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Söder sorgt für Ärger : „Sie können ja zuhause mit Ihrer Partnerin tanzen“

Markus Söder bei seiner Pressekonferenz am 30. Juni Bild: dpa

Die Konzert- und Veranstaltungsbranche leidet besonders hart unter der Coronakrise. Eine Aussage von Bayerns Ministerpräsident Söder kommt da gar nicht gut an.

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          Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) malt die Aussichten speziell für Clubs in düsteren Farben. Auf die Frage, wann man denn wieder dort tanzen dürfe, sagte er am Dienstag in einem Video-Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“: „Das dauert. Denn da ist die Ansteckungsgefahr einfach mit am höchsten“. Mit Blick auf die Eindämmung der Pandemie werden da nur wenige widersprechen. Dann aber kam der nächste Satz: „Aber Sie können ja zum Beispiel zu Hause mit Ihrer Partnerin tanzen“, schlug Söder vor. Das stieß Club-Betreibern, DJs und anderen aus der Branche dann doch übel auf, wie zunächst das Online-Musikmagazin „Fazemag“ berichtete.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mittlerweile gibt es zumindest wieder vereinzelt Konzerte, sei es mit erheblich reduzierter Zuschauerzahl und unter Einhaltung von Abstands- wie Hygieneregeln oder im Autokino. Die amerikanische Rock-Band The Flaming Lips spielte Mitte Juni gar eine Show, zu der Band-Mitglieder und Zuschauer in transparenten Gummibällen steckten. Doch wirtschaftlich tragfähig seien diese Varianten keineswegs, sagt Jens Michow, der geschäftsführende Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV).

          „Das Statement von Herrn Söder passt leider in die offenbare – wenngleich nicht stets ganz so deutlich geäußerte – Haltung,  die wir bei vielen Politikern zur Veranstaltungswirtschaft erkennen: Auch wenn die Aussage sich „nur“ auf Tanzlokale bezogen haben mag, macht sie doch deutlich, wie sehr der gesamte Bereich der Unterhaltung derzeit hinten runter fällt“, so Michow zur F.A.Z.

          „Es gibt für Veranstalter bisher keinen Neustart“

          Die Branche habe „vollstes Verständnis für jede gebotene Maßnahme des Infektionsschutzes“, aber: „Es gibt für Veranstalter bisher keinen Neustart“, konstatiert Michow – und das, obwohl Veranstaltungen heutzutage der wesentliche Motor des Kulturbetriebs seien. Dem BDKV zufolge sind alleine in der Musikbranche und den zugehörigen Gewerken mehr als 150.000 Menschen davon abhängig. Nicht zuletzt stellen Konzerte für Musiker eine der wichtigsten Einnahmequellen dar und neben den aufführenden Künstlern verdienen etwa auch Songwriter und Musikverlage an Auftritten mit.

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          Michow hält es für „nicht nachvollziehbar“, dass Busse, Bahnen und auch Strände voll seien oder Groß-Demonstrationen stattfinden dürften, mit seiner Branche aber keiner spreche, wie und wann es bei „zumindest gleichbleibender Infektionsentwicklung bundesweit wieder Veranstaltungen ohne Abstandsgebote geben kann“. Die von Bundesland zu Bundesland variierenden Bestimmungen hatte der BDKV schon zuvor immer wieder kritisiert, da diese die Durchführung von Tourneen erheblich erschwerten oder unmöglich machten.

          Neben den verschiedenen Hilfsprogrammen der einzelnen Länder ist im Rahmen des Konjunkturpakets des Bundes eine Milliarde Euro für den Kulturbereich vorgesehen. Dies wurde von den diversen Verbänden der Musikwirtschaft und den Verwertungsgesellschaften GEMA sowie GVL grundsätzlich positiv aufgenommen. Allerdings bemängelten sie, dass einzelne Teilbereiche der Branche nicht genannt und damit die „komplexen Wertschöpfungsketten“ und Abhängigkeiten innerhalb der Branche nicht bedacht würden. Entsprechend düster sind Prognosen aus der Branche. So erklärte erst kürzlich der Chef des deutschen Veranstaltungsriesen DEAG, Peter Schwenkow, in der F.A.Z., er rechne mit tausenden Insolvenzen im Herbst, gerade unter Club-Betreibern.

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