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US-Notenbank hebt Leitzins an : Fed leitet den Kampf gegen die Rekordinflation ein

Kampf der Inflation: Die Fed hebt den Leitzins an Bild: Reuters

Die Fed erwartet weitere sechs Zinsanhebungen um 0,25 Prozentpunkte in diesem Jahr. Zudem rechnen die amerikanischen Zentralbanker nun mit einer deutlich höheren Inflationsrate von 4,3 Prozent.

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          Die Federal Reserve hebt zum ersten Mal seit 2018 die Leitzinsen an, um die stark steigende Inflation zu bekämpfen, die in den Vereinigten Staaten den höchsten Wert seit 40 Jahren angenommen hat. Die Zentralbanker haben sich zu einer Anhebung der Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte in die Bandbreite von 0,25 und 0,5 Prozent entschlossen. Sie erwarten überdies weitere sechs Zinsanhebungen um 0,25 Prozentpunkte in diesem Jahr und entsprechend weniger, wenn die Fed Anhebungen von 0,5 Prozentpunkten beschließt. Das geht aus den Projektionen der Zentralbanker hervor, die die Fed ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht hat. Im kommenden Jahr halten die Zentralbanker weitere vier Zinsschritte für wahrscheinlich mit einem Leitzins von 2,8 Prozent Ende 2023.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der errechnete Mittelwert aus den gesammelten Vorhersagen ergibt einen Leitzins von 1,9 Prozent Ende dieses Jahres. Einem Zentralbanker fiel der aktuelle Zinsschritt allerdings zu klein aus. James Bullard stimmte gegen die geldpolitische Entscheidung. Er befürwortete einen Zinsschritt von 0,5 Prozentpunkten. Allerdings strafft die Fed die Geldpolitik noch darüber hinausgehend. Sie wird nach eigenen Angaben von der nächsten Sitzung an beginnen, ihr rund neun Billionen Dollar umfassendes Portfolio an Staatsanleihen und staatlich gesicherten Immobilienanleihen zu reduzieren.

          Die Fed reagiert mit den Entscheidungen auf die hohe Inflationsrate und die steigende Tendenz. Sie betrug im Januar 6,1 Prozent nach dem von der Fed als Indikator präferierten Preisindex der persönlichen Konsumausgaben. In diesem Umfang ist die Kaufkraft im Vergleich zum Januar des Vorjahres zurückgegangen. Die Notenbanker sehen als Ursache Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage, die durch die Pandemie ausgelöst wurden.

          Kaufkraft soll stabil bleiben

          Dazu kommen höhere Energiepreise und, wie die Fed jetzt eingesteht, eine breitere Aufwärtsentwicklung der Preise. Fed-Chef Jerome Powell sicherte die Entschlossenheit der Fed-Führung zu, jedes Werkzeug zu nutzen, damit sich die Inflation nicht eingrabe und Inflationserwartungen sich nicht auf einem höheren Niveau einpendelten. „Wenn es nötig ist, handeln wir.“ Preisstabilität sei die Voraussetzung für einen starken Arbeitsmarkt. Die Zentralbanker rechnen in diesem Jahr nun mit einer Inflationsrate von 4,3 Prozent, nachdem sie im Dezember noch eine Rate von 2,6 Prozent für 2022 prophezeit hatten.

          Dass der Trend weiter nach oben weist, zeigt schon der etwas anders ermittelte Verbraucherpreisindex, der im Februar eine Steigerung von knapp 8 Prozent binnen zwölf Monaten zeigte. Der Krieg in der Ukraine gibt einen weiteren Inflationsimpuls durch kräftig gestiegene Preise für Rohöl, Erdgas und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft sieht die Fed als höchst unsicher an. Doch kurzfristig würden die Invasion und die damit verbundenen Ereignisse die Inflation vermutlich beflügeln und wirtschaftliche Aktivitäten bremsen. Neue Sorgen um die globalen Lieferketten löst die Pandemieentwicklung in China aus, die zu ersten Lockdowns an wichtigen Industriestandorten und Häfen geführt hat.

          Etwas Zuversicht können die Zentralbanker aus den jüngsten Konsumdaten schöpfen. Amerikaner haben sich demzufolge bisher nicht von hohen Preisen abhalten lassen, mehr Güter und Dienste zu konsumieren. Hohe Ersparnisse und stetige Arbeitseinkommen aus einem Arbeitsmarkt, dem Beschäftigte fehlen, stützen die Konsumneigung noch. Fed-Chef Powell erwartet nicht, dass die amerikanische Wirtschaft in die Rezession abrutschen könnte. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sei stark, im Arbeitsmarkt gebe es fast doppelt so viele offene Stellen wie Jobsuchende, Haushalte und Unternehmen zeigten eine vergleichsweise gut finanzielle Ausstattung. Das seien alles Zeichen für eine Wirtschaft, die erblühe und nicht nur die leicht gestrafften Finanzkonditionen aushalte.

          Die Zentralbanker erwarten, dass die US-Wirtschaft im kommenden Jahr um 2,8 Prozent wächst. In der Dezemberprojektion hatten sie noch ein Plus von 4 Prozent erwartet. Die Abwertung ist laut Powell eher der Unsicherheit über die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine geschuldet und nicht so sehr einer gestrafften Geldpolitik. Powell erwartet nun, dass die Inflation in der zweiten Jahreshälfte nachlässt, wenn globale Lieferprobleme gelöst werden. Die Wirkung der geldpolitischen Maßnahmen entfalte sich überwiegend 2023 und 2024, sagte Powell.

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