https://www.faz.net/-gqe-92zja

Urteile gegen Deutsche Bank : Postbank-Übernahme könnte weitere 3 Milliarden Euro kosten

Die Postbank ist seit dem Jahr 2015 eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Bank. Bild: dpa

Muss die Deutsche Bank noch einmal einen Milliardenbetrag aufbringen, um ehemalige Aktionäre der Postbank auszuzahlen? Zwei gerade ergangene Gerichtsurteile deuten darauf hin.

          Kurz bevor die Deutsche Bank ihre Tochtergesellschaft Postbank komplett integrieren will, könnte die Übernahme des Bonner Instituts die Bank noch einmal teuer zu stehen kommen. Im schlimmsten Fall muss sie den ehemaligen Aktionären der Postbank bis zu 3 Milliarden Euro zahlen, weil bei der schrittweisen Übernahme nicht alles mit rechten Dingen zuging.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das ergibt sich aus zwei Urteilen des Kölner Landgerichts von diesem Freitag. Dabei ging es darum, dass die Deutsche Bank im Jahr 2008 zunächst 29,75 Prozent der Postbank-Aktien für je 57,25 Euro erworben hatte, aber nach Ansicht der Kläger sogleich unrechtmäßig die Macht in der blau-gelben Bank an sich riss.

          Daraus ergäbe sich ein sogenanntes „acting in concert“ mit dem anderen damaligen Großaktionär, der Deutschen Post. Später stockte die Deutsche Bank ihre Beteiligung nach und nach auf und zahlte den verbleibenden Aktionären teilweise weniger als die Hälfte des ursprünglichen Preises, nämlich nur 25 Euro je Aktie. Im Jahr 2015 drängte sie dann auch die letzten verbliebenen Aktionäre durch einen sogenannten Squeeze-out aus der Bank und zahlte ihnen 35,05 je Aktie.

          Das Kölner Landgericht bestätigte am Freitag die Rechtmäßigkeit der Klagen auf „acting in concert“ und verurteilte die Bank zur Zahlung des Differenzbetrages an die Kläger (Az.: 82 O 11/15). Zudem erklärte das Gericht den Squeeze-out-Beschluss der Postbank von 2015 für nichtig (Az.: 82 O 115/15). Aus Sicht der beiden Klageführer Jan Bayer (BayerLaw) und Oliver Krauss (Tricon) ist der Weg nun frei für alle ehemaligen Postbank-Aktionäre, die sich im Zuge der Übernahme geschädigt sehen.

          Sollten alle damaligen Aktionäre die Ausgleichszahlung zugesprochen bekommen, könnte sich das ihren Angaben zufolge auf bis zu 3 Milliarden Euro summieren. Ein Sprecher der Bank sagte am Freitag allerdings, dass das Institut aller Voraussicht nach Berufung gegen beide Urteile einlegen werde. Nächste Instanz wäre dann das Kölner Oberlandesgericht, das in einem ähnlichen Verfahren voraussichtlich schon am 8. November ein Urteil sprechen wird.

          Ob die Bank Rückstellungen in dem Fall gebildet hat, wollte der Sprecher nicht sagen. Das Institut gehe weiterhin davon aus, dass kein Anspruch der Kleinaktionäre auf Nachzahlung bestehe. Die Aktionäre der Deutschen Bank blieben am Freitag gelassen, der Aktienkurs hielt sich auch nach Bekanntwerden des Urteils mit 1,4 Prozent stabil im Plus. Die potentiellen Ansprüche der Postbank-Aktionäre verjähren zum Jahresende. Wer noch Ansprüche gelten machen will, müsste das also spätestens bis Ende Dezember machen.

          Weitere Themen

          Wird die Pkw-Maut zum Minusgeschäft?

          Neue Prognosen : Wird die Pkw-Maut zum Minusgeschäft?

          Interne Zahlen aus dem Verkehrsministerium zeigen: Aus den erhofften 500 Millionen Euro wird wohl nichts. Die Grünen geißeln das Lieblingsprojekt von Verkehrsminister Scheuer als „teures und sinnloses Stammtischprojekt“.

          Topmeldungen

          Erdogans Akademiker : Der Rest ist Propaganda

          Wer dachte, eine Tagung des Zentrums für Türkeistudien in Essen würde die Lage der Universitäten am Bosporus kritisch beleuchten, sah sich getäuscht: kein Wort von Erdogans Säuberungen, nur Lob für den Potentaten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.