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Urlaub am Mittelmeer : Diese Länder buhlen um Touristen im Sommer

Urlaub mit Abstand: Die Sonnenschirme stehen weiter auseinander. Bild: dpa

Es wird leerer als in Vorjahren – mit dieser Perspektive buhlen Mittelmeerländer um Urlauber. Digitaltechnik soll das Abstandhalten erleichtern, und Zusagen für den Notall sollen Sorgen vor hohen Kosten nehmen.

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          Die Urlaubsstimmung kommt gefühlt in geringem Tempo, doch das Fernweh wird siegen. Davon ist Stavvas Perdios überzeugt. „Der Juli wird noch eine langsame Belebung zeigen, danach werden sich Urlauber wieder in die Idee verlieben zu verreisen“, sagt der stellvertretende Tourismusminister von Zypern. Mit dem Wegfall der Reisewarnung für rund 30 EU-Staaten und weitere europäische Länder dürfen Urlauber wieder aufbrechen. Dennoch ist die Reiseplanung im Jahr der Corona-Krise mehr denn je eine Frage des Vertrauens – und das wollen Länder rund um das Mittelmeer im Eiltempo bei Touristen wecken.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sonne, Strand, warmes Meerwasser und antike Stätten sind das eine. Abstandsregeln, neue Hygieneregeln für Unterkünfte, Quarantäne-Hotels und für den Notfall mehr Intensivbetten in Krankenhäusern sind der andere Teil des Pakets, mit dem Länder wie Zypern, Griechenland, Kroatien und Bulgarien um die Rückkehr der Urlauber buhlen. „Es ist offensichtlich, dass wir am Beginn eines etwas anderen Sommers stehen“, sagt Perdios in einer Videokonferenz mehrerer Tourismusminister. „Wir müssen ehrlich sein und einsehen, dass das Virus nicht wie durch Magie verschwinden wird.“

          Es ist ein Spagat, von dem Gäste vor Ort auch noch möglichst wenig mitbekommen sollen. „Wir haben die Insel nicht in ein großes Krankenhaus verwandelt. Wenn Reisende das im Urlaub wollten, dann würden sie ein Krankenhaus buchen“, sagt er. Die Zahl der Corona-Fälle sei gering bis kaum noch vorhanden.

          „Der Tourismus kann anlaufen“

          „Wir hatten zuletzt keine Neuinfektionen und Verstorbenen mehr bei uns Land. Es gab einzelne eingereiste Infizierte, mit denen können wir umgehen“, sagt Kroatiens Tourismusminister Frano Matusic. „Der Tourismus kann anlaufen, Cafés, Restaurants und Museen sind geöffnet, für Besucher aus zehn Ländern gibt es schon keine Einreisebeschränkungen mehr.“ Sein weiterer Zeitplan steht. Ende des Monats sollen wieder Flüge aus zwanzig europäischen Ländern landen. Sogar Kreuzfahrtschiffe will er wieder anlegen lassen – ab Ende Juli.

          Altstadt von Dubrovnik: Von Ende Juli an könnten erste Kreuzfahrtschiffe kommen

          TUI, Marktführer der Reiseveranstalter, hofft auch noch auf zusätzliche kurzentschlossene Kunden. „Ende Juli werden wir wieder die Hälfte unseres Programms anbieten“, sagt der Vorstandsvorsitzende Fritz Joussen mit Blick auf den deutschen Markt. Anfang Mai war 36 Prozent des Buchungsvolumens des Vorjahressommers erreicht. Kurzfristige Angebote und die Teilnahme an einem Pilotprojekt zum Hochfahren des Tourismus auf Mallorca sollen helfen. „Sicherheit ist kein Gegensatz zu Erholung. Vorsichtig zu sein und sich etwa anders zu verhalten, widerspricht nicht der Absicht, Urlaub zu machen“, sagt Joussen. Urlaub werde dann weniger Party, aber mehr Natur und mehr Erholung bieten.

          Die europäischen Mittelmeeranrainer können sich auf der Sonnenseite des Tourismus fühlen. Vor einem Besuch dort warnt keine Behörde mehr, für andere Staaten – darunter populäre Ziele wie die Türkei, Tunesien oder Ägypten will das Auswärtige Amt die Reisewarnung verlängern – vorerst bis zum 31. August. Noch auszuhandelnde Ausnahmen sollen möglich werden. Doch auch auf der gefühlten Sonnenseite ist viel Schatten. Groß sind die eingetretenen Umsatzausfälle – und die noch zu erwartenden Einbußen.

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