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Unternehmenssanierung : Feuerwehreinsätze für Berater

Durchblick dank Unternehmensberatung? Auch der Modellbahnhersteller Märklin holte sich externe Hilfe Bild: dpa

Gewinneinbrüche, Einstellungsstopps, milliardenschwere Abschreibungen - es gibt eine Berufsgruppe, die sich über Negativschlagzeilen aus der Unternehmenswelt freut: Restrukturierungsberater. Doch ob die Sanierungsspezialisten ihre Honorare wert sind, ist umstritten.

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          Gewinneinbrüche, Einstellungsstopps, milliardenschwere Abschreibungen - es gibt eine Berufsgruppe, die sich über Negativschlagzeilen aus der Unternehmenswelt freut: Restrukturierungsberater. Ihre Stunde schlägt, wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert, wenn die Verantwortlichen der Unternehmen nicht mehr über Wachstumsstrategien sinnieren, sondern den Rotstift zücken.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Entsprechend zufrieden hören sich die Berater derzeit an, wenn man sie nach ihrer Auftragslage fragt: „Die Nachfrage hat sich deutlich erhöht“, sagt etwa Roman Zeller, Geschäftsführer von Alix Partners. „Unser Geschäft verdoppelt sich in einem Zeitraum von zwei Jahren“, sagt Peter Briggs, Geschäftsführer von Alvarez & Marsal.

          Unternehmensberater in Führungspositionen

          Von klassischen Unternehmensberatern unterscheiden sich die Restrukturierer dadurch, dass sie nicht nur hochglänzende Präsentationen erstellen, sondern auch für begrenzte Zeit Führungspositionen in Unternehmen besetzen. Interimsmanagement heißt diese Dienstleistung.

          Die angelsächsisch geprägten Gesellschaften Alix und Alvarez & Marsal nehmen eine Vorreiterrolle ein, was solche Feuerwehreinsätze auf Führungsetagen angeht. Sie sind seit fünf Jahren auf dem deutschen Markt aktiv. Einer der Partner von Alix, Michael Baur, ist beispielsweise seit Juli als Geschäftsführer für den Frankfurter Versandhändler Neckermann.de im Einsatz. Es ist nicht Baurs erste Aufgabe dieser Art; er arbeitete unter anderem schon als Interimsmanager für Karstadt-Quelle.

          Ihre Aufträge erhalten die Krisenberater häufig von Finanzinvestoren und Beteiligungsgesellschaften, die sich an angeschlagenen Unternehmen beteiligen und diese möglichst schnell möglichst gewinnbringend verkaufen wollen. Gelegentlich kommen die Anrufe auch direkt von Konzernen und Mittelständlern, in denen ehrgeizige Manager nach bisher unentdeckten Sparmöglichkeiten fahnden.

          Nicht immer sind die Ergebnisse zufriedenstellend

          Im Moment steige besonders die Nachfrage von Finanzinvestoren und von den Unternehmen selbst, berichten die Beratungsgesellschaften. Was Unterschiede in der Herangehensweise mit sich bringt: „Anfragen von Unternehmen kommen in der Regel in einem frühen Stadium“, sagt Alvarez-&-Marsal-Mann Briggs. „Wenn uns Finanzinvestoren ansprechen, ist häufig schon die Liquidität knapp.“

          Doch die Dienste der Sanierer sind umstritten, immer wieder wird Kritik an der Beratungsindustrie rund um kriselnde Unternehmen laut. So wurde erst kürzlich bekannt, dass der Modellbahnhersteller Märklin von Alix angeblich eine siebenstellige Summe zurückfordern soll, aus Unzufriedenheit mit den Ergebnissen der Berater. Märklin will sich dazu nicht äußern, und auch Alix hüllt sich in dieser Frage in Schweigen.

          Schon vor einigen Monaten stand Alix in der Kritik, auch damals ging es um angeblich siebenstellige Honorare, die Alix dem Möbelhersteller Schieder in Rechnung gestellt haben soll. Schieder meldete im vergangenen Sommer Insolvenz an.

          Erfolgsabhängige Honorare senken das Konfliktpotential

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