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Konten-Affäre : Wells Fargo fordert Gehalt zurück

Finanzskandal: Wells Fargo wird vorgeworfen, seine Kunden hintergangen zu haben. Bild: Reuters

Das Image von Wells Fargo hat durch die Scheinkonten-Affäre starken Schaden erlitten. Nun zieht die amerikanische Großbank Konsequenzen. Der verantwortliche Vorstandsvorsitzende soll für das Debakel geradestehen.

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          Die amerikanische Großbank Wells Fargo zieht weitere Konsequenzen aus einer Affäre um die Eröffnung von Scheinkonten. Der frühere Vorstandsvorsitzende John Stumpf, der seinen Posten im vergangenen Herbst wegen des Skandals aufgegeben hat, wird nach Angaben des Unternehmens ein Aktienpaket im Wert von 28 Millionen Dollar zurückgeben. Außerdem wird Carrie Tolstedt, die den in die Affäre verwickelten Geschäftsbereich geführt hat, auf Aktien im Wert von 47 Millionen Dollar verzichten. Sowohl Stumpf als auch Tolstedt hatten schon im vergangenen Jahr Teile ihrer Entlohnung zurückgezahlt. Insgesamt hat die Bank nun im Zuge des Skandals Managergehälter im Wert von mehr als 180 Millionen Dollar zurückgefordert.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In der Affäre geht es um fragwürdige Vertriebsmethoden. Wells Fargo ist vorgeworfen worden, seine Kunden mit illegalen Praktiken hintergangen zu haben. Die Bank soll für bestehende Kunden ohne deren Wissen Konten eröffnet und Kreditkarten beantragt haben. Der Skandal ramponierte den bis dahin relativ guten Ruf der Bank und wurde zum Gegenstand mehrerer Anhörungen vor dem amerikanischen Kongress. Die Bank erklärte sich in einem Vergleich mit Aufsichtsbehörden zu einer Strafzahlung von 185 Millionen Dollar bereit.,

          Neben den Ankündigungen, noch mehr Geld von früheren Managern zurückzuholen, legte die Bank am Montag auch den Abschlussbericht einer Untersuchung vor, die der Verwaltungsrat mit der Anwaltskanzlei Shearman & Sterling durchgeführt hat. In dem gut 110 Seiten umfassenden Dokument wird Carrie Tolstedt scharf kritisiert. Ihr wird vorgeworfen, zu wenig getan zu haben, um die aggressiven Vertriebspraktiken einzudämmen, außerdem habe sie deren Ausmaß gegenüber Vorgesetzten heruntergespielt. Aber auch der Vorstandschef John Stumpf erscheint in keinem guten Licht. Er sei „zu langsam“ im Hinterfragen der Geschäftspraktiken gewesen. Er habe auch gezögert, Tolstedt zu kritisieren, und habe sie sogar „die beste Bankerin Amerikas“ genannt.

          Tolstedt, die im Untersuchungsbericht nicht zu Wort kommt, wies die Anschuldigungen am Montag scharf zurück. „Wir sind mit dem Bericht und dessen Versuch, die Schuld Frau Tolstedt aufzuladen, nicht einverstanden“, hieß es in einer Mitteilung ihres Anwalts Enu Mainigi. Eine „vollständige und faire Untersuchung der Fakten“ würde zu einer anderen Bewertung führen, hieß es weiter. Der frühere Vorsitzende Stumpf reagierte zunächst nicht.

          Der Verwaltungsrat von Wells Fargo steht selbst unter Druck. Die Aktionärsberatungsgesellschaft Institutional Shareholder Services empfahl den Anteilseignern der Bank, bei der Aktionärsversammlung am 25. April gegen die Wiederwahl von 12 der 15 Verwaltungsratsmitglieder zu stimmen.

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