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Unternehmer : Verschwundener indischer Kaffee-König tot aufgefunden

Der indische Milliardär VG Siddhartha ist verschwunden. Bild: AFP

Der verschwundene indische Milliardär VG Siddhartha ist nun tot aufgefunden worden. Hintergrund könnten finanzielle Probleme seiner globalen Kaffeehaus-Kette sein.

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          Ein Fischer hat die Leiche des am Montag verschwundenen indischen Unternehmers VG Siddhartha an einem Flussufer gefunden. Die indische Polizei schließt einen Selbstmord laut der Nachrichtenagentur AFP nicht aus.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Zuvor hatte von dem Gründer und Mehrheitsaktionär der indischen Kaffeehaus-Kette Café Coffee Day jede Spur gefehlt. Der Milliardär war zuletzt Montagabend gesehen worden. Die Umstände seines Verschwindens sind suspekt, könnten aber einen geschäftlichen Hintergrund haben.

          Die hochgeachtete Gründerin der Biomedizin-Kette Biocon veröffentlichte am Dienstag einen Brief des 60 Jahre alten Inders an die Aufsichtsgremien und die „Coffee-Day-Familie“. Darin heißt es: „Ich bedauere sehr, alle jene enttäuscht zu haben, die mir vertrauten. Über eine lange Zeit habe ich gekämpft, aber heute habe ich aufgegeben, weil ich den Druck von einem der privaten Anteilseigner nicht mehr aushalte, Aktien zurückzukaufen.“ In dem Brief hieß es weiter, er habe zwar 50.000 Arbeitsplätze geschaffen, als Gründer aber versagt.

          Die amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR hatte ihren Anteil an Coffee-Day im vergangenen Jahr von 10,3 auf nur noch 6 Prozent verringert. Siddhartha spricht in seinem Brief davon, sich Geld für einen größeren Anteilskauf geliehen zu haben. Bislang ist aber unklar, ob er sich in seinem möglicherweise letzten Brief auf die Amerikaner und ihr Handeln bezieht.

          Die Kaffee-Kette und ihr Haupteigentümer stehen seit 2017 unter Druck, seit die Steuerbehörden Büros durchsucht hatten. Siddhartha, so heißt es, war bereit, einen größeren Anteil an den Coca-Cola-Konzern zu verkaufen – auch das spricht für eine angespannte Finanzlage.

          Politisch bestens vernetzt

          Der Sohn eine Kaffee-Dynastie, die seit mehr als 130 Jahren im Geschäft ist, hatte sein Unternehmen 1996 gegründet und es zu einem der größten Kaffee-Händler der Welt gebracht. Grundlage dafür bildet Asiens größte Kaffee-Plantage. Insgesamt hält der Inder rund 12.000 Hektar Anbaufläche. Die Kaffeehaus-Kette zählt mehr als 1700 Cafés, neben Indien auch in Ägypten, Malaysia, Österreich und Tschechien.

          Auch politisch ist der frühere Investmentbanker bestens vernetzt: Dank der Heirat mit Malavika Krishna wurde er zum Schwiegersohn des früheren indischen Außenministers und Regierungschefs seines Heimatstaates Karnataka, SM Krishna.

          Dort verlieren sich derzeit auch die Spuren des Milliardärs: Er hatte sich von seinem Fahrer an den Netravathi-Fluss fahren lassen, zuvor zuhause in Bangalore aber ein anderes Ziel angegeben. Auf einer Brücke stieg er mit dem Mobiltelefon am Ohr aus dem Auto, erklärte sein Chauffeur. Als sein Chef nicht zurückkehrte, rief er die Polizei.

          Fischerjungen berichteten am Dienstag, sie hätten einen Mann von einem Brückenpfeiler in den Fluss springen sehen. Aufgrund der starken Strömung hätten sie ihm nicht helfen können. Die Polizei suchte am Dienstag unter anderem mit Tauchern nach dem Kaffee-Baron. Währenddessen fiel der Kurs der Aktie von Coffee Day an der Börse in Bombay (Mumbai) um 20 Prozent. Das Management des Unternehmens versicherte, arbeitsfähig zu sein und den Kurs fortsetzen zu wollen.

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