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Corona-Krise : Historischer Konjunktursturz in Amerika

  • Aktualisiert am

Eine amerikanische Flagge weht im Wind nahe einer Ölbohranlage. Bild: AP

Die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaft der Welt fällt in Rekordtempo. Fachleute glauben, dass das Vorkrisenniveau frühestens in zwei Jahren wieder erreicht werden kann.

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          Die amerikanische Wirtschaftsleitung ist infolge der Corona-Krise so schnell geschrumpft wie noch nie seit Erhebung der entsprechenden Statistik im Jahr 1947. Das Bruttoinlandsprodukt der größten Volkswirtschaft der Welt verminderte sich in der Zeit von April bis Juni um beinahe 10 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

          Nach der in Amerika üblichen Berechnungsweise ergibt sich daraus ein auf das Jahr hochgerechneter BIP-Rückgang um 32,9 Prozent – das ist die offizielle Zahl, die das amerikanische Handelsministerium gerade in einer ersten Schätzung mitteilte. Zuvor befragte Fachleute hatten im Schnitt sogar einen noch schärferen Rückgang vorhergesagt. Sie gingen von einer annualisierten BIP-Verminderung um mehr als 34 Prozent aus.

          „Es wird lange dauern, bis die amerikanische Wirtschaft aus dem tiefen Tal der Tränen herauskommt. Andauernd hohe Infektionszahlen und Massenarbeitslosigkeit sorgen für erhebliche Verunsicherung“, kommentierte Bastian Hepperle, Volkswirt vom Bankhaus Lampe, und er fügte hinzu: „Diese lähmt den Privatkonsum sowie Investitionen.“

          Hohe Infektionszahlen

          Infolge der Coronavirus-Pandemie wurden auch in den Vereinigten Staaten viele Geschäfte und Fabriken vorübergehend geschlossen oder mussten ihre Produktion zumindest stark einschränken. Das belastete besonders auch den Konsum, der in dem Land traditionell für einen großen Teil der Wirtschaftsaktivität steht.

          Die Regierung des Präsidenten Donald Trump hat infolgedessen Hilfen in Billionen-Höhe beschlossen sowohl für Unternehmen als auch für Amerikaner, die ihren Arbeitsplatz verloren. Nach Ausbruch der Pandemie verloren Zigmillionen Amerikaner in kürzester Zeit ihre Stelle.

          Derzeit streiten Demokraten und Republikaner über ein weiteres umfangreiches Konjunkturpaket, um die Wirtschaft zu stützen. Während viele andere Länder nach einem scharfen „Lockdown“ ihre Infektionszahlen eingrenzen konnten, sind sie in Amerika weiterhin hoch geblieben oder sogar weiter gestiegen.

          Fachleute gehen mittlerweile häufig nicht mehr davon aus, dass auf den Konjunktureinbruch eine schnelle Erholung folgen wird, sondern dass sich dieser Prozess eher hinziehen wird. „Das BIP wird das Vorkrisenniveau wohl erst Anfang 2022 wieder erreichen“, sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Balz voraus. So dürfe die Erholung im dritten Quartal an Schwung verlieren. „Hochfrequenzdaten etwa zur Beschäftigung, Restaurantbesuchen, Hotelübernachtungen und der Mobilität deuten schon darauf hin, dass die neuerliche Infektionswelle viele Verbraucher wieder zögern lässt“, so der Fachmann weiter.

          Außerdem rechnet er damit, dass „die bisher extrem großzügigen Sonderzahlungen an Arbeitslose verringert werden, was den privaten Konsum dämpfen wird“. Zudem werde immer klarer, dass viele Arbeitsplätze in der Krise nicht nur temporär weggefallen, sondern dauerhaft verschwunden sind.

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