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Nach Corona-Abstinenz : Deutsche Urlauber stürmen die Strände der Türkei

Die Deutschen zieht es wieder an die Strände der Türkei. Bild: Getty

Urlaub in der Türkei ist wieder en vogue: Vor allem Deutsche und Briten lassen sich nicht lange bitten. Russland aber schwächelt. Das liegt auch am Krieg.

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          Nach zwei Jahren Corona-Flaute erlebt der Türkeitourismus wieder einen deutlichen Aufschwung. Das freut die Regierung, die in der Wirtschaftskrise ihre geplanten Deviseneinnahmen nach oben schraubt. An dem Aufschwung haben viele einen Anteil – vor allem die Deutschen.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Schon im Frühjahr waren Reiseveranstalter hoffnungsfroh, an alte Rekordzahlen von mehr als fünf Millionen Besuchern aus Deutschland anknüpfen zu können. Die Halbjahreszahlen des türkischen Tourismusministeriums bestätigen das nun. Mit mehr als zwei Millionen Einreisen wiesen bis Ende Juni fast viermal so viele Besucher einen deutschen Ausweis vor wie im Vorjahr. Jeder achte der 16,4 Millionen Gäste kam aus Deutschland. Und da stand die große Sommerreisewelle mit dem starken dritten Quartal erst bevor.

          Auf den weiteren Plätzen folgten 1,5 Millionen Russen und 1,3 Millionen Briten. Verglichen mit dem Vorjahr schnellte die Zahl britischer Besucher um das 25-fache in die Höhe, die der Gäste aus Russland (wo Corona schon 2021 nicht mehr so ernst genommen wurde) verdoppelte sich nur. Auch das eine Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine, der wegen westlicher Sanktionen die Flugverbindungen in die Türkei erschwert. Dass in diesem Jahr wieder 4,7 Millionen russische Gäste kommen, erscheint vor dem Hintergrund unwahrscheinlich.

          Die Energierechnung steigt schneller

          Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy hofft dennoch nun auf 47 Millionen statt der bisher erwarteten 42 Millionen Gäste. Das wäre dann knapp doppelt so viel wie im vorigen Jahr. Ersoy geht es dabei nicht um die Statistik, sondern um Deviseneinnahmen.

          Denn Tourismus ist in seinen vielfältigen Ausprägungen wie Städte-, Familien- oder Studienreisen eine der bedeutenden Devisenquellen für das Land. Für den Gesundheitstourismus mit Schönheits- und Haar-OPs wird nicht nur in Europa geworben. Wohlhabende Paare aus den Golfstaaten, Indien, Pakistan und Aserbaidschan richten ihre spektakulären Hochzeitsfeiern zunehmend in der Türkei aus, sagen Branchenvertreter und hoffen auf 500 Millionen Dollar Umsatz.

          Tourismusminister Ersoy seinerseits kalkuliert die Tourismus-Einnahmen nun auf 37 Milliarden Dollar statt bisher erwarteter 35 Milliarden Dollar. Die Deutsche Bank hält sogar 40 Milliarden Dollar für möglich. Doch werde der Betrag von der auf 100 Milliarden Dollar verdoppelten Energierechnung deutlich überkompensiert.

          „Das letzte Quartal des Jahres dürfte aufgrund des saisonalen Rückgangs der Tourismuseinnahmen und der steigenden Energieimporte eine besondere Herausforderung für die Lira darstellen“, schreibt die Bank. Dabei hat die Lira zur Jahresmitte schon verloren. Mit etwa 18 Lira muss derzeit so viel lokale Währung wie kaum zuvor für einen Euro oder Dollar gezahlt werden.

          Für europäische Urlauber, die ihre Einkäufe vor Ort in Lira begleichen, kann dabei trotz einer Jahresinflation von zuletzt fast 80 Prozent hier und da noch ein Schnäppchen herausspringen. Für viele Türken wird das Urlaubmachen im eigenen Land angesichts verdoppelter Kosten dagegen zunehmend unerschwinglich.

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