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David Malpass : Trump nominiert Weltbank-Kritiker für den Chefposten

Für seine Kritik an der Weltbank bekannt: David Malpass Bild: AFP

Donald Trump will mit David Malpass einen Kritiker der Weltbank an die Spitze der Institution stellen. Der amerikanische Präsident könnte damit durchkommen – trotz Widerstand.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat am Mittwoch einen notorischen Kritiker der Weltbank für die Präsidentenrolle der Institution nominiert. Der 62 Jahre alte David Malpass, Staatssekretär im Finanzministerium, hat sich zwar bisher wenig Freunde in der internationalen Entwicklungshilfe gemacht. Er hat trotzdem gute Chancen, von den 25 Exekutiv-Direktoren bestätigt zu werden.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Hohe amerikanische Regierungsbeamte bestätigten, dass Finanzminister Steven Mnuchin Gespräche mit Ministern wichtiger Länder wegen der Personalie geführt hat, die ihn zuversichtlich stimmten. Der Wille der anderen Anteilseigner der Weltbank, in dieser Frage die Konfrontation mit den Vereinigten Staaten zu suchen, ist schwach ausgeprägt. Das ist die Quintessenz aus Gesprächen mit Insidern, die zum Teil anonym bleiben wollen.

          Die Führungsposition der Weltbank ist vakant, seit Jim Yong Kim die Bank überraschend verlassen hat, um für eine private Investmentgesellschaft zu arbeiten. Malpass ist offenbar entschlossen, seine Rhetorik den neuen Gegebenheiten anzupassen. Regierungsvertreter hoben seine konstruktive Rolle bei der Kapitalerhöhung der Weltbank und in anderen multilateralen Zusammenkünften hervor. Seine frühere Kritik sei nicht als Ablehnung zu deuten, sondern als Versuch, die Weltbank effizienter zu machen.

          Malpass für Fehleinschätzungen bekannt

          Malpass hatte sich als Wahlkampf-Berater für die „America first“-Agenda seines Präsidenten ausgesprochen. Er hat zudem die Weltbank scharf dafür kritisiert, China weiter Geld zu leihen. In einer Anhörung vor dem Kongress hatte er die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds als „oft korrupt in der Ausleihpraxis“ bezeichnet. Sie würden mit ihren Wohltaten nicht Leute in armen Länder begünstigen, sondern jene, die mit „1.-Klasse-Flugticket einflögen, um die Regierungen zu beraten“.

          Justin Sandefur von der Denkfabrik Center for Global Development sagt, nichts spreche für Malpass. Er sei durch ökonomische Fehleinschätzungen bekannt und würde die Weltbank unterminieren. Sandefur erinnerte daran, dass eine einfache Mehrheit der 25 Exekutiv-Direktoren entscheide, Amerika habe keine Veto-Macht. Es gebe viele bessere Kandidaten. Sandefur könnte dabei an Ngozi Okonjo-Iweala denken, die mit der Denkfabrik eng verbunden ist.

          Die Nigerianerin hatte hohe Führungspositionen in der Weltbank und Nigerias Regierung inne. Als Kims Vertragsverlängerung anstand, hatte sie gegen ihn kandidiert. Kim war 2016 schnell noch für die zweite Amtszeit ab Mitte 2017 bestätigt worden, bevor Trump ins Weiße Haus zog. Dass Kim jetzt die Segel strich und damit Trump den Zugriff auf die Kandidatenwahl gab, empfinden einige Anteilseigner als Verrat.

          Hausinterner Widerstand

          Allerdings liefert Trumps kritische Haltung paradoxerweise ein Argument, einen amerikanischen Weltbank-Präsidenten seines Vertrauens zu unterstützen. Das wäre der beste Weg, die amerikanische Regierung an die Institution zu binden, lautet ein Argument. Allerdings herrscht in der Weltbank auch die Haltung, dass globale Probleme wie der Klimawandel und die Armutsbekämpfung eine engagierte Führungskraft erforderten und nicht Kandidaten, von denen man höchstens erwarten könne, dass sie nicht bremsen.

          Amerikanische Regierungsvertreter machten allerdings deutlich, dass Malpass die Beschlüsse respektieren und den Standards folgen werde einschließlich der Finanzierung von Klimaschutz-Projekten, welche die Weltbank unter Kim zum neuen Schwerpunkt gemacht hat. Er werde sich zudem für die Stärkung der Rolle der Frauen stark machen, versicherten die Beamten.

          Malpass’ Werdegang zeigt Regierungserfahrung, liefert seinen Gegnern aber auch Munition: Er hat zwei republikanischen Regierungen in gehobenen Positionen gedient. Später wurde er Chefökonom der Investmentbank Bear Stearns, die 2008 im Zuge der Finanzkrise in die Knie ging. Noch 2007 hatte Malpass aggressiv dafür geworben, dass es keinen Grund zur Panik an den Kreditmärkten gebe. Sehr kritisch wird Trumps Kandidat von Mitarbeitergremien der Weltbank gesehen, etwa was Menschenführung angeht. Malpass’ Bestrebungen, die Gehälter zu deckeln und die Abläufe zu straffen, erklären womöglich einen Teil des hausinternen Widerstands.

          Unklar ist, ob China und die großen Schwellenländer einen Bewerber präsentieren. Einiges spricht dagegen. Brasilien und Mexiko suchen unter ihren neuen populistischen Staatschefs die Nähe Trumps, auch Indien will die Beziehungen zu Washington verbessern. Selbst China würde wohl einen Amerikaner akzeptieren, wenn er nicht zu feindselig auftritt. Europa neigt ohnehin dazu, mit den Vereinigten Staaten zu stimmen in Würdigung des alten Nachkriegs-Deals, demzufolge die Amerikaner den Weltbank-Chef bestimmen und die Europäer den des Internationalen Währungsfonds.

          Neue Weltbank-Präsidenten kämen mit großem Eifer und dann bleibe doch vieles beim Alten, sagt ein Weltbank-Veteran. Selbst kritische Kandidaten könnten der Institution nicht viel anhaben. Umgekehrt gilt das nicht: Der hochumstrittene neokonservative Paul Wolfowitz, der von Präsident George W. Bush ins Amt gehievt worden war, konnte sich nicht lange halten. Er hatte es sich mit vielen verscherzt. Als er einen Anlass bot, entfernte ihn das Exekutiv-Direktorium aus dem Amt. Wolfowitz hatte eine Beziehung mit einer Untergebenen gehabt.

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