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Tourismus : Wenn der Urlaubstraum schon vor der Abreise platzt

Patrouille am Strand von Sousse. Bild: AP

Viele Deutsche reisen diesen Sommer in Länder, die gerade mit Krisen kämpfen. Fragen und Antworten für Urlauber, die Ferien in Tunesien oder Griechenland gebucht haben.

          3 Min.

          Terroranschlag in Tunesien, Schuldenkrise in Griechenland – die Feriensaison beginnt in diesem Jahr mit vielen Ungewissheiten für die Urlauber. Die meisten von ihnen haben längst ihren Urlaub gebucht. Jetzt stellt sich die Frage: Was tun? Trotzdem hinfahren? Oder stornieren? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was müssen Kunden machen, die nicht mehr nach Tunesien wollen?

          Alle großen Reiseveranstalter nehmen Stornierungen und Umbuchungen an. Mehr als die Hälfte der Kunden, die in den nächsten Tagen aufbrechen sollte, macht davon Gebrauch. DER Touristik mit den Marken ITS, Jahn-Reisen, Dertour und Meier’s Weltreisen kündigte am Dienstag an, dass bis Ende Oktober geplante Tunesien-Reisen umgebucht oder storniert werden dürfen. Kunden müssen sich dazu bis zum 15. Juli bei DER melden. „Aufbauend auf der Anzahl an tatsächlichen Buchungen, können wir Mitte Juli gemeinsam mit den Hotelpartnern und Fluglinien ein neues Programm für Tunesien aufstellen“, sagte DER-Manager René Herzog. TUI hat Umbuchungen und Stornierungen für Reisen, die bis zum 15. September beginnen, gestattet; bei Thomas Cook (Neckermann-Reisen) gilt dies bis 31. August. Alltours lässt Umbuchungen für alle Reisen zu, Stornierungen für Abreisetermine bis zum 31. Juli.

          Sind Reiseveranstalter verpflichtet, den Stornowunsch anzunehmen?

          Innerhalb der genannten Fristen haben sich die Anbieter zum kostenlosen Stornieren verpflichtet. Für Termine danach kommt es auf deren Kulanz an. Möglicherweise erstatten sie dann nicht den gesamten Preis. Den müssen sie nur zurückzahlen, wenn das Auswärtige Amt ausdrücklich vor Reisen warnt. Dann kündigen die Veranstalter den Reisevertrag auch von sich aus und holen Urlauber zurück. Eine solche Warnung gibt es für Tunesien nicht, das Amt rät dringend von Reisen in den Süden des Landes ab und rät generell zu „besonderer Vorsicht“. Umstritten ist, ob Veranstalter in Fällen höherer Gewalt auch schon reagieren müssen, obwohl es keine offizielle Reisewarnung gibt.

          Warum dürfen Tunesien-Reisen storniert werden, aber keine Griechenland-Reisen?

          Für Griechenland sehen die Reiseanbieter aktuell keine Krise, die zu einem erhöhten Sicherheitsrisiko für Urlauber oder zu einer schweren Beeinträchtigung der Reise führen kann. Die Reiseveranstalter geben an, dass alle von ihnen eingekauften Reiseleistungen abgesichert sind. Die Dienste ihrer Partner vor Ort vom Hotelier bis zum Busunternehmer sind durch Vorauszahlungen und das Weiterleiten von Kundengeld bereits bezahlt.

          Müssen sich Urlauber vor ihrer Griechenland-Reise Sorgen machen?

          Aktuelle Zahlen bis Ende Mai weisen einen Buchungsrekord für Griechenland aus. 2014 hatten 2,1 Millionen Urlauber aus Deutschland das Land besucht. Urlauber vor Ort berichten von der ungebrochenen Gastfreundlichkeit der Griechen. Zu Demonstrationen kam es in der Vergangenheit vor allem in Städten auf dem Festland und fast nie auf den Inseln.

          Wie viel Bargeld sollen Urlauber auf Reisen nach Griechenland mitnehmen?

          Auf keinen Fall sollten Urlauber, was nach Touristiker-Erfahrung regelmäßig vorkommt, nur mit Kleinstbeträgen aufbrechen, sondern mehr Bargeld als üblich mitnehmen. Die Bezahlung mit Euro-Scheinen dürfte nach ihrer Einschätzung auch möglich sein, wenn das Land aus der Euro-Zone austräte. Bargeld sollte nie in einem dicken Bündel mitgeführt werden, die Gefahr von Taschendiebstählen ist gestiegen. Besser ist es, einen Teilbetrag im Hotelsafe zu deponieren. Formal bestehen für Besitzer ausländischer EC- und Kreditkarten keine Beschränkungen an Geldautomaten, an denen Griechen aktuell nur 60 Euro erhalten. Es ist aber nicht sicher, dass die Automaten ständig gefüllt sind, darauf weist das Auswärtige Amt hin.

          Was können Urlauber machen, wenn der Hotelier nicht mehr die Speisen für das Büfett besorgen kann?

          Ob es dazu kommt, ist ungewiss. Dagegen spricht, dass ein Großteil der Nahrungsmittel im Inland produziert und nicht importiert wird. Bleiben die Teller dennoch leer, liegt ein Reisemangel vor, der Urlauber kann dann vom Reiseveranstalter eine Minderung des Reisepreises verlangen.

          Sind Pauschalreiseurlauber im Vorteil gegenüber denen, die Griechenland auf eigene Faust erkunden?

          Ja, bei außergewöhnlichen Vorkommnissen geben Pauschalreisen immer mehr Sicherheit. Wer eine Pauschalreise gebucht hat, hat nach deutschem Recht ein Leistungsbündel – Flug, Hoteltransfer, Übernachtungen, Verpflegung – gekauft. Die Reiseveranstalter sichern zudem zu, ihren Kunden bei Problemen zu helfen – das kann bis zur Organisation vorzeitiger Rückreisen gehen. Jeder Urlauber erhält die Kontaktdaten örtlicher Reiseleiter. Im Fall nicht mehr bestückter Geldautomaten können diese gleichwohl schwerlich helfen. Wer Hotel, Flug und weiteres einzeln selbst gebucht hat, muss sich um sehr viel mehr kümmern. Der Herbergsvertrag ist unter Umständen nach griechischem Recht geschlossen und beinhaltet nicht den Schutz eines Pauschalreisepakets.

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