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Zwangspause in allen Daimler-Werken? : Weihnachten beginnt schon am 12. Dezember

  • Aktualisiert am

Montage im Mercedes-Werk Sindelfingen Bild: ddp

Was jeden Schüler freuen würde, ist für die Arbeitnehmer kein Anlass zu Freude: Daimler will in seinen deutschen Werken Zwangspausen verordnen und die Weihnachtsferien um zwei Wochen verlängern. Im größten Montagewerk in Sindelfingen sollen die Bänder vom 12. Dezember bis zum 12. Januar ruhen.

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          Der Autobauer Daimler verhandelt mit den Betriebsräten in allen deutschen Werken über einen verlängerten Produktionsstopp zum Jahreswechsel. Mit dem größten Montagewerk des Konzerns in Sindelfingen sei die Einigung über eine vierwöchige Zwangspause bereits erzielt worden, sagte eine Betriebsratssprecherin am Montag. Vom 12. Dezember bis zum 12. Januar sollen die Bänder in dem Werk ruhen. Über entsprechende Planungen hatte die F.A.S. bereits am Sonntag berichtet.

          Verlängerte Weihnachtpausen für andere Standorte würden, wenn nötig, jeweils „auf örtlicher Ebene“ verhandelt. Daimler hat in Deutschland mehr als ein Dutzend Standorte. Auch im Werk Untertürkheim werde voraussichtlich ab 15. Dezember ein „Großteil der Produktion“ für vier Wochen ruhen, sagte eine Sprecherin der dortigen Arbeitnehmervertretung am Montag. Die Arbeit solle dann am 12. Januar wieder aufgenommen werden. Die Verhandlungen dazu seien aber noch nicht abgeschlossen.

          Notfalls werde Daimler Kurzarbeit anmelden

          Der Sprecherin zufolge wären in Untertürkheim Produktionsbereiche und teilweise auch Logistik- und Qualitätabteilungen betroffen, während die Arbeit in anderen Teilen wie der Instandhaltung weiter laufe. In Untertürkheim werden Motoren produziert. Die „Rheinpfalz“ berichtete am Montag zudem vorab, Daimler fahre auch die Fertigung in seinem Lkw-Montagewerk im südpfälzischen Wörth herunter. Samstags wird demnach nicht mehr gearbeitet, die Schichtlängen würden auf Normalmaß gekürzt und die Weihnachtsferien verlängert.

          Daimler-Personalchef Günther Fleig sagte am Montag in Stuttgart, Mercedes-Benz werde in diesem Jahr insgesamt rund 45.000 Pkw weniger produzieren. Die Freizeit soll über Arbeitszeitkonten und Überstunden ausgeglichen werden. Durch die in diesem Jahr um zwei Wochen verlängerte Produktionspause reduzierten sich die Überstundenkonten von rund 150.000 Mitarbeitern.

          Wenn sich der Pkw-Absatz im kommenden Frühjahr allerdings nicht belebe, müsse die Wochenarbeitszeit auf 30 von derzeit 35 Stunden gekürzt werden. „Wir können die Beschäftigungslage derzeit nicht vorhersehen, da der Absatz nicht kalkulierbar ist“, sagte der Personalmanager. Wenn auch die Reduzierung der Wochenarbeitszeit nicht reiche, werde Daimler Kurzarbeit anmelden.

          „Wir haben in nächster Zeit aber keine größeren Beschäftigungssorgen“, beruhigte Fleig. Betriebsbedingte Kündigungen schloss der Personalchef aus. „Der Beschäftigungssicherungsvertrag gilt und endet im Jahr 2011. Wir halten uns daran“, sagte Fleig.

          Aktie sack ab

          Daimler hatte 2004 mit dem Betriebsrat einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen vereinbart. Zuletzt waren bei der Pkw-Sparte Mercedes-Benz im Jahr 2005 rund 8500 Stellen gestrichen worden. Daimler hatte die Beschäftigten mit teuren Abfindungen zum Ausscheiden bewogen.

          Nach der Ankündigung sackte die Aktie des Autobauers um zeitweise mehr als 12 Prozent auf rund 19 Euro ab. , sagte die Sprecherin. Mit der Maßnahme verlängerten sich die ursprünglichen Weihnachtsferien um zwei Wochen. Wie viele Beschäftigte betroffen seien, konnte sie nicht sagen. Beschäftigte aus der Verwaltung, Entwicklung oder Planung würden nicht in Zwangsurlaub geschickt.

          Schon Anfang August hatte Daimler angekündigt, wegen der schwächelnden Autokonjunktur Schichten oder immer wieder einzelne Produktionstage in mehreren deutschen Werken sowie im amerikanischen Werk Tuscaloosa zu streichen.

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