https://www.faz.net/-gqe-9kj60

Amerikas Staatshaushalt : 300 Milliarden Dollar Defizit in vier Monaten

  • Aktualisiert am

Präsident Donald Trump am Dienstag im Weißen Haus Bild: AFP

Die Vereinigten Staaten verschulden sich zusehends. Ein Grund ist die große Steuerreform. Ökonomen diskutieren, ob das ein Problem ist.

          Die amerikanische Regierung macht weiter hunderte Milliarden Dollar neue Schulden. In den ersten vier Monaten des laufenden Haushaltsjahres, das im Oktober begann, gab der Staat ungefähr 310 Milliarden Dollar mehr aus als er einnahm.

          Das geht aus Zahlen hervor, die das amerikanische Finanzministerium am Dienstag in Washington veröffentlichte (hier). Gegenüber dem vergangenen Haushaltsjahr, als das Haushaltsdefizit um diese Zeit 176 Milliarden Dollar betrug, ist dies ein Anstieg um 77 Prozent.

          Das höhere Minus in der Staatskasse hat mehrere Gründe: Die Regierung des Präsidenten Donald Trump gibt mehr Geld aus. Zugleich sind die Staatseinnahmen gesunken infolge der großen Steuerreform, welche die Republikaner auf den Weg gebracht hatten.

          Gerade die Unternehmenssteuereinnahmen verringerten sich, sie fielen um mehr als ein Fünftel auf nun knapp 60 Milliarden Dollar – in diesem Bereich hatte die Regierung die Sätze deutlich reduziert. An den Zahlen zeigt sich zudem, dass die gehegte Hoffnung nicht aufgeht, die Steuersenkung würde sich quasi von selbst refinanzieren.

          Die amerikanische Administration akzeptiert damit offenkundig weiterhin einen merklichen Zuwachs der Verschuldung. Im vergangenen Haushaltsjahr erzielte sie ein Defizit in Höhe von 780 Milliarden Dollar.

          Sind die Schulden ein Problem?

          Fachleute sehen dies vor allem deshalb kritisch, weil sich die amerikanischen Wirtschaft seit Jahren sehr robust entwickelt. Ökonomen empfehlen durch Schulden finanzierte Steuersenkungen oder Ausgabensteigerungen tendenziell dann, wenn die Wirtschaft in einer Krise steckt und die Arbeitslosigkeit hoch ist – in der Hoffnung, Schwächephasen hierdurch schneller überwinden zu können.

          Ob die hohen Schulden wiederum ein (großes) Problem sind, darüber streiten die Fachleute. Olivier Blanchard, ein früherer Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, hat darüber unlängst eine neue Debatte angestoßen.

          Mit Blick auf die Vereinigten Staaten gilt seit jeher jedoch auch, dass sich das Land aufgrund der Weltleitwährungsfunktion des Dollars leichter und höher verschulden kann als andere Länder. Viele ausländische Notenbanken halten einen großen Teil ihrer Währungsreserven in Dollar und sind ein dauerhafter und wichtiger Abnehmer amerikanischer Staatsanleihen.

          Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, ein großer Kritiker Trumps, sagte gegenüber FAZ.NET: „Sogar eine Volkswirtschaft wie die Vereinigten Staaten muss langfristig für sich selbst aufkommen.“

          Allerdings schränkte er ein, dass „entwickelte Länder, die in ihrer eigenen Währung Kredit aufnehmen (...) hier wirklich über viel Raum zum Manövrieren“ verfügten. „Wenn ich eine Liste mit den zehn größten Problemen aufstellen müsste, wären unsere öffentlichen Schulden nicht enthalten“, befand Krugman.

          Weitere Themen

          Verunsicherung nach Pleite von Thomas Cook Video-Seite öffnen

          Britischer Reisekonzern : Verunsicherung nach Pleite von Thomas Cook

          Am Montag und Dienstag wollten von Deutschland aus 21.000 Menschen mit Thomas Cook abheben. Das Tochterunternehmen Condor teilte mit, den Flugbetrieb fortzusetzen und beantragte bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit.

          Topmeldungen

          Thomas Cook ist pleite : Was Reisende jetzt wissen müssen

          Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert Tausende von Urlaubern. Geht mein Geld verloren? Wie sicher ist das Absicherungsversprechen? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende.
          Einer für alles: Aktuelle Samsung-Fernseher haben auch die Apple-TV-App installiert.

          Video-Streaming im Überblick : Was gibt es da zu glotzen?

          Netflix, Amazon, Sky und jetzt noch Apple: Video-Streaming ersetzt immer mehr das klassische Fernsehen. Das Angebot wird vielfältiger und der Zugang komfortabler.
          Stephan E. soll den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet haben.

          Geheimpapier : Falsche Angaben im Fall Lübcke?

          Der hessische Verfassungsschutz soll im Vorfeld mehr über Lübckes mutmaßlichen Mörder gewusst haben, als zunächst zugegeben wurde. Ein Geheimpapier belastet die Behörde.
          Das Mercedes-Benz Logo auf dem Turm des Hauptbahnhofes in Stuttgart.

          Brandbrief : Daimler-Vorstand rüttelt die Belegschaft wach

          Der Daimler-Vorstand Ole Källenius will mit einem Brandbrief seine Führungskräfte wachrütteln: Daimler will kurzfristig mindestens 4,2 Milliarden Euro einsparen. Die Mitarbeiter sollen selbst Ideen dafür finden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.