https://www.faz.net/-gqe-9ikne

Vorwurf des Vertrauensbruchs : Zwei weitere Anklagen gegen Carlos Ghosn

Ein großer Bildschirm in Tokio zeigt eine Zeichnung des ehemaligen Nissan-Chefs Carlos Ghosn. Bild: EPA

Der ehemalige Nissan-Chef sitzt seit dem 19. November in Japan in Untersuchungshaft. Jetzt werden ihm zwei weitere Vergehen vorgeworfen. Er soll schweren Vertrauensbruch begangen haben.

          Der Automanager Carlos Ghosn ist am Freitag in Tokio wegen zwei weiterer vermuteter Finanzvergehen angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft in Tokio wirft ihm einen schweren Vertrauensbruch während seiner Tätigkeit für Nissan Motor vor und einen Verstoß gegen Offenlegungspflichten. Ghosn soll danach in den Finanzjahren 2015 bis 2017 Teile seines Einkommens nicht in den Finanzberichten Nissans angegeben haben.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Verteidiger des 64 Jahre alten Ghosn wollten noch am Freitag die Freilassung Ghosns auf Kaution beantragen. Erst diese Woche hatte das Bezirksgericht in Tokio einen Antrag auf generelle Entlassung aus der Haft abgelehnt. Der Fokus richtet sich nun darauf, ob die Verteidigung mit dem Antrag auf Freilassung auf Kaution Erfolg hat. Der Chefverteidiger Ghosns, der frühere Staatsanwalt Motonari Otsuru, schätzt die Chancen gering ein. Angeklagte, die die Tat bestreiten, würden in Japan üblicherweise nicht auf Kaution freigelassen, sagte Otsuru am Dienstag vor Journalisten in Tokio.

          Verstoß gegen Offenlegungspflichten

          Ghosn sitzt seit dem 19. November in Japan in Haft. In einer Anhörung vor Gericht hatte er am Dienstag die Vorwürfe gegen ihn komplett bestritten. Nissan und Mitsubishi Motors haben ihn als Vorsitzenden ihrer Verwaltungsräte abgesetzt. Seine Zukunft als Chef von Renault steht in den Sternen.

          Ghosn war am 10. Dezember das erste Mal wegen Verstoßes gegen Offenlegungspflichten nach dem Gesetz über Wertpapiere und Börsen angeklagt worden. Nach dieser ersten Anklage sollen Ghosn und seine rechte Hand Greg Kelly in den Finanzjahren 2010 bis 2014 das Einkommen Ghosns in den Finanzberichten Nissans um insgesamt rund 5 Milliarden Yen (39 Millionen Euro) zu gering ausgewiesen haben.

          Die damalige Anklage richtete sich auch gegen Kelly und das Unternehmen Nissan. Die neue Anklage erweitert den damaligen Vorwurf der Verschleierung von Einkommen nun auch auf die Finanzjahre 2015 bis 2017 und richtet sich insoweit abermals auch gegen Kelly und Nissan. Dabei geht es um weitere rund 4 Milliarden Yen.

          Schwerer Vertrauensbruch?

          Allein Ghosn betrifft aber der Verwurf des schweren Vertrauensbruchs. Ghosn hat danach während der globalen Finanzkrise 2008/2009 Wechselkursabsicherungsgeschäfte und damit verbundene Wertverluste zeitweise auf seinen Arbeitgeber übertragen. Ghosn wollte nach eigener Auskunft Zeit gewinnen, um neue Kreditgarantien für die Geschäfte aufzutreiben. Die Staatsanwaltschaft sieht in der Übertragung der Wertpapiere einen Vertrauensbruch. Ghosn und seine Anwälte argumentieren dagegen, dass der Verwaltungsrat von Nissan zugestimmt habe. Ausdrücklich sei vereinbart worden, dass eventuelle Verluste daraus von Ghosn übernommen würden.

          Kelly ist unter anderem wegen gesundheitlicher Probleme schon auf Kaution aus der Haft entlassen worden. Ghosn hatte am Donnerstag nach Auskunft seiner Anwälte ein Fieber entwickelt, das am Freitag aber überwunden war.

          Weitere Themen

          Das etwas andere Doppelhaus Video-Seite öffnen

          FAZ Plus Artikel: Neue Häuser : Das etwas andere Doppelhaus

          Zwei befreundete Familien suchen beide ein neues Zuhause und finden ein Grundstück. Die Lösung: Sie gründen eine Baugruppe und ziehen übereinander.

          Topmeldungen

          1:1 gegen Serbien : Deutscher Neuanfang mit Anlaufproblemen

          Die deutsche Nationalmannschaft braucht einige Zeit, um in der Ära nach Boateng, Hummels und Müller in Schwung zu kommen. Leon Goretzka rettet ein Unentschieden. Für Serbien hat der Frankfurter Jovic getroffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.