https://www.faz.net/-gqe-9n8g1

British Steel : Zweitgrößter britischer Stahlkonzern ist insolvent

  • Aktualisiert am

Werk von British Steel in Scunthorpe in Großbritannien Bild: dpa

24.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Großbritanniens zweitgrößter Stahlkonzern ist insolvent. British Steel wurde unter Zwangsverwaltung gestellt. Ein Grund für das Aus ist offenbar auch der Brexit.

          Großbritanniens zweitgrößter Stahlkonzern ist insolvent. Das Unternehmen steht ab sofort unter Zwangsverwaltung. Die Insolvenzverwalter von EY sicherten am Mittwoch zu, den Geschäftsbetrieb der 5000 Mitarbeiter zählenden Gesellschaft aufrecht zu halten. Der Stahlhandel und die Belieferung der Kunden gehe weiter. Gleichzeitig würden die vom Gericht eingesetzten Insolvenzverwalter Optionen für die Sanierung prüfen. Die Gehälter der Beschäftigten seien gesichert.

          British Steel hätte am Dienstag dringend weitere Finanzspritze von der Regierung benötigt. Dafür hatte Stahlerzeuger in der vergangenen Woche einen zusätzlichen Notkredit vom britischen Staat über 30 Millionen Pfund (34 Millionen Euro) beantragt. Diese Bemühungen waren vergeblich.

          Größter Standort des Unternehmens ist ein Stahlwerk in Scunthorpe im strukturschwachen Nordosten Englands. British Steel wird von Finanzinvestoren kontrolliert und beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter. Hinzu kommen weitere 20.000 Jobs bei Zulieferern, die nun um ihre Jobs bangen müssen. Der europäische Stahlmarkt leidet unter chronischen Überkapazitäten und Konkurrenz durch billige Importe. British Steel macht für die Schieflage aber auch den bevorstehenden Brexit verantwortlich. Dieser habe zu „erheblichen Ungewissheiten“ geführt, teilte British Steel vergangene Woche mit.

          Das Gift des Brexit

          In einer kurzfristig anberaumten Debatte im Londoner Unterhaus hatte am Dienstag eine Reihe von Abgeordneten die Regierung für die Schieflage des Stahlkonzerns mitverantwortlich gemacht. Die Regierung der Premierministerin Theresa May ist wegen des erbittert geführten innenpolitischen Streits um den EU-Austritt praktisch handlungsunfähig. Unternehmensvertreter warnen seit langem, die Brexit-Hängepartie sei Gift für den britischen Wirtschaftsstandort.

          British Steel hatte bereits im April einen Notkredit der Regierung von 100 Millionen Pfund erhalten. Das Unternehmen benötigte das Geld, um seine Verbindlichkeiten im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems fristgerecht zu begleichen. Das Unternehmen gehört der Beteiligungsgesellschaft Greybull Capital, die 2016 einen Teil des britischen Stahlgeschäfts des indischen Mischkonzerns Tata für den symbolischen Preis von einem Pfund erworben hat.

          Bei der Übernahme vor drei Jahren holte der Käufer Greybull den historischen Namen British Steel aus der Versenkung. Dieser hat in Großbritannien eine lange, wenn auch unrühmliche Geschichte: Die ursprüngliche British Steel Corporation war 1967 zur Verstaatlichung der notleidenden britischen Stahlindustrie gegründet worden. Damals beschäftigte die Branche noch mehr als 300.000 Mitarbeiter. Mitte der achtziger Jahre stand der Staatsriese im Zentrum der gewaltsamen Bergarbeiterstreiks in Großbritannien. 1988 wurde British Steel von der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher privatisiert.

          British Steel ist nicht der einzige Stahlkonzern in Großbritannien, dessen Zukunft ungewiss ist: Auch der größte Stahlerzeuger auf der Insel, Tata Steel, kämpft mit Problemen: Vor zwei Wochen ist der geplante Schulterschluss von Tata Steel Europa mit der Stahlsparte des Rivalen Thyssen-Krupp am Widerstand der EU-Wettbewerbshüter gescheitert. Tata Steel betreibt im walisischen Port Talbot das größte britische Stahlwerk. Es gilt als technisch veraltet.

          Weitere Themen

          „Wohnen ist keine normale Ware“ Video-Seite öffnen

          Mieterbund gegen Profitgier : „Wohnen ist keine normale Ware“

          Auf dem Deutschen Mietertag in Köln hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel skeptisch zu einem Mietendeckel geäußert. Mietervertreter fordern aber, ein solches Instrument zu prüfen – und schicken mahnende Worte hinterher.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.