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Urteil : Frühere HSH-Vorstände freigesprochen

  • Aktualisiert am

Der frühere HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher Bild: dpa

Vor gut sechseinhalb Jahren entschieden sich die damaligen Vorstände der HSH Nordbank zu einem riskanten Finanzgeschäft. Jetzt wurde das Urteil gegen die sechs Manager gesprochen. Der Prozess endet mit einer Überraschung.

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          Überraschung im HSH-Nordbank-Prozess: Das Hamburger Landgericht hat den kompletten früheren Vorstand der Landesbank samt Ex-Finanzchef Dirk Jens Nonnenmacher freigesprochen. Nach Ansicht der Strafkammer sind die sechs Manager weder der schweren Untreue noch der Bilanzfälschung schuldig, wie der Vorsitzende Richter Marc Tully am Mittwoch sagte. Fehlentscheidungen der Angeklagten hätten nicht die „Grauzone in Richtung Strafbarkeit“ überschritten. Die Staatsanwaltschaft will ihren Angaben zufolge nun prüfen, ob sie in Revision geht. Dann würde der Fall beim Bundesgerichtshof landen.

          Erstmals in Deutschland stand der gesamte einstige Vorstand einer Bank wegen Ereignissen während der Finanzkrise vor Gericht. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe stets zurückgewiesen. In der Finanzkrise galt Nonnenmacher - Spitzname „Dr. No“ - als einer der umstrittensten Banker Deutschlands. Die früheren Bankmanager waren wegen Untreue in einem besonders schweren Fall angeklagt, zwei von ihnen auch wegen Bilanzfälschung. Die Staatsanwälte hatten Bewährungsstrafen und hohe Geldbußen verlangt.

          Die sechs ehemaligen Vorstandsmitglieder der HSH Nordbank Jochen Friedrich (oben l-r), Hans Berger, Dirk Jens Nonnenmacher, Peter Rieck (unten l-r), Bernhard Visker und Hartmut Strauß an verschiedenen Verhandlungstagen während ihres Prozesses vor dem Landgericht in Hamburg.
          Die sechs ehemaligen Vorstandsmitglieder der HSH Nordbank Jochen Friedrich (oben l-r), Hans Berger, Dirk Jens Nonnenmacher, Peter Rieck (unten l-r), Bernhard Visker und Hartmut Strauß an verschiedenen Verhandlungstagen während ihres Prozesses vor dem Landgericht in Hamburg. : Bild: dpa

          Schon beim Prozessauftakt vor knapp einem Jahr hatte der Vorsitzende Richter Marc Tully deutlich gemacht, dass es schwierig sei, mögliche Verfehlungen der Banker strafrechtlich zu erfassen. „Die Strafkammer betritt Neuland“, hatte er damals erklärt.

          Im Kern ging es um eine Transaktion namens Omega 55, ein Kreislaufgeschäft mit der französischen Bank BNP Paribas. Mit dem riskanten Doppelgeschäft wollte die HSH Nordbank ihre Bilanz entlasten. Ihr drohte damals eine Herabstufung durch Rating-Agenturen. Die Eigentümer der HSH, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, wollten das Institut im darauf folgenden Jahr an die Börse bringen.

          Im ersten Teil des Geschäfts übernahm die BNP die Ausfallrisiken eines Pakets von Immobilienkrediten der HSH. Im Gegenzug verpflichtete sich die Landesbank, in neuartige Finanzprodukte bei der BNP zu investieren. Am Ende verbuchte die HSH Nordbank durch „Omega 55“ aber hohe Verluste. Die Anklagebehörde schätzt den Schaden auf fast 53 Millionen Euro.

          Nur Milliardenhilfen retteten die Bank

          Diese Verluste trugen mit dazu bei, dass die Landesbank später am Rand des Zusammenbruchs stand und Milliardenhilfen ihrer Haupteigentümer Hamburg und Schleswig-Holstein brauchte. Die Staatsanwaltschaft hatte es als erwiesen angesehen, dass die Manager das Omega-Projekt durchwinkten, ohne die Risiken ausreichend zu prüfen. Die entsprechende Kreditvorlage hätten sie „im Blindflug“ und „nach Frühstücksdirektoren-Art“ unterzeichnet, hatte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer geklagt. Allerdings hielt auch die Staatsanwaltschaft den Angeklagten zugute, dass sie sich nicht persönlich bereichern hätten wollen. Zudem hätten sie wohl geglaubt, im Interesse der Bank zu handeln.

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