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Unternehmenszusammenschlüsse : Akquisitionen nutzen den Aktionären

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Das Vorurteil, daß Fusionen und Zukäufe keine hinreichende Rendite für das Unternehmen und die Aktionäre bieten, entkräftet eine Studie der Boston Consulting Group.

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          Das Vorurteil, daß Fusionen und Zukäufe keine hinreichende Rendite für das Unternehmen und die Aktionäre bieten, entkräftigt eine Studie der Boston Consulting Group. Die Unternehmensberatung analysierte über einen Zeitraum von zehn Jahren bis 2002 mehr als 700 börsennotierte amerikanische Unternehmen. Das Ergebnis: Unternehmen, die sehr aktiv bei Zukäufen anderer Unternehmen sind, schaffen den durchschnittlich höchsten Wert für ihre Aktionäre. Dieser Wert gemessen am durchschnittlichen Aktienkurs plus Dividendenauschüttung (TSR: total shareholder return) liegt bei diesen Unternehmen um bis zu 29 Prozent höher als bei nicht so aktiven Unternehmungen.

          Zwar gibt es auch Gesellschaften, die mit organischem Wachstum eine außerordentliche Performance vorweisen, doch im Durchschnitt obsiegen die bei Zukäufen aktiven. Letztere legten großen Wert darauf, daß ihr Mittelzufluß aus dem Investment über den Kapitalkosten vor der Akquisition liegt. Bei diesen Unternehmen ist der Erwerb von anderen Gesellschaften ein fester Bestandteil der Strategie, wobei die Schaffung substantieller Wettbewerbsvorteile eine der wichtigsten Triebfedern ist. Zudem legen sie ebenso großen Wert wie auf den Kaufvorgang selbst auf die Einzelheiten der Integration nach dem Zukauf. Wobei sie bei der Integration versuchen, die Balance zwischen Geschwindigkeit und Intensität zu wahren.

          Die Boston Consulting Group hat für ihre Studie rund 2000 Kauf- oder Fusionsvorgänge ausgewertet. Es wurden drei Gruppen von Unternehmen untersucht: die mit vorwiegend organischem Wachstum, jene mit einer Mischung aus organischem Wachstum und Akquisition und die, die vorwiegend über Zukäufe wachsen. Diejenigen mit dem weitestgehenden Verzicht auf Erwerb anderer Unternehmen kommen im Durchschnitt auf eine Wertsteigerung je Jahr von 9,6 Prozent, wobei die besten im Schnitt 13,3 Prozent erzielen. Bei der zweiten, größten Gruppe beläuft sich der TSR auf durchschnittlich 9,9 Prozent, wobei die erfolgreichsten im Durchschnitt 13,8 Prozent erreichen. Hingegen erzielt der Durchschnitt der akquisitionsfreudigen Gesellschaften einen TSR von 10,8 Prozent. Hier liegen die besten Gesellschaften fast vier Prozentpunkte über dem Durchschnitt der eigenen Gruppe.

          Ein Motiv für die Akquisition kann sein, in fragmentierten Märkten durch Konsolidierung Größen- und Kostenvorteile zu erzielen. Als Beispiel für diese Strategie gilt das Pharmaunternehmen Pfizer. Im Untersuchungszeitraum steigerte Pfizer den Wert für seine Aktionäre jährlich um 19,4 Prozent und lag damit um 9 Prozentpunkte besser als die Unternehmen des S&P 500.

          Cisco System steht für einen anderen typischen Weg der aktiven Unternehmenskäufer. Seit Mitte der achtziger Jahre kaufe Cisco rund 82 Unternehmen, um seine dominierende Rolle zu erreichen. Statt selbst zu entwickeln, wurden geeignete Unternehmen erworben. Dabei geholfen hat die Tatsache, daß Cisco besondere Fähigkeiten und Teams im Unternehmen für die Auswahl, den Kauf und die Integration geschaffen hat. Mit 28,2 Prozent durchschnittlichem Wachstum hat es den S&P 500 um fast 18 Prozentpunkte in diesem Zeitraum hinter sich gelassen. (noa.)

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