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Amerika in der Corona-Krise : „Die Wirtschaft befindet sich fast im freien Fall“

  • Aktualisiert am

Amerikaner beim Supermarkt-Einkauf in Kalifornien im April 2020 Bild: Reuters

Die Arbeitslosigkeit in der größten Volkswirtschaft der Welt schnellt in die Höhe, nun zeigen weitere Konjunkturzahlen: Es kommt noch schlimmer, als die Fachleute dachten.

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          Die größte Volkswirtschaft der Welt steuert mit enormer Geschwindigkeit in eine schwere Rezession. Durch die Corona-Pandemie und ihre Folgen sanken die Umsätze der Einzelhändler in den Vereinigten Staaten im März im Rekordtempo, während die Industrie ihre Produktion so kräftig drosselte wie seit dem Jahr 1946 nicht mehr. Die Aktienkurse an der Börse gaben merklich nach – an der Wall Street und auch in Europa.

          Die amerikanischen Einzelhändler nahmen trotz Panikkäufen in Lebensmittelgeschäften insgesamt 8,7 Prozent weniger ein als im Vormonat, wie das Handelsministerium in Washington am Mittwoch mitteilte. Einen größeren Rückgang hat es seit Beginn der Statistik im Jahr 1992 noch nicht gegeben. Ein Grund dafür: Wegen der Corona-Pandemie verloren im vergangenen Monat viele Millionen Amerikaner ihren Arbeitsplatz, während zugleich viele Geschäfte geschlossen bleiben müssen. Die Industrieproduktion fiel zugleich mit 6,3 Prozent doppelt so stark, wie von Fachleuten vorhergesagt.

          „Die Wirtschaft befindet sich fast im freien Fall“, sagte Sung Won Sohn, Professor für Betriebswirtschaft an der Loyola Marymount University in Los Angeles: „Wir werden den Tiefpunkt erst sehen, wenn sich die Infektionsraten stabilisieren.“

          Trendwende nicht in Sicht

          Die Fachleute des Internationalen Währungsfonds hatten gerade in ihrem neuen düsteren Ausblick für die Weltwirtschaft die schlimmste Krise seit der Großen Depression prognostiziert. Sie rechnen damit, dass alleine die amerikanische Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um beinahe 6 Prozent schrumpft, die deutsche um 7 Prozent.

          Die Kunden in Amerika wiederum hielten sich zuletzt vor allem mit dem Kauf von Bekleidung zurück: Hier halbierte sich der Umsatz im März. Die Autoverkäufe schrumpften um mehr als ein Viertel. Das Geschäft mit Lebensmitteln und Getränken wuchs hingegen gegen den Trend um 25,6 Prozent. „Die Panikkäufe in Lebensmittelgeschäften können die Ausgabenkürzungen, die wir in anderen Bereichen erleben, nicht ausgleichen“, sagte Ökonom Tim Quinlan von Wells Fargo Securities. Der private Konsum steuert rund zwei Drittel zum amerikanischen Bruttoinlandsprodukt bei.

          Eine rasche Trendwende zeichnet sich Experten zufolge nicht ab. „Auch wenn der Konsum in den kommenden Monaten wieder anziehen wird, ein rasches Zurück zu den altbekannten Niveaus wird es vorerst nicht geben“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank Thomas Gitzel voraus: „Die wirtschaftlichen Unsicherheiten und eine höhere Sockelarbeitslosigkeit vermiest den Amerikanern noch längere Zeit das Shoppen.“

          Auch in der Industrie zeichnet sich keine baldige Wende zum Besseren ab. „Mit einer deutlichen Erholung im April ist nicht zu rechnen, da die Infektionszahlen in den Vereinigten Staaten weiter steigen und der Lockdown fortbesteht“, sagte Heleba-Ökonom Patrick Boldt. Die Industrie, die elf Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung ausmacht, war schon vor der verschärften Corona-Krise schlecht in Form. Dazu trugen die Probleme des Flugzeugherstellers Boeing mit seinem Modell 737 MAX ebenso bei wie der Preiskrieg der Ölförderländer Russland und Saudi-Arabien, der den amerikanischen Förderfirmen mit der kostspieligeren Fracking-Technik zu schaffen macht.

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