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Unternehmensberater als Chef : Schlecht beraten

Fehlbesetzung: Nicht immer passt der Chefsessel Bild: picture alliance

Als Deutschland-Chef von McKinsey war Jürgen Kluge anerkannt, als Chef von Haniel ist er gescheitert. Können Berater keine Unternehmen führen?

          Anamnese, Diagnose und die Erstellung eines Therapieplans sind noch wie am Schnürchen verlaufen. Schon geraume Zeit vor seinem offiziellen Amtsantritt Anfang 2010 war für Jürgen Kluge glasklar, wie es um den Duisburger Haniel-Konzern bestellt ist und was nun zu tun sei. Das von der Beteiligung an dem Handelsriesen Metro und dem mit Ertragsproblemen kämpfenden Pharmagroßhändler Celesio geprägte Portfolio besser auszutarieren, war der Hauptpunkt auf der Agenda des früheren Chefs von McKinsey Deutschland. Die Bandbreite des 256 Jahre alten, in Generationen und nicht in Quartalen denkenden Familienunternehmens war früher einmal deutlich größer - und damit auch weniger krisenanfällig.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Kluges kluger Plan sah also vor, die Abhängigkeit von Klumpenrisiken zu reduzieren und in junge Beteiligungen mit Zukunft zu investieren, die später einmal für die nötigen Dividendenausschüttungen an die Familie sorgen sollten. Haniel enkelfähig zu machen, lautete sein Anspruch. So weit die Theorie. Die Praxis indes stellte sich weit schwieriger dar. Auch nach zweieinhalb Jahren ist kein Zukauf eines entwicklungsfähigen Neugeschäfts geglückt. Größere Zukäufe konnte Kluge nicht in Betracht ziehen. Denn Haniel ist seit dem Metro-Zukauf hochverschuldet und hat schlechte Bonitätsnoten. Um Handlungsspielräume zu gewinnen, hätten zuvor Beteiligungen abgestoßen werden müssen. Dem wiederum standen schlechte Börsenbewertungen entgegen. Und Kluge wollte nicht als der Chef in die Geschichte von Haniel eingehen, der Beteiligungen zu Niedrigkursen abgegeben hat, wie er Anfang der Woche anlässlich der Bilanzvorlage sagte.

          Querelen im Management

          Operativ hat sich der Haniel-Chef am Ende also in einem Teufelskreis gedreht. Und so schwang bei seinem letzten Auftritt vor Journalisten denn auch eine Portion Selbstkritik mit. Beim Schuldenabbau sei man wohl nicht weit gekommen, gab er zu. Querelen im Management, von denen es in den vergangenen beiden Jahren im weiten Haniel-Metro-Celesio-Reich mehr als reichlich gab, waren angeblich nicht der Grund dafür, dass Haniel heute nicht besser dasteht als vor Kluges Amtsantritt. Beobachter konstatieren freilich, dass in dieser Gemengelage besonders viele Alphatiere aufeinandergestoßen sind und die zuweilen unkonventionelle Art „des Professors aus Duisburg“, wie Kluge von seinen Kontrahenten bezeichnet wurde, bei so manchem nicht gut ankam.

          Nicht gut angekommen ist Kluges Vorstellung auch bei seinem alten Arbeitgeber. McKinsey rühmt sich damit, die führende Unternehmensberatung der Welt zu sein - die mit den intelligentesten Köpfen, die mit den besten Ideen. Und nun scheitert ausgerechnet der Mann, der sieben Jahre lang der oberste „Meckie“ in Deutschland war, im rauhen Unternehmensalltag? Auch wenn McKinsey einen Imageschaden bestreitet, darauf verweist, dass keine Aufträge deswegen storniert und auch keine Bewerber abgeschreckt worden seien: Hinter vorgehaltener Hand bezeichnen Berater Kluges Wirken bei Haniel als unglücklich, als einen Kratzer im McKinsey-Hochglanzlack.

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