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Zukunft der Zeitungen : „Die Welt“ gewinnt viele Internet-Abonnenten

  • Aktualisiert am

Vor dem Axel-Springer-Hochhaus in Berlin Bild: dpa

Seit einem halben Jahr verlangt „Welt-Online“ von einem Teil seiner Leser Geld im Netz. Das funktioniert offenbar, die Nutzer bleiben nicht weg. Springer-Chef Döpfner verteidigte gleichzeitig noch einmal den Verkauf traditionsreicher Zeitungen.

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          Die Zeitung „Die Welt“ kann für ihren Internetauftritt offenbar Geld verlangen, ohne das dadurch Nutzer verloren gehen. 47.000 Abonnenten für digitale Inhalte hat der Verlag eigenen Angaben zufolge im vergangenen halben Jahr gewonnen. Seitdem ist das von der Nutzung abhängige Bezahlmodell in Kraft. „Das erste halbe Jahr mit unserem Bezahlmodell werten wir als sehr ermutigend“, sagt „Welt“-Verlagsgeschäftsführerin Stephanie Caspar: „Wir erzielen auch digital bereits signifikante Vertriebserlöse – und dies bei weiter wachsenden Werbeeinnahmen.“

          Obwohl sie zahlen müssen, bleiben die Nutzer dem Internetauftritt nicht fern. Täglich würden über alle mit der Marke „Welt“ verknüpften Plattformen 1,42 Millionen Nutzer erreicht. Im Dezember des vergangenen Jahres führte die Welt ein nutzungsabhängiges Bezahlmodell „Metered Model“ ein. Die ersten 20 Artikel sind kostenfrei, weitere kosten.

          Der Medienkonzern Axel Springer, zu dem die „Welt“ gehört, steckte auch wegen der Zuwächse im digitalen Geschäft einen Einbruch in seinem Print-Geschäft überraschend gut weg. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel im vergangenen Quartal um 0,4 Prozent auf 171,6 Millionen Euro, teilte der Konzern mit, der auch die „Bild“-Zeitung herausgibt. Analysten hatten hingegen durchschnittlich nur mit 157 Millionen Euro gerechnet. Die digitalen Medien, zu denen die Online-Anzeigenportale Immonet und Seloger sowie die Vermarktungsplattform Zanox gehören, lieferten die höchsten Beiträge zu Umsatz und Ergebnis.

          Döpfner verteidigt Verkauf von „Abendblatt“

          Angesichts der sinkenden Einnahmen mit Print-Produkten konzentriert sich Springer seit Jahren immer stärker auf seine breitgefächerten Geschäfte im Netz. Mit dem Verkauf traditioneller Springer-Blätter an die Essener Funke Gruppe beschleunigt der Konzern diese Strategie nun noch einmal. Springer trennt sich zum Jahreswechsel für 920 Millionen Euro von traditionsreichen Blättern wie der „Berliner Morgenpost“, dem „Hamburger Abendblatt“ und der Zeitschrift „Hörzu“.

          Springer-Chef Mathias Döpfner verteidigte den Schritt, der für Schlagzeilen sorgte: „Ich bin mir sehr sicher, dass wir dadurch mehr zur Zukunftssicherung des Journalismus beigetragen haben, als diejenigen, die in diesen Tagen so lautstark das Ende des Verlegertums beklagen.“

          Springer will sein Geschäft noch stärker ins Internet zu verlagern. Kreisen zufolge hat das Unternehmen zusammen mit dem amerikanischen Finanzinvestor General Atlantic ein Gebot für die Internet-Anzeigengruppe Scout24 der Deutschen Telekom abgegeben. Die Scout-Gruppe, zu der die Anzeigenseiten Immoscout24 und Autoscout24 gehören, soll dabei mit 1,5 Milliarden Euro bewertet worden sein.

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