler wieder einmal eine Nervenprobe. Verunsichert durch die Meldungen über neue Milzbrandfälle blieben viele Wochenendeinkäufer zu Hause und überließen die Geschäftsinhaber der bangen Frage, ob sie sich auf eine lange, harte Periode der Kaufzurückhaltung einstellen müssen.

          Die Frage beschäftigt auch die Chefvolkswirte im ganzen Land, von der Zentralbank über das Weiße Haus bis zu den großen Banken. Denn bisher waren die Konsumenten die unbeugsame Stütze der schwächelnden amerikanischen Konjunktur. Während die Unternehmen kaum noch Investitionsgüter orderten und ihre Produktion kürzten, kauften die Privatverbraucher weiterhin ein, was das Zeug hielt.

          Widersprüchliche Signale

          Erst im Sommer schwächte sich die Kauflust ab, und der 11. September tat ein Übriges: Im Monat September fielen die Einzelhandelsumsätze um 2,4 Prozent, so stark wie seit 25 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig jedoch stieg der Index für das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan, der wichtigste Indikator für die Befindlichkeit der US-Verbraucher, überraschend leicht an, zum ersten Mal in vier Monaten - eigentlich ein gutes Zeichen.

          Doch kaum ein Volkswirt mag den überraschend positiven Zahlen des Stimmungsindikators trauen. Zu überwältigend sind die Signale, die von den Einzelhändlern kommen. So sank das Besucherniveau in den großen Einkaufszentren des Landes, ein wichtiger Anhaltspunkt für die Umsätze, am vergangenen Wochenende wieder deutlich ab, nachdem es in den Wochen nach dem 11. September fast auf Normalniveau zurückgekehrt war.

          Milzbrand und Arbeitslosigkeit

          "Die Milzbrand-Fälle haben die Leute daran erinnert, wie ernst die Situation werden könnte", sagte Paul Mackel von der Bank Dresdner Kleinwort Wasserstein. Er fürchtet, dass das Verbrauchervertrauen durch die Angst vor einer Epidemie ernsthaften Schaden nehmen könnte. Die Differenz zwischen dem zurückhaltenden Kaufverhalten und den vorsichtig optimistischen Stimmungsumfragen erklären Volkswirte mit dem Zusammentreffen zweier Faktoren: Erstens dem Schwung patriotischer Gefühle nach den Terroranschlägen und dem Beginn der Angriffe auf Afghanistan, die die Stimmung in der Bevölkerung gehoben hätten, als Gegengewicht dazu aber die steigende Arbeitslosigkeit, die viele Menschen davon abhalte, größere Anschaffungen zu tätigen.

          "Langfristig ist es die Arbeitlosigkeit, die das Konsumniveau bestimmt", sagt Bruce Steinberg, Chefvolkswirt von Merrill Lynch. Und da hat er wenig Hoffnung auf schnelle Besserung: "Wir erwarten, dass der Arbeitsmarkt sich in den kommenden Monaten weiter abschwächt." Er schätzt daher, dass die Konsumausgaben zwischen Oktober und Dezember um ein Prozent sinken. "Das Verbrauchervertrauen hat seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht", warnt er. Könnte sein, dass das Weihnachtsgeschäft erst recht zur Nervenprobe für Amerikas Einzelhändler wird.

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