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Amerika droht mit Sanktionen : Indien fürchtet das Zudrehen des iranischen Öl-Hahns

Desalter-Anlage im indischen Ahmedabad: Indien ist auf billige Öl-Importe aus dem Iran angewiesen. Bild: Reuters

Washington will die Öl-Exporte aus Iran endgültig blockieren und setzt Länder unter Druck, für die bisher noch Ausnahmeregelungen galten. Insbesondere Delhi braucht das billige Öl, soll die indische Wirtschaft weiter wachsen.

          Amerika setzt seine indo-pazifischen Partner unter Druck: Amerikas Außenminister Mike Pompeo erklärte, die Ausnahmeregelung für bestimmte Käufer iranischen Öls werde bald enden. Bislang profitierten fünf Länder von ihnen, die weiter ungestraft das Öl des islamischen Landes einführen durften. Schwenken die Länder auf den amerikanischen Kurs ein – und eine Wahl bleibt ihnen kaum – verliert der Iran einen Export von rund einer Million Fass (Barrel) Öl täglich. Die Hälfte davon geht nach China.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Als Abnehmer, deren Ausnahmegenehmigung nun endet, sind aber auch Japan, Indien, Südkorea und die Türkei betroffen. Für alle ist Amerika ein sehr wichtiger Handelspartner, so dass sie Sanktionen aus Washington fürchten müssen. Peking reagierte sofort kritisch auf die Ankündigung aus Washington und lehnte jegliche Strafaktionen gerade während der Handelsgespräche ab. Indien wird von dem amerikanischen Plan besonders hart getroffen: Es deckt mehr als ein Zehntel seines Ölbedarfs aus dem Iran. Indien ist der drittgrößte Ölimporteur der Welt.

          Einen – bezahlbaren – Ersatzlieferanten zu finden dürfte schwer sein. Die in der Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) gebundenen Länder fahren ihren Ausstoß weiter zurück. Sie stehen für rund 40 Prozent der weltweiten Ölförderung. Zugleich verhängen die Amerikaner auch Sanktionen gegen die staatliche Petryleos de Venezuela, was den Markt noch weiter belasten wird. Indien selber kann die eigene Nachfrage nicht ansatzweise decken. Im Gegenteil: Dank einer offiziellen Wachstumsrate von gut sechs Prozent steigt der Verbrauch deutlich. Die Einfuhr legte allein im vergangenen Fiskaljahr (31. März) um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf einen Wert von 109 Milliarden Dollar zu.

          Steigender Ölpreis schlägt auf die Handelsbilanz

          Der Iran, der dringend Abnehmer für sein Öl sucht, kam Indien weit entgegen: So streckte er das Zahlungsziel auf 60 Tage und verschiffte das Öl kostenlos und versichert. Diese Konditionen werden die Inder kaum irgendwo sonst bekommen. Doch wird Indien immer wieder hart von steigenden Ölpreise getroffen – sie schlagen  über die in Dollar ausgestellte Einfuhr-Rechnung hart auf die Handelsbilanz durch. Erst im vergangenen Jahr hatte die Rupie die Folgen zu spüren bekommen und wertete massiv ab. Seit Jahresbeginn aber hat der Ölpreis schon wieder 20 Dollar zugelegt. Damit geraten Länder wie Indien und auch Indonesien unter Druck.

          Unter dem Strich wird durch die amerikanische Politik die Rolle von Saudi-Arabien und die der Vereinigten Arabischen Emirate in Südasien weiter gestärkt. Pompeo erklärte, Washington habe „intensive und produktive Diskussionen“ mit beiden Ländern geführt, um eine ausreichende Versorgung zu sichern. Saudi-Arabien hatte Indien gerade erst Investitionen im Gesamtwert von bis zu 100 Milliarden Dollar versprochen und will auch seinen Erzfeind Pakistan fördern. Zugleich hofft Amerika, dass Indien als Ersatz mehr Schiefergas aus Amerika importiere. Eine solche Einfuhr würde wiederum das Handelsdefizit mit Amerika verringern: Washington verhandelt seit Monaten mit Indien über dessen Abbau und droht mit Strafzöllen auf indische Waren. Indische Konzerne investieren bislang rund vier Milliarden Dollar in Schiefergasvorkommen in Amerika.

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