https://www.faz.net/-gqe-8do7k

Bargeld-Debatte : Amerika diskutiert den 100-Dollar-Schein

  • Aktualisiert am

Der 100-Dollar-Schein ist die größte Geldnote in den Vereinigten Staaten. Bild: Reuters

Während in Europa der 500-Euro-Schein infrage steht, bricht nun auch in den Vereinigten Staaten eine ähnliche Diskussion vom Zaun. Ein wortgewaltiger Ökonom führt sie an.

          1 Min.

          In Europa bereitet die Europäische Zentralbank (EZB) das Ende des 500-Euro-Scheins vor, in Deutschland läuft eine wilde Debatte über Vorzüge und Nachteile des Bargelds, in die sich sogar die Bundesbank höchstselbst eingeschaltet hat. Außerdem plant das deutsche Finanzministerium eine Obergrenze für Bargeldzahlungen in Höhe von 5000 Euro. Kritiker sehen in diesen Initiativen einen schleichenden Freiheitsentzug der Bürger, der Wirtschaftsprofessor Hans-Werner Sinn rechnet auf FAZ.NET vor, wie die EZB die Strafzinsen für Banken erhöhen könnte, wenn es so käme.

          Nun wird die Diskussion zunehmen international und hat das Land der Freiheit schlechthin erreicht: die Vereinigten Staaten von Amerika. Larry Summers, früherer Finanzminister, Hedgefonds-Berater, Harvard-Universitätspräsident und wortgewaltiger Ökonom ruft dazu auf, die 100-Dollar-Scheine abzuschaffen. „It's time to go after big money“, überschreibt er seinen neusten Blog-Beitrag (hier).

          Mit „big money“ meint er in diesem Fall nicht das Vermögen der Reichsten, sondern große Geldscheine. Er argumentiert so, wie das die europäischen Befürworter tun: So könnten Kriminalität, Korruption und insbesondere auch Terror-Finanzierung wirksam bekämpft werden. Wer illegale Geschäfte tätigen möchte ohne (digitale) Spuren zu hinterlassen, verwendet eben am ehesten Bargeld, lautet der Gedanke dahinter.

          Summers schwebt dabei vor, dass sich die großen Länder der Erde abstimmen und nicht allein vorangehen. Dabei verweist er auf ein ebenfalls aktuelles Forschungspapier einer Gruppe um den Harvard-Wissenschaftler Peter Sands (hier), das auch auf Steuerhinterziehung in diesem Zusammenhang eingeht.

          In den Vereinigten Staaten ist die Debatte über den 100-Dollar-Schein übrigens nicht ganz so neu: Schon im Jahr 1986 forderte der damalige New Yorker Bürgermeister Edward Koch den Präsidenten Ronald Reagan auf, diese Note abzuschaffen - zu dieser Zeit mit dem Ziel, gegen den Drogenhandel vorzugehen.

          Weitere Themen

          So funktionieren NFTs Video-Seite öffnen

          Digitaler Echtheitsnachweis : So funktionieren NFTs

          Non-Fungible Tokens (NFTs) werden immer beliebter. Sie spielen etwa beim Handel mit digitaler Kunst eine Rolle. Die Videografik erklärt, was hinter dem digitalen Echtheitszertifikat steckt und wie es funktioniert.

          Warum es die Schüler am härtesten getroffen hat

          Hanks Welt : Warum es die Schüler am härtesten getroffen hat

          Es gibt Politiker, die behaupten: Inzwischen sei für die Schüler alles wieder gut. Dabei sind die Folgen der Schulschließungen noch gar nicht absehbar. Besonders für Nicht-Akademikerkinder werden sie vermutlich dramatisch sein.

          Topmeldungen

          Lars Klingbeil (links), Vorsitzender der SPD, und Saskia Esken, Vorsitzende der SPD, äußern sich am 20. Dezember 2021 bei einer Pressekonferenz nach der konstituierenden Sitzung des Parteivorstandes im Willy-Brandt-Haus in Berlin.

          Trotz Wahlerfolgs : Die SPD verliert weiter rasant Mitglieder

          Nach dem Wahlerfolg bei der Bundestagswahl traten der Partei im September zwar mehr Neumitglieder bei als in allen anderen Monaten des Jahres. Aber sie konnten den abermaligen Verlust von etwa fünf Prozent der Mitgliedschaft nicht ausgleichen.

          Novak Djokovics Ausweisung : Schluss mit dem Ego

          Nach dem Entzug des australischen Visums für den serbischen Tennis-Star bleibt zwar ein schaler Nachgeschmack, aber für den eigenen Schaden ist er, wohl auch entsetzlich schlecht beraten, selbst verantwortlich.
          Ein Militärangehöriger am 9. Dezember 2021 bei Sentianivka in der Ostukraine

          Ukraine-Krise : Plant Russland eine False-Flag-Operation?

          Washington erhebt detaillierte Vorwürfe gegen Moskau. Und der Kreml gibt erstmals offen zu, dass der jüngste Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine dazu dient, Putins Forderungen nach „Sicherheitsgarantien“ durchzusetzen.