https://www.faz.net/-gqe-6ox2v

Unternehmenskultur : Der Einfluß der Wertekultur auf den Erfolg

  • Aktualisiert am

In sieben von zehn Unternehmen wissen die Mitarbeiter, was das Unternehmen erreichen will, und identifizieren sich in hohem Maße mit den Zielen und Werten. Die Mitarbeiter und Führungskräfte wollen zum Erfolg des eigenen Unternehmens beitragen, sind bereit, sehr viel für den Erfolg zu tun - auch mehr als nötig. In sieben von zehn Unternehmen fühlen sich die Mitarbeiter zu Höchstleistungen angespornt, nicht aus eigener Motivation, sondern aus Verantwortungs- und Pflichtgefühl. In vier von hundert Fällen werden Zufriedenheit und eigene Motivation voll und ganz erlebt.

Die Wertekulturen in den Unternehmen sind nicht nur durch "harte Werte" geprägt. Toleranz im Sinne eines multikulturellen Miteinanders, Verständnis und Rücksicht auf Mitarbeiter in besonderen Situationen werden überwiegend gelebt. Den Arbeitsalltag prägt jedoch eher eine Kultur der Macht. Zwar findet eine Zusammenarbeit über Hierarchieebenen statt, doch häufig werden Entscheidungen vornehmlich "von oben" getroffen. "Führen" hat in sieben von zehn Unternehmen vor allem mit Zielesetzen, Messen und Kontrollieren der Ergebnisse zu tun. Weniger klar sind jedoch die Rahmenbedingungen für die Erfüllung von Aufgaben geregelt. Bei der Bewertung der Arbeitsergebnisse steht vor allem die Leistung des einzelnen im Vordergrund. Eine Kultur der Anerkennung von Leistung ist deutlich geringer ausgeprägt als die der Leistungsanforderung.

Die stark ausgeprägte Leistungskultur in den untersuchten Unternehmen in Verbindung mit sogenannten "harten Werten" wie Verantwortung, Pflicht, Disziplin, Macht und Kontrolle sind nicht der Garant für Unternehmenserfolg. Die stark auf Leistung ausgerichtete Wertekultur führt zu Unzufriedenheit, mangelnder Motivation und fehlender Selbstverwirklichung der Mitarbeiter. Die Studie zeigt, daß aus pflichtgetriebener Leistung nicht der erhoffte Effekt auf Erfolge resultiert.

Erfolgreicher sind Unternehmenskulturen, die ein klares Bild der Gesamtaufgabe vermitteln (Vision), aber mit erfahrenen Mitarbeitern und einem ausgeprägten Maß an Bodenständigkeit agieren, die Verantwortung für Mitarbeiter und Gesellschaft umsetzen und schließlich ein Umfeld ermöglichen, das den Mitarbeitern Selbstverwirklichung in der Aufgabe, Selbstachtung bei der Erfüllung von Leistung und Gerechtigkeit innerhalb des Unternehmens bietet.

Für die Folgerung ist es von großer Bedeutung, welche Wirkung ein bestimmter Wert auf den Erfolg des Unternehmens nehmen kann und ob Werte einen ursächlichen Einfluß auf den Geschäftserfolg ausüben. Um verläßliche Aussagen treffen zu können, wurde ein fundiertes theoretisches Modell über den Kausalzusammenhang aufgestellt. In diesem wird der Einfluß der Unternehmenswerte auf den Erfolg über intervenierende Variablen der Einstellung und des Verhaltens erklärt. Die theoretischen Zusammenhänge können durch ein Strukturgleichungsmodell nachgezeichnet und anhand der Gesamtdatenbasis überprüft werden.

Werden Wertekulturen im Unternehmen verändert, folgt die Frage, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein bestimmtes Ereignis eintritt (hier: hoher versus niedriger Erfolg) und welche Einflußgrößen (hier: die spezifische Ausprägung von Werten) diese Wahrscheinlichkeit bestimmen. Für die Wahrscheinlichkeitsschätzung des Erfolges wurde eine Funktion der logistischen Regression eingesetzt, die in Unternehmen für die Optimierung von Wertekulturen angewandt werden kann.

Weitere Themen

Topmeldungen

Das französische Atomkraftwerk Cattenom

Grüne im Dilemma    : Eine Kröte namens Atomkraft

Gegen die atomfreundliche EU-Taxonomie zu kämpfen, dürfte für die Grünen vergebens sein. Die europäische Kooperationsperspektive stünde auf dem Spiel. Ein Gastbeitrag.