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Unterwegs mit Jürgen Großmann, RWE AG : Spannende Tage an einem spannenden Ort

  • -Aktualisiert am

Jürgen Großmann ist Vorstandsvorsitzender der RWE AG Bild: dpa

Jedes Mal fühle ich mich beflügelt von der Höhe und der frischen Luft in Davos. Vor allem aber von dem Gemisch von Leuten, die hierherkommen. Von den mutigen, manchmal gar spinnerten Ideen, die ausgetauscht werden. Allerdings muss man zwischen ernsthaften Teilnehmern und Trittbrettfahrern unterscheiden.

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          Wie immer im Januar Davos. Für mich zum 18. Mal, wenn ich richtig gezählt habe. Dass dies mal zum Standard gehören würde . . . Spannende Tage an einem spannenden Ort. Davos ist hektisch während des WEF. Aber Hektik gab es eigentlich immer. Und extreme Sicherheitsmaßnahmen auch.

          Als vor Jahren der amerikanische Präsident Clinton nach Davos kam, musste ich nach dem Skifahren sogar meine Skistöcke röntgen lassen. Zudem wohnte ich im Hotel auf demselben Flur mit Clinton: Da konnte man nicht mal einen Apfel ohne zusätzliche Kontrolle mit aufs Zimmer nehmen.

          Trittbrettfahrer sind auch dabei

          Trotzdem: Jedes Mal fühle ich mich beflügelt von der Höhe und der frischen Luft. Vor allem aber von dem Gemisch von Leuten, die hierherkommen. Von den mutigen, manchmal gar spinnerten Ideen, die ausgetauscht werden. Allerdings muss man zwischen ernsthaften Teilnehmern und Trittbrettfahrern unterscheiden.

          Turbulent geht es derzeit an den Finanzmärkten zu, die auf eine in den Vereinigten Staaten drohende Rezession heftig reagiert haben. Gerade vor diesem fragilen weltwirtschaftlichen Hintergrund dürfen wir uns in Deutschland nicht auf zu viele Experimente und auf teure Sonderwege einlassen. Dies gilt gerade für den Energiesektor.

          Provozierend aber hilfreich

          Der Energy Summit wird meinen heutigen Tag prägen. Die Schallmauer von 100 Dollar wurde beim Ölpreis vor kurzem durchbrochen, und gewiss besteht das Risiko, dass es damit nicht getan ist. Sicher auch eine spannende Frage für Anthony Hayward, Group Chief Executive bei BP. Oder für Abdallah Jum'ah, Präsident von Saudi Aramco. Dass sich auch Iraks Ölminister angesagt hat, ist ein wichtiges politisches Signal.

          „Sind es morgen 300 Dollar?“, heißt es beim Energy Security Roundtable am Nachmittag. So zu fragen ist provozierend, aber gerade deshalb auch hilfreich. Der amerikanische Präsident Bush sagte vor kurzem, dass der hohe Ölpreis „sehr belastend“ sei. Und beim Öl bleibt es ja nicht. Gas ist teurer geworden, andere Rohstoffe wie Kohle oder Erz auch.

          Das Klima schützen und die Versorgung sichern

          Wir bei RWE machen uns Sorgen über diesen Preisdruck. Wie wir ihn bewältigen, wie wir die Versorgung sichern und das Klima schützen, sind elementare Fragen für die Welt. Für den Facharbeiter in einer industrialisierten Volkswirtschaft ebenso wie für den einfachen Bauern in einem armen Land in Afrika. Die Menschen fragen nach Windkraft und Sonnenenergie, aber auch nach weiteren Wegen, die Versorgung zu sichern. Dazu zählen auch Kohle und Kernenergie. Darauf setzen vor allem die Bric-Staaten.

          Wichtige Optionen sollten wir nicht verschütten. Danach werden uns unsere Enkel später fragen. Manches kann schnell gehen, anderes wird mehr Zeit brauchen. Wie in Davos. Der eine rauscht die Piste herunter, der Nächste fährt Schlittschuh oder geht zum Curling. Aber das Eis ist oft dünn, auch für einen Exportweltmeister. Er sollte deshalb auf heimische Stärken setzen. Dazu gehört ein breiter Energiemix in besonderem Maße.

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