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Deutsche Bahn : Der Zugverkehr nach Sylt lässt Pendler verzweifeln

Fährt sie, fährt sie nicht? Den Pendlern vom Festland macht die Deutsche Bahn das Leben schwer, wenn diese nach Sylt zur Arbeit wollen. Bild: Imago

Verspätungen, Weichenstörungen, Zugausfälle: auf dem Hindenburgdamm herrscht Chaos. Viele Arbeitnehmer haben die Nase voll – und kehren der Insel den Rücken.

          5 Min.

          Der Tag hat gerade erst begonnen, aber Ingo Hansen ist schon maximal genervt. Der 44 Jahre alte Berufspendler steht im überfüllten „Sylt Shuttle Plus“, einem Kurzzug mit zwei Wagen, der gerade über den Hindenburgdamm rauscht, jene Lebensader, die die größte nordfriesische Insel mit dem Festland verbindet. Eigentlich wollte er den Regionalexpress nehmen, der um 8.01 Uhr von seinem Wohnort Niebüll in Schleswig-Holstein abfährt. Doch der ist wegen technischer Schwierigkeiten ausgefallen. Daher drängen sich jetzt rund 200 Pendler in dem kleinen Shuttle, das eigentlich nur mit speziellen Fernverkehrstickets genutzt werden darf, an diesem Tag aber für alle Fahrkarten freigegeben wurde, um die übrigen Züge zu entlasten. „Das ist der ganz normale Wahnsinn im Zugverkehr nach Sylt“, sagt Hansen. Er pendele seit Jahren auf die Insel, denke aber inzwischen ernsthaft darüber nach, sich eine Arbeit auf dem Festland zu suchen.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Hansen ist einer von rund 4500 Pendlern, die Tag für Tag zur Arbeit nach Sylt fahren und abends wieder zurückkehren, weil ihre Wurzeln auf dem Festland liegen oder ihnen das Leben auf der Insel – einem beliebten Treffpunkt der Schönen und Reichen – zu teuer ist. Eine Straße gibt es nicht, und die Fähre braucht zu lange, daher haben sie keine Wahl, als den Zug über den im Jahr 1927 eröffneten Hindenburgdamm zu nehmen. Das aber wird zunehmend zur Tortur, denn seit einigen Jahren häufen sich die Störungen.

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