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Demokratischer Kandidat : So tickt Pete Buttigieg wirtschaftlich

Pete Buttigieg mit seinem Ehemann Chasten Buttigieg Bild: AFP

Der junge Kandidat Pete Buttigieg schneidet in Iowa überraschend gut ab. Der Demokrat präsentiert sich als Kontrast zu Bernie Sanders. Doch ein Posten in seiner Karriere erweist sich als Last.

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          Pete Buttigieg, der ehemalige Bürgermeister von South Bend, Indiana, verzeichnet einen schönen Erfolg in den Vorwahlen der Demokraten im Bundesstaat Iowa. Er wäre spektakulär gewesen, hätten nicht Ungereimtheiten bei den Auszählungen die Veröffentlichung des Ergebnisses verzögert. Stand Mittwochvormittag amerikanischer Zeit ist das offizielle Endergebnis immer noch nicht bekannt. Weil Bernie Sanders nur knapp hinter Buttigieg liegt, nachdem 71 Prozent der Stimmen ausgewertet sind, bleibt Buttigieg der Triumphschrei zwangsläufig im Halse stecken. Was für eine verpasste Chance: Barack Obama und Jimmy Carter hatten ihre überraschenden Siege in Iowa als Sprungbrett für einen Wahlkampf nutzen können, der sie schließlich in Weiße Haus brachte.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Buttigieg hat sich im innerparteilichen Wahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur offenbar erfolgreich als personifiziertes Kontrastprogramm zum Linken Bernie Sanders präsentiert: Er ist mit 38 Jahren blutjung und moderat. Sanders’ wichtigstes Wahlversprechen, den Plan zum Aufbau einer komplett staatlichen Gesundheitsvorsorge, lehnt Buttigieg ab. Er weiß, dass viele Amerikaner privat krankenversichert sind und daran festhalten wollen.

          Höhere Steuern für Reiche

          Sanders verführerisches Projekt, Amerikas Hochschulen unentgeltlich für Studenten zu machen und zudem hochverschuldete frühere Studenten von ihrer Finanzlast der Hochschulkredite zu befreien, findet ebenfalls nicht die Zustimmung Buttigiegs. Diese Abgrenzung ist nicht risikolos in einer Partei, die unbedingt junge Wähler an die Wahlurne bringen muss, um überhaupt eine Chance gegen die Republikaner zu haben.

          Wie Sanders, wenn auch weniger radikal, will Buttigieg Steuern für Reiche und für die oberste Einkommensgruppe erhöhen und zudem Teile der Unternehmenssteuerreform rückgängig machen, die nach seiner Darstellung ohnehin nur ein Geschenk an die Reichen war. Er befürwortet überdies eine Steuer auf CO2 und eine auf Finanztransaktionen.

          Der machtvolle parteiübergreifende Trend zum Protektionismus macht auch vor Buttigieg nicht halt. Er findet die von Präsident Donald Trump verhängten Zölle zwar negativ und sieht sie als Belastung für amerikanische Konsumenten. Zugleich würde er als Präsident auch Zölle androhen, um von Handelspartnern Zugeständnisse herauszuschlagen.

          Buttigieg fischt im gleichen Wählerbecken wie der frühere Vizepräsident Joe Biden und der New Yorker Unternehmer Michael Bloomberg, der zur Zeit mit einem einmaligem Kapitaleinsatz versucht, seine Wahlchancen zu verbessern. Buttigieg hat auch (noch) keine Geldschwierigkeiten: Seine Organisation sammelt erfolgreich Spenden von kleinen Leuten und Millionären gleichermaßen ein.

          Das unterscheidet ihn von Joe Biden, der offenbar abgeschlagener Vierter in Iowa war. Dieser muss viel Überzeugungskraft aufwenden, um seine alten Großspender zu motivieren, ihn durch die nächsten Vorwahlen zu tragen.

          Buttigieg hat nicht nur die gemäßigte Klientel im Blick, er muss auch die jungen Aktivisten hinter sich bringen, die noch hingebungsvoll Bernie Sanders folgen. Innerparteiische Wahlkampfscharmützel zeigen, dass sich die Arbeit von Buttigieg für das in progressiven Kreisen unbeliebte Beratungsunternehmen McKinsey als Last erweisen. Parteifreunde haben ihm auch eine Spenderveranstaltung im Napa Valley vorgehalten, wo er mit Silicon-Valley-Millionären teuren Rotwein trank.

          Die nächste Station der Wahlkampftour heißt New Hampshire. Dann geht es Buttigieg darum, unter den ersten drei abzuschneiden. Denn dort hat Sanders traditionell die Nase vorn. Dann geht es in Bundesstaaten, die südlicher, diverser und frommer sind. Das wird die nächste schwere Bewährungsprobe für den jungen Mann aus Indiana. Der Ausgang ist offen.

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