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US-Wahlen : Cyber-Dollar für die Parteien

  • -Aktualisiert am

Die New Economy hat für die US-Wahlen die Portemonnaies geöffnet. Viele wichtigen Entscheidungen stehen in der nächsten Legislaturperiode an.

          Larry Ellison hat sich festgelegt: Der Oracle-Chef ist bekennender Republikaner-Wähler. Folgerichtig hat sein Unternehmen dem Bush-Lager über eine halbe Million Dollar zukommen lassen. Die Spende in Höhe von 140.000 Dollar an das demokratische Lager fällt dagegen vergleichsweise bescheiden aus.

          Überhaupt schneiden die Republikaner in diesem Wahlkampf zumindest was die Höhe der Spenden angeht, besser ab. Mindestens 25 Millionen Dollar fließen allein aus der so genannten New Economy in die Wahlkampfschatullen beider Parteien, hat die Zeitschrift Business 2.0 errechnet. Das ist mehr als doppelt so viel wie 1996 oder bei den Kongresswahlen 1998. Davon gehen über 60 Prozent an die Grand Old Party. Am meisten lässt Microsoft springen: über 3,4 Millionen Dollar, die sich in 60 Prozent für die Republikaner und knapp 40 Prozent für die Demokraten aufteilen.

          440 zu 440

          Doch daraus zu schließen, dass ganz Silicon Valley auf George Bush setzt, wäre voreilig. Beide Lager haben sich in den vergangenen Wochen gerne mit führenden Köpfen der New Economy geschmückt. Netscape-Gründer Marc Andreesen und Apple-Chef Steven Jobs sind nur zwei der bekanntesten Namen einer 440 Personen umfassenden Liste von Demokraten-Unterstützern. Das Bush-Lager kann mit Persönlichkeiten wie Dell-Gründer Michael Dell, Cisco-Chef John Chambers oder Intel-CEO Craig Barrett gegen halten. Ehrensache, dass die Liste erst in der vergangenen Woche auf ebenfalls 440 Namen aufgestockt wurde.

          Undankbar, werden viele Demokraten sagen. Schließlich hat das Internet erst unter Präsident Clinton seinen Siegeszug angetreten. Entsprechend begründeten die demokratischen New-Economy-Wahlhelfer ihre Unterstützung auf einer Pressekonferenz mit dem "einzigartigen Aufschwung", den die amerikanische Wirtschaft unter der Regentschaft Clinton/Gore erlebt habe. Nur Gore und sein designierter Vize Joseph Lieberman hätten ausreichend Sachverstand, um die weiter zu entwickeln.

          Im Gegensatz zu seinem Kontrahenten hat sich Bush nie als besonderer Internet-Kenner gebrüstet. Dafür hat es der Texaner verstanden, sich mit einem hochkarätigen Team von High-Tech-Beratern zu schmücken. Diese flüstern ihm bei der passenden Gelegenheit schon mal die richtigen Ansichten ein. Doch die republikanischen Wahlhelfer haben neben der Gelehrsamkeit des Kandidaten ein weiteres Argument parat: Eine Bush-Regierung würde ihnen zufolge eher die Werte der New Economy - niedrige Besteuerung, individuelle Freiheit und Deregulierung - repräsentieren.



          Heiße Eisen

          Dass sich die New Economy überhaupt so stark engagiert, kann nur auf den ersten Blick überraschen. Viele vermeintlich unpolitischen CEOs mussten gerade seit dem Microsoft-Kartellverfahren erkennen, welchen Einfluss die Politik auf ihr Geschäft haben kann - und wie wertvoll umfassende Lobbyarbeit sein kann. Darüber hinaus dürften zahlreiche Internet-Themen zu den heißesten Eisen der kommenden Legislaturperiode gehören: Ob es um den Umgang mit privaten Daten geht, um Cyberterrorismus oder die Überbrückung des "digital divide" in der Gesellschaft - die Politiker werden überall mitmischen.

          Und dennoch gibt es immer noch einige bekannte Internet-Firmen, die sich weitgehend aus dem Wahlkampf heraushalten. Yahoo hat gerade mal 40.000 Dollar an die Parteien (Demokraten-lastig) überwiesen. Noch knauseriger gibt sich Amazon: Außer einen Scheck über 1.546 Dollar an die Grüne Partei von Ralph Nader gabs vom weltgrößten Online-Händler nichts.







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