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Unternehmenszusammenschlüsse : „Finanzinvestoren zahlen bei Übernahmen verrückte Preise“

Bild: F.A.Z.

Unternehmen werden nicht mehr nur von Unternehmern gekauft, die Produkte herstellen, Märkte erobern oder Arbeitsplätze schaffen wollen. Unternehmen werden zunehmend von reinen Finanzinvestoren erworben.

          9 Min.

          Kapital kennt keine Grenzen - keine Landesgrenzen und keine Branchengrenzen. In kaum einem Jahr traf dieser Allgemeinplatz so zu wie in diesem. Unternehmen werden nicht mehr nur von Unternehmern gekauft, die Produkte herstellen, Märkte erobern oder Arbeitsplätze schaffen wollen.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Unternehmen werden zunehmend von reinen Finanzinvestoren erworben, die vor allem Entwicklungspotential sehen und die Aussicht auf eine hohe Rendite in kurzer Zeit. Und diese Finanzinvestoren kommen vor allem aus Amerika.

          „Private-Equity-Investoren zählen zu den dynamischsten Akteuren“

          Zwar tauchen auch in diesem Jahr unter den Erwerbern Namen wie Volkswagen, Hochtief, Eon oder Talanx auf, und selbst das inhabergeführte Unternehmen Oetker hat zugekauft. Beherrscht wird der Markt aber zunehmend durch Finanzinvestoren, durch die sogenannten Private-Equity-Firmen oder die Risikokapitalgeber. Sie suchen Anlagemöglichkeiten für ihr Geld, das ihnen Fonds oder reiche Privatpersonen zur Verfügung stellen.

          Und dabei werden sie offenbar besonders in Deutschland fündig. Während weltweit etwa 7 Prozent aller Übernahmen von Private-Equity-Häusern durchgeführt werden, schätzt Thomas Ehren, Managing Partner des Bereichs Corporate Finance bei dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG, in Deutschland den entsprechenden Anteil auf etwa 30 Prozent. „Private-Equity-Investoren zählen in Deutschland in diesem Jahr zu den dynamischsten Akteuren im Übernahmemarkt. Dieser Trend wird sich im kommenden Jahr fortsetzen“, ist Ehren überzeugt.

          Verrückte Preise

          Das glaubt auch Arno Burckhardt, geschäftsführender Gesellschafter der auf Übernahmen und Beteiligungen spezialisierten Beratungsgesellschaft M&A International GmbH, Kronberg bei Frankfurt. Er nennt auch einen triftigen Grund: „Die Finanzinvestoren zahlen bei größeren Übernahmen c“, sagt er und meint damit verrückt hohe Preise im Gegensatz zu früher, als strategische Investoren diejenigen waren, die aufgrund der erwarteten Synergien die höchsten Preise boten.

          Als Beispiel nennt er die Übernahme der Bonner Tank & Rast AG durch die britische Beteiligungsgesellschaft Terra Firma. Terra Firma hat für den Betreiber von 90 Prozent der deutschen Autobahnraststätten und Tankanlagen 1,1 Milliarden Euro an die Altgesellschafter Deutsche Lufthansa, Allianz und Apex bezahlt und damit den dreifachen Umsatz. Unter den Private-Equity-Firmen selbst wird bereits diskutiert, ob hier nicht über ständig steigende Preise eine neue Blase erzeugt wird, die eines Tages platzt.

          Unter zehn größten Übernahmen waren fünfmal Finanzinvestoren Erwerber

          Der Verkauf von Tank und Rast ist auch ein Beispiel für ein weiteres Phänomen des Übernahmemarktes. Die sogenannten Secondary-Buyouts nehmen zu, bei denen sich Finanzinvestoren (hier Apex und Terra Firma) die Unternehmen gegenseitig verkaufen. Das gleiche geschah, als die britische Doughty Hanson in diesem Frühjahr die Autoteile Unger AG nicht an der Börse unterbringen konnte und für 1,45 Milliarden Euro an die nordamerikanische Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts Co. (KKR) verkaufte. Und auch der Sanitärarmaturenhersteller Grohe, der - statt über die Börse zu verkaufen - von BC Partners an ein Konsortium amerikanischer Beteiligungsgesellschaften veräußert worden ist, fällt in diese Kategorie. Für Grohe wurde mit 1,8 Milliarden Euro der doppelte Umsatz bezahlt. Der bisherige Eigentümer hatte das Unternehmen zum Jahreswechsel 1999/2000 für den halben Preis erworben.

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