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Zukunft von Opel : GM-Verwaltungsrat bremst

Wem wird General Motors den Zuschlag geben: Magna oder RHJ International? Bild: dpa

Der Verwaltungsrat von General Motors hat mit seiner Weigerung, eine Entscheidung über Opel zu treffen, eine neue Ära eingeläutet. Zuvor war Widerspruch dem Management eher fremd. Dem neuen Mehrheitseigentümer, der amerikanischen Regierung, kommt dies sehr entgegen.

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          Der neu besetzte Verwaltungsrat des Autokonzerns General Motors (GM) hat mit seiner vorläufigen Weigerung, eine Entscheidung über die Zukunft von Opel zu treffen, erstmals Zähne gezeigt. Das Aufsichtsgremium positioniert sich damit genau so, wie es sich die amerikanische Regierung als neue Mehrheitseigentümerin von GM wünscht: als eine aktive und engagierte Instanz, die vor der Konfrontation mit dem Management nicht zurückschreckt. Das kommt bei GM einer Kulturrevolution gleich. Denn der Verwaltungsrat des Unternehmens war früher dafür bekannt, die Entscheidungen des Managements kaum zu hinterfragen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Verwaltungsrat hatte es bei einer Sitzung am Freitag abgelehnt, einem der beiden Interessenten für Opel den Zuschlag zu geben. Im Rennen sind ein Konsortium um den österreichischkanadischen Zulieferer Magna sowie der Finanzinvestor RHJ International (RHJI). Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ hat der Verwaltungsrat die Auffassung vertreten, dass das Angebot von RHJI ernsthafter geprüft werden sollte. Vorstandsvorsitzender Fritz Henderson und andere Mitglieder des Managements hätten sich dagegen auf die Seite von Magna geschlagen, hieß es weiter. Der Verwaltungsrat habe nun außerdem vom Management mehr Klarheit über die künftige Strategie von GM in Europa gefordert, sollte die Kontrolle über Opel abgegeben werden.

          GM geht im nächsten Jahr wieder an die Börse

          Der Verwaltungsrat von GM ist im Zuge der Insolvenz völlig umgekrempelt worden. GM hat im Juli ein Insolvenzverfahren beendet und gehört seither mehrheitlich der amerikanischen Regierung. Für den Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden hat die Regierung Ed Whitacre rekrutiert, den langjährigen Vorstandschef des Telekommunikationskonzerns AT&T. Daneben wurden sechs weitere Mitglieder des alten Verwaltungsrats ausgetauscht, neu in das Gremium kam zum Beispiel auch Patricia Russo, die frühere Chefin des Telekommunikationsausrüsters Alcatel Lucent. Nur sechs Mitglieder aus dem alten Verwaltungsrat sind geblieben.

          GM-Vorstandsvorsitzender Henderson hat sich angeblich auf die Seite von Magna geschlagen

          Der 67 Jahre alte Whitacre hat bei seinem Amtsantritt klargemacht, dass er eine sehr aktive Rolle spielen will. Nach der ersten Verwaltungsratssitzung Anfang August sagte er der „New York Times“, er werde das Management unter Henderson täglich beurteilen. „Das Management muss Dinge bewegen und für Veränderungen sorgen.“ Der Texaner will angeblich jede Woche für mindestens einen Tag nach Detroit kommen, wo GM seine Zentrale hat.

          Der Verwaltungsrat von GM hat früher Entscheidungen des Managements weitgehend widerstandslos abgesegnet. Das hatte auch mit dem Umstand zu tun, dass Hendersons Vorgänger Rick Wagoner in Personalunion Vorstandsvorsitzender und Verwaltungsratschef war. Obwohl GM schon seit Jahren in der Krise steckt, hat der Verwaltungsrat lange Geduld mit Wagoner gehabt und ihm das Vertrauen ausgesprochen. Erst auf Druck der amerikanischen Regierung, die GM mit Milliardenbeträgen gestützt hat, musste Wagoner im März dieses Jahres zurücktreten. Die amerikanische Regierung hält 60 Prozent der Anteile an dem neuen, aus der Insolvenz hervorgegangenen Autokonzern. GM hat sich vorgenommen, im nächsten Jahr wieder an die Börse zu gehen.

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