https://www.faz.net/-gqe-93r1o

Digitalisierung : Erste Überwachungs-Pille zugelassen

  • Aktualisiert am

Alle Medikamente nach Plan genommen? Wenn nicht, schadet das nicht nur der Gesundheit der Patienten. Bild: dpa

Nehmen Patienten ihre Medikamente so, wie der Arzt das verschrieben hat? Ein neues Medikament mit einem Sensor kann das prüfen. Große Hilfe oder „biomedizinischer Big Brother“?

          1 Min.

          Nehmen Patienten die ihnen verschriebenen Medikamente wie vom Arzt verlangt? Wenn nicht, funktioniert der Genesungsplan nicht wie gewünscht. Und es ist außerdem teurer, weil die Medizin und das Geld dafür dann verschwendet worden sind. Offenbar kommt das häufig vor. Fachleute schätzen einem Bericht der „New York Times“ zufolge, dass durch solches Verhalten Kosten in Höhe von 100 Milliarden Dollar entstehen - pro Jahr.

          Das ist der Hintergrund für eine spektakuläre Entscheidung der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, die verantwortlich dafür ist, neue Medikamente und Behandlungen in den Vereinigten Staaten zuzulassen. Die FDA erlaubt nun erstmals eine digitale Pille - ein mit einem Sensor ausgestattetes Medikament, das es Ärzten ermöglichen soll festzustellen, ob und wann ihre Patienten die Medikamente nehmen.

          Kupfer, Magnesium, Silikon

          „Wenn Patienten nicht dem ihnen verschriebenen Lebensstil oder der verordneten Medikation folgen, hat das substantielle Konsequenzen, die schlecht sind für sie und sehr teurer“, sagte William Shrank, Mediziner an der Universität von Pittsburgh, der Zeitung. Die nun zugelassene digitale Pille „hat das Potential, die Gesundheit allgemein zu verbessern“, schätzt Ameet Sarpatwari, ein Fachmann an der Harvard-Universität.

          Wer die digitalen Pillen nimmt, kann demzufolge erlauben, dass der Arzt und vier weitere Personen, zum Beispiel Familienmitglieder, entsprechende Daten bekommen. Über eine Smartphone-App soll es außerdem möglich sein, die einmal gewährte Erlaubnis jederzeit wieder zu blockieren.

          Die nun zugelassene Pille heißt „Abilify MyCite“. Sie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen Otsuka, and Proteus Digital Health. Der Sensor, der Kupfer, Magnesium und Silikon enthält, erzeugt elektrische Signale, wenn er mit Magenflüssigkeit in Berührung kommt.

          Jeffrey Lieberman, Psychiater an der Columbia Universität in New York, ist einerseits zuversichtlich für das Medikament. „Es wird dazu führen, dass Menschen weniger Rückfälle erleiden“, sagte er der „New York Times“. Er fügte hinzu: „Es steckt eine gewisse Ironie darin, das Menschen zu geben mit mentalen Störungen, die Wahnvorstellungen einschließen können. Es ist wie ein biomedizinischer Big Brother.”

          Weitere Themen

          Kröten schlucken für die Ampel

          Keine höhere Einkommensteuer : Kröten schlucken für die Ampel

          Selbst Jürgen Trittin akzeptiert, dass die Steuern für Topverdiener nicht steigen werden. Und Christian Lindner kommt mit einem höheren Mindestlohn klar. Für ihn zeichnet sich ein Konkurrent als möglicher nächster Finanzminister ab.

          Wirtschaftsforscher senken Konjunkturprognose deutlich Video-Seite öffnen

          Anstieg von nur 2,4 Prozent : Wirtschaftsforscher senken Konjunkturprognose deutlich

          Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr noch einmal deutlich abgesenkt. In ihrem Herbstgutachten gehen die Expertinnen und Experten nun von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,4 Prozent in diesem Jahr aus – nach prognostizierten 3,7 Prozent im Frühjahr.

          Topmeldungen

          Christian Lindner spricht und Robert Habeck wartet Anfang Oktober in Berlin.

          Keine höhere Einkommensteuer : Kröten schlucken für die Ampel

          Selbst Jürgen Trittin akzeptiert, dass die Steuern für Topverdiener nicht steigen werden. Und Christian Lindner kommt mit einem höheren Mindestlohn klar. Für ihn zeichnet sich ein Konkurrent als möglicher nächster Finanzminister ab.
          Woran festhalten, was erneuern? Hendrik Wüst blickt nach vorne.

          Kritik an Parteispitze : Die Abrechnung der Jungen Union

          Fehlende thematische Positionierung, Störfeuer aus Bayern und eine Kampagne, die zum Teil „nur noch zum Haare raufen“ gewesen sei: Der Parteinachwuchs ist beim Deutschlandtag gereizt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.