https://www.faz.net/-gqe-11wl9

Zwangsarbeit und Rüstungsproduktion : Schaeffler arbeitet NS-Vergangenheit auf

  • Aktualisiert am

Kritischer Blick in die eigene Vergangenheit Bild: dpa

Der hochverschuldete Autozulieferer Schaeffler war tiefer in die Politik des Dritten Reichs verstrickt, als bisher bekannt. Das Unternehmen hat sich im Zweiten Weltkrieg stark in der Rüstungsproduktion engagiert und dabei Zwangsarbeiter beschäftigt.

          Maria-Elisabeth Schaeffler hat sich in den vergangenen Wochen und Tagen gleich in mehrfacher Hinsicht der öffentlichen Kritik aussetzen müssen. Nun beweist sie einmal mehr neue Offenheit, indem sie die Verstrickungen des fränkischen Unternehmens Schaeffler in die Rüstungspolitik des Dritten Reiches offenlegen lässt.

          Der hochverschuldete Automobilzulieferer musste erst am Montag gegenüber der Gewerkschaft IG Metall kapitulieren und den Beschäftigten eine Mitbestimmung gewähren, um so Unterstützung für dringend benötigte Staatshilfen zu bekommen. Nun holt die Erbin des 1946 gegründeten Unternehmens auch noch die Vergangenheit der nationalsozialistischen Diktatur ein. Der von der Schaeffler-Familie beauftragte Historiker Gregor Schöllgen veröffentlichte im Magazin "Cicero" entsprechende Forschungsergebnisse.

          Zwangsarbeiter beschäftigt

          "Dies geschah vor dem Hintergrund falscher Unterstellungen im Internet. Professor Schöllgen hat dazu sein zwei Jahre altes Gutachten aktualisiert und die wesentlichen Ergebnisse zur Klarstellung veröffentlicht", sagte ein Firmensprecher. Danach war der Unternehmensgründer tiefer in die Politik des Dritten Reiches verstrickt als bislang angenommen. Das Unternehmen Schaeffler sei nicht nur aus der vormals jüdischen "Davistan AG" hervorgegangen. Es habe sich auch im Zweiten Weltkrieg stark in der Rüstungsproduktion engagiert und dabei auch Zwangsarbeiter beschäftigt.

          Weiteren Erkenntnissen zufolge sei der Firmenmitgründer Wilhelm Schaeffler 1946 von den Amerikanern an Polen ausgeliefert und dort angeklagt worden, weil er "im Auftrag der deutschen Regierung" an der "Liquidierung des dem polnischen Staat und den polnischen Bürgern gehörenden Besitzes" beteiligt gewesen sei. Das Urteil vom April 1949 des zuständigen Bezirksgerichts habe den Vorwurf auf "jüdisches Eigentum" ausgeweitet. Wilhelm Schaeffler musste daraufhin für gut vier Jahre ins Gefängnis in Bialystok und Warschau. Erst am 23. Juli 1951 sei er freigelassen worden.

          Firmenarchive geöffnet

          Bislang wurde laut "Cicero" über die dunkle Vorgeschichte der Firma Schaeffler in Polen geschwiegen. Die offizielle Unternehmensgeschichte der Schaeffler-Gruppe beginnt noch heute erst im Jahr 1946 mit der Gründung des Traditionsunternehmens. "Die Brüder Schaeffler sahen keine Veranlassung, ihre frühen Jahre ohne Not kritischen Blicken auszusetzen", sagte Schöllgen. Erst Maria-Elisabeth Schaeffler, die Frau des 1996 verstorbenen Firmengründers, habe die Firmenarchive öffnen lassen und nun die kritische Aufarbeitung der Vergangenheit ermöglicht.

          Weitere Themen

          Alles auf Wiederaufbau Video-Seite öffnen

          Ölkonzern in Saudi-Arabien : Alles auf Wiederaufbau

          Der Ölkonzern Saudi Aramco will die Produktion in Churais nach den Drohnenangriffen bis Monatsende wieder voll aufnehmen. Rund um die Uhr arbeiten Mitarbeiter am Wiederaufbau.

          Topmeldungen

          Klimapolitik : Der Offenbarungseid der Merkel-Ära

          Der Klimaschutz in Deutschland muss nicht nur das Klima retten. Die Koalition denkt auch an sich. Zwischen Protestkultur von links und rechts sucht sie den Mittelweg.
          Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff von der Demokratischen Partei, am Donnerstag im Kongress

          Whistleblower belastet Trump : Die Spur führt nach Kiew

          Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes macht Donald Trump schwere Vorwürfe. Dessen Regierung versuchte, die Informationen des Whistleblowers zu unterdrücken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.