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US-Konjunktur : Greenspan bleibt vorsichtig

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Euphorie sieht anders aus: Alan Greenspan Bild: dpa

Das Orakel hat gesprochen. Beobachter werten Notenbankchef Alan Greenspans Worte zur Lage der US-Konjunktur als verhaltenen Optimismus.

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          Die amerikanische Wirtschaft zeigt nach neun Monaten Rezession zwar erste Anzeichen für eine Stabilisierung, ein nachhaltiger Aufschwung ist nach Ansicht des Chefs der amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan, noch nicht in Sicht.

          Es gebe Anzeichen, dass einige Faktoren, die die Konjunktur im letzten Jahr belastet hätten, im Schwinden begriffen seien und dass eine Wiederbelebung der Wirtschaftsaktivität zu spüren sei,erklärte Greenspan am Donnerstag vor dem Haushaltsausschuss des US-Senats. Zugleich richtete der Notenbankchef einige mahnende Worte an die Aktienmärkte, deren Konjunkturerwartungen seiner Ansicht nach zu optimistisch sind.

          Belebung möglicherweise ein Strohfeuer

          Wie stark die Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft ausfallen wird, dürfte Greenspan zufolge nicht zuletzt von der Entwicklung der Lagerbestände abhängen. Diese sollten bald wieder steigen, nachdem sie im vergangenen Jahr permanent gefallen waren. Allerdings werde der konjunkturbelebende Impuls des Lageraufbaus kurzfristig sein, solange die übrige gesamtwirtschaftliche Nachfrage keine nachhaltige Belebung zeige.

          Vor den Mitgliedern des Haushaltsausschusses verwies Greenspan darauf, dass er über die in kommenden Jahren sich abzeichende Zunahme des öffentlichen Haushaltdefizits nicht besorgt sei. Insgesamt seien die staatlichen Finanzen trotz der zuletzt verzeichneten Defizite deutlich solider als noch vor etwa zehn Jahren. Vor dem Hintergrund dieser Aussage verteidigte Greenspan auch seine Unterstützung für Steuersenkungen vor rund einem Jahr. Auf der anderen Seite hält er derzeit weitere fiskalpolitische Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft nicht für notwendig.

          Die Auslegungen der Notenbank-Pythia

          Greenspans Ausführungen zur wirtschaftlichen Situation unterschieden sich nicht wesentlich von denen in seiner Rede in San Francisco vor knapp zwei Wochen. Beobachter betonten allerdings, der Fed-Chairman habe diesmal darauf verzichtet, von “signifikanten Risiken“ zu sprechen, denen die Wirtschaft gegenüber stehe. Dennoch führte er wieder die Verluste am Aktienmarkt an, die zusammen mit der steigenden Arbeitslosigkeit die Konsumausgaben der privaten Haushalte dämpfen könnten. Zudem machte er erneut auf die anhaltend unter Druck stehenden Unternehmensgewinne aufmerksam.

          "Er signalisiert weiterhin, dass sich die Konjunktur nicht so stark erholen wird, wie viele Leute glauben", interpretierte der Volkswirt Rich Kasmin von Hotspot FX die Worte Greenspans. Ähnlich wertete die Ökonomin Lara Rhame von Brown Brothers die Rede: Der Fed-Chairman sei der Ansicht, dass "die wirtschaftliche Erholung nur von kurzer Dauer sein wird, solange die Verbraucherausgaben und die Unternehmensinvestitionen nicht deutlich zulegen".

          Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung sinkt

          An den Finanzmärkte wurde hingegen vor allem der Optimismus in der Rede gesucht. So lließen sich die Aktienkurse an der Wall Street nicht in ihrer Aufwärtsbewegung beirren, wohingegen die Anleihekurse sanken. Händler begründeten die Entwicklung damit, dass die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung zur Ankurbelung der Konjunktur ein wenig gesunken sei.

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