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Standort-Umfrage : Amerikas Konzerne bemängeln Deutschlands digitale Infrastruktur

Analoger Deutschland-Fan: Elon Musk baut eine Tesla-Fabrik in Brandenburg Bild: AFP

Trotz Milliarden-Investitionen von Tesla und Apple beklagen amerikanische Manager den Zustand der Digitalisierung hierzulande. Aber sie sehen auch vieles am Standort positiv, wie eine Umfrage zeigt.

          3 Min.

          Gerade erst hat die Milliardeninvestition des Technologiekonzerns Apple in Deutschland für Aufsehen gesorgt und der Bau der „Gigafabrik“ von Tesla hält nicht nur Brandenburg seit Monaten in Atem. Damit haben große amerikanische Investoren ihr Vertrauen in den Standort im Herzen Europas bewiesen.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Dennoch gibt es vor allem zwei Punkte, die Konzerne aus den Vereinigten Staaten hierzulande kritisieren: Zum einen die digitale Infrastruktur. Zum anderen hohe Energiekosten.

          Sehr hoch im Kurs stehen dagegen die Qualifikation der deutschen Mitarbeiter, die Qualität von Forschung und Entwicklung wie auch der Zulieferer-Netzwerke. Auch die Verlässlichkeit der deutschen Politik wissen amerikanische Manager zu schätzen.

          Das sind zentrale Aussagen des transatlantischen Business Barometers. Das ist eine Umfrage im Auftrag der deutsch-amerikanischen Handelskammer (Amcham) unter mehr als 70 Konzernen aus beiden Ländern.

          Trotz Corona: In vielen Fällen legt der Umsatz zu

          Insgesamt bewerten fast zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten auf amerikanischer Seite den Standort Deutschland positiv. Allerdings weist die Kammer darauf hin, dass der Wert noch im Jahr 2018 stolze 91 Prozent betrug.

          Trotz der Corona-Krise erzielte fast die Hälfte der amerikanischen Unternehmen im vergangenen Jahr ein Umsatzplus mit ihrem Deutschlandgeschäft. Und jedes dritte tätigte während der Pandemie Investitionen und stellte Mitarbeiter ein.

          Hält bislang, was er verspricht: Unternehmen setzen auf Präsident Biden
          Hält bislang, was er verspricht: Unternehmen setzen auf Präsident Biden : Bild: AP

          Umgekehrt verbuchte fast jedes zweite deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang im Amerikageschäft, knapp ein Drittel baute Beschäftigte ab und jedes fünfte strich Investitionen zusammen. Für das laufende Jahr zeigt sich die Mehrheit jedoch wieder deutlich optimistischer: Drei von vier Befragten gehen davon aus, dass die Erlöse zulegen werden.

          Insgesamt ist das Interesse am Investitionsstandort in Übersee weiter groß: Rund 76 Prozent der Befragten bezeichnen ihn als gut oder sehr gut.

          Vorteil Amerika: Besseres Klima für Start-ups

          Und fast genauso hoch ist der Prozentsatz derjenigen, die für die Amtszeit des neuen Präsidenten Joe Biden eine Verbesserung der Bedingungen erwarten. Sie schätzen in Amerika vor allem das Potential am Arbeitsmarkt der weltgrößten Volkswirtschaft, die Rahmenbedingungen für Start-ups und Unternehmer sowie die gute digitale Infrastruktur.

          Auch die vom früheren Präsidenten Donald Trump reformierte Unternehmensbesteuerung findet Gefallen. Auf den hinteren Plätzen landen die Arbeitskosten, die Visaerteilung sowie die allgemeine Verlässlichkeit der Politik. Mehr als jedes dritte befragte deutsche Unternehmen prangert die Sprunghaftigkeit der Politik an.

          Auch hier lässt sich aber eine fundamentale Veränderung feststellen: Im Vorjahr hatte der Wert noch stolze 81 Prozent betragen.

          Biontech und Pfizer zeigen, wie es geht, findet Amcham-Chef Frank Sportolari
          Biontech und Pfizer zeigen, wie es geht, findet Amcham-Chef Frank Sportolari : Bild: dpa

          Die Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks stünden vor großen Aufgaben, kommentierte Amcham-Präsident Frank Sportolari die Umfrage in einer Mitteilung vom Donnerstag. Sehr viele litten unter den Folgen der Pandemie.

          „Deshalb müssen die Hilfspakete hier und auch in den Vereinigten Staaten weiter geschnürt und den Unternehmen zügig zur Verfügung gestellt werden“, mahnte der Manager, der hauptberuflich Deutschlandchef des Logistikunternehmens UPS ist.

          Er fand aber auch mutmachende Beispiele: „Die gemeinsame Impfstoffentwicklung unserer Mitglieder Biontech und Pfizer hat bewiesen, wie stark der transatlantische Wille zu Kooperation und Zusammenarbeit ist.“

          Wie groß die Hoffnungen sind, dass die auch unter Trump funktionierenden Wirtschaftsbeziehungen den insgesamt angespannten transatlantischen Dialog wieder beleben könnten, betonte auch Marcus Berret. Eine Revitalisierung unter der Biden-Regierung sei auch notwendig, „denn neben der Bewältigung der Pandemie stehen wir vor weiteren großen Herausforderungen wie dem Klimawandel und einer Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit“, sagte der Manager der Beratungsgesellschaft Roland Berger, die die Durchführung der Amcham-Umfrage betreut.

          Biden hält bislang, was er verspricht

          Dazu passt das Ergebnis einer in diesem Jahr zusätzlich geführten Blitzumfrage zu den ersten 50 Tagen unter Biden. Darin äußerten acht von zehn Befragten den Eindruck, dass Biden seinen Versprechen auch Taten folgen lasse.

          Sie wünschten sich, dass sich der Präsident vor allem auf die Themen Handel, Klima und Energie konzentriere. Danach folgten Digitalisierung, Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

          Dass sich aber auch unter einem Präsident Biden nicht alle Diskrepanzen der Vergangenheit in Luft auflösen, zeigt der Streit um die von Deutschland geförderte Pipeline Nord Stream 2. Hier setzt Biden – wenn auch dezenter im Ton – bislang die ablehnende Haltung seiner Vorgängers fort.

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