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Unternehmergespräch: Alexander und Martin Kind : „Hörgeräte können noch viel mehr“

  • -Aktualisiert am

Alexander und Martin Kind Bild: Christian Burkert

Was Brillenhändler schon haben, wollen die Inhaber der Kind-Hörgerätegruppe nun auch: ihre Marke bekannt machen. Das F.A.Z-Unternehmergespräch.

          Unerkannt durch die Straßen Hannovers schlendern kann Martin Kind schon lange nicht mehr. Dazu hat der 67 Jahre alte Unternehmer ein viel zu markantes Gesicht, das dank seines langjährigen Engagements als Präsident des Sportvereins Hannover 96 in der gesamten Republik bekannt ist. Sein Unternehmen dagegen ist zwar in vielen Städten vertreten, von der Bekanntheit anderer Filialketten wie etwa Fielmann sind die Läden von Kind Hörgeräte allerdings noch weit entfernt.

          „Die ungestützte Markenbekanntheit von Hörgeräten war praktisch null“, sagt Alexander Kind, der Sohn von Martin Kind, der vor einiger Zeit in die Geschäftsführung des Familienunternehmens einzog und seitdem mehr und mehr die Verantwortung trägt. Zum Beispiel auch für jene markante Werbekampagne, die mit dem Slogan „Ich hab ein Kind im Ohr“ seit einigen Monaten dafür sorgt, dass der Familienbetrieb mit Sitz vor den Toren Hannovers immer mehr Menschen ein Begriff wird. „Wir sind die Nummer eins im Retailgeschäft, aber wir wollen auch die Nummer eins in der Bekanntheit werden“, sagt Martin Kind und deutet bei der Frage, wer die Idee mit der Werbung hatte, auf seinen Filius.

          Groß genug für den nächsten Sprung nach vorn

          Der Zeitpunkt könnte gut gewählt sein, ist aber auch einem wachsenden Marktdruck geschuldet. Denn die großen Hörgerätehersteller wie Sonova (Marke Phonak) und William Demandt (Oticon) eröffnen zunehmend eigene Ladenketten und bringen dafür eine viel größere Finanzkraft mit als der niedersächsische Familienbetrieb. Andererseits habe Kind mit gut 500 Läden in Deutschland und mehr als 100 Filialen im Ausland inzwischen die Größe für einen weiteren Sprung nach vorne erreicht, zumal der Hauptkonkurrent Geers derzeit stark mit sich selbst beschäftigt sei, sagt Martin Kind. „Der Markt ordnet sich auf Hersteller- und Händlerseite neu, und wir stehen vor der Entscheidung, ob wir in der ersten Liga weiterspielen wollen“, sagt der Senior. So ähnlich muss er auch als Macher von Hannover 96 denken, aber eine Vermengung von Fußball und Hörgeräten schließt er kategorisch aus: „Das Unternehmen ist 96-frei.“ Profi-Fußball kann rüpelhaft sein, der Gesundheitsmarkt ist ein Terrain mit heiklen Spielregeln, beides zusammen vertrage sich nicht.

          Die große Werbekampagne zahle sich dagegen schon aus, sagt Alexander Kind. Nicht nur in den eigenen Läden sprächen die Kunden das Personal darauf an, auch in anderen Geschäften würden vermehrt Kind-Produkte verlangt. Die können Hörgeschädigte zumindest in den Kind-Filialen auch bekommen - welcher Hersteller sich hinter den Geräten aber wirklich verbirgt, können sie nicht erkennen. Denn der Familienbetrieb verkauft alle Apparate unter der Eigenmarke, egal ob sie von der Konkurrenz stammen oder aus der eigenen Produktion.

          Produziert wird nur in Deutschland

          Im Jahr 2004 übernahmen die Niedersachsen in einer Aktion, die Vater und Sohn heute als Glücksgriff bezeichnen, den kleinen ostdeutschen Hersteller Audifon und sind damit die Einzigen, die Hörgeräte noch vollständig in Deutschland produzieren. Audifon ist mit 30 Millionen Euro Umsatz zwar nur ein kleiner Spieler, der weit hinter dem Schweizer Marktprimus Sonova (1,6 Milliarden Schweizer Franken Umsatz) zurückliegt. „Aber wir können mit unseren Geräten im Markt mithalten, wir werden zunehmend als Konkurrenz ernst genommen“, sagt Alexander Kind.

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