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Einreiseverbot : Amerikas Universitäten stehen unter Schock

Proteste überall: In Amerika gehen die Menschen wegen neuer Immigrationsregeln auf die Straßen. Bild: AP

Wissenschaftler werden an der Einreise gehindert oder ausgewiesen. Am schlimmsten trifft es die Mediziner. Eine Petition gegen die neuen Regeln findet viel Zuspruch.

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          Amerikas Einreisebeschränkungen für Personen aus sieben überwiegend muslimischen Ländern haben schon jetzt Auswirkungen auf die akademische Forschung in den Vereinigten Staaten. Am Wochenende wurden zwei iranische Wissenschaftler an der Einreise gehindert. Seyed Saravi war für seine Forschung an Herz-Kreislauf-Systemen mit einem Forschungsstipendium an der Harvard Medical School belohnt worden. Er kehrte jetzt nach Abu Dhabi zurück. Ebenfalls in einem mit Harvard verbundenen Forschungslabor wollte Samira Asgari ihre Tuberkulose-Forschung fortsetzen. Sie war im Frankfurter Flughafen von einem Konsulatsbeamten am Betreten des Flugzeugs gehindert worden. Asgari hatte fünf Jahre in der Schweiz gearbeitet und für ihre geplante Tätigkeit in Boston ein Stipendium organisiert: Sie brachte ihre Bezahlung gleich mit.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Saravi und Asgari sind nur zwei Beispiele von Hunderten Wissenschaftlern im ganzen Land, die von den Einreisebeschränkungen betroffen sind. Harvard, MIT, Princeton, Stanford und viele andere Universitäten empfehlen ihren Studenten und Wissenschaftlern, die aus den von Trump ins Visier genommenen Ländern kommen, jegliche Reisepläne auf Eis zu legen, bis mehr Klarheit über die Umsetzung der neuen Immigrationsregeln herrscht. Erste Wissenschaftler sagen inzwischen Kongresse im Ausland ab, weil sie fürchten, nicht mehr zurückreisen zu können. Der iranische Mikrobiologe Kaveh Daneshvar, ebenfalls von der Harvard Medical School, zog seine Kongressrede im kanadischen Banff zurück, mit der er sich für den Arbeitsmarkt positionieren wollte.

          Das deutsche Hasso-Plattner-Institut meldet, dass eine Doktorandin einen geplanten Forschungsaufenthalt an der Stanford-Universität wegen der neuen Reisebestimmungen absagen musste. „Wir sind stolz auf unsere langjährige Zusammenarbeit mit der Stanford University“, so Institutsdirektor Professor Christoph Meinel. Die Beziehungen seien eng, viele Forschungskollegen stünden im regelmäßigen Austausch. Es sei daher besonders schmerzlich, dass geschätzten Mitgliedern des Forschungsteams jetzt die Einreise verweigert werde. „Das Einreiseverbot für Bürger aus sieben muslimischen Ländern ist ein großer Schlag gegen internationale Forschungsprogramme und -kooperationen“, schrieb Meinel. Wissenschaft lebe von Weltoffenheit, so der Forscher.

          „Das ist extrem frustrierend“

          Hart treffen könnte es vor allem die Medizin: Die Vereinigung der medizinischen Hochschulen meldet, dass sich aktuell 260 Mediziner aus den sieben Ländern für ein Aufenthaltsrecht beworben haben, um in Amerika zu forschen und zu therapieren. Ein Viertel der in den Vereinigten Staaten praktizierenden Ärzte kommt nach Angaben des Verbandes aus dem Ausland. Die Mediziner sind durch aktuelle Fälle wie jenem der Medizinerin Suha Abushamma schockiert. Die in Saudi-Arabien geborene und aufgewachsene Frau hat ein sogenanntes H-1B-Visum, das Spezialisten mit besonderen Kenntnissen die Arbeit erlaubt, und arbeitet an der renommierten Cleveland-Klinik. Zollbeamte zwangen sie am Samstag, das Land zu verlassen oder alternativ ausgewiesen zu werden und einen Sperrvermerk zu erhalten, der ihr eine Wiedereinreise in den nächsten fünf Jahren verbietet. Abushamma hat einen sudanesischen Pass und fiel deshalb unter das Dekret.

          Vereinigte Staaten : Wachsende Protestwelle gegen Trumps Einreiseverbot

          „Das ist extrem frustrierend“, sagte Hazhir Rahmandad, ein aus Iran stammender Professor am Massachussetts Institute of Technology. Er hat eine Datenbank über Fälle von Wissenschaftlern und Studenten zusammengestellt, die aufgrund der neuen Immigrationsregeln in Schwierigkeiten geraten. „Wir haben Promovierende mit großen Problemen. Viele studentische Bewerber können womöglich keinen Platz bekommen. Wir haben Kollegen, die gestrandet sind. Und einige Wissenschaftler, die wir gerne einstellen wollen, kommen womöglich nicht.“ Mit Tausenden anderen Wissenschaftlern unterzeichnete er eine Petition, die den Einreisebann als den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten zuwiderlaufend bezeichnet – denn er schade der amerikanischen Führung in Wissenschaft und Forschung.

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