https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/zombiefirmen-koennten-insolvenzwelle-ausloesen-17312952.html

Aktuelle Daten : „Zombiefirmen“ könnten Insolvenzwelle auslösen

  • -Aktualisiert am

Mechaniker unter einer Hebebühne: Die Zahl der Insolvenzen von Autowerkstätten ist um 30 Prozent gesunken – doch der Schein trügt, warnen Wissenschaftler. Bild: dpa

Trotz Pandemie ist die Zahl insolventer Unternehmen paradox niedrig – etwa im Fall von Autowerkstätten. Doch der Schein trügt, befürchten Wissenschaftler, die eine Insolvenzdatenbank aufgebaut haben.

          2 Min.

          In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Warnungen vor einer Welle an Insolvenzen, also einer großen Zahl an Unternehmen, die ihre Schulden nicht mehr bezahlen können und daher in Existenznot geraten. Obwohl viele Unternehmen in der Corona-Krise ums Überleben kämpfen, ist die Zahl der Insolvenzen jedoch gesunken. Ein Grund für dieses paradox erscheinende Phänomen ist, dass die Insolvenzantragspflicht ab März 2020 ausgesetzt wurde. Das soll verhindern, dass durch die Pandemie unverschuldet in Not geratene Unternehmen insolvent gehen und danach möglicherweise verschwinden.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach Einschätzung der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Gassen von der Humboldt-Universität zu Berlin und Urška Kosi von der Universität Paderborn könnte das zu einem Problem werden. Denn es sei gut möglich, dass im vergangenen Jahr viele an sich zahlungsunfähige und überschuldete Unternehmen auf die Anzeige einer Insolvenz verzichtet haben. Auf diese Weise seien „Zombiefirmen“ entstanden, die nur noch auf dem Papier „lebendig“ sind.

          Diese „Zombiefirmen“ könnten eine Insolvenzwelle auslösen und den Neustart der Wirtschaft nach dem Ende der Pandemie deutlich erschweren. Die Zahl der „Zombiefirmen“ und damit die Größe der Insolvenzwelle sei schwer abzuschätzen. Gassen und Kosi gehen davon aus, dass eine Lücke von 1400 Insolvenzanträgen entstanden ist – etwa 10 Prozent der gesamten Insolvenzen.

          Zu ihrer Einschätzung kommen die beiden Wissenschaftler nach Auswertung von aktuellen Insolvenzdaten. Sie haben eine neue Datenbank aufgebaut, um das Phänomen der Insolvenzen in der Corona-Krise besser zu verstehen. Diese Datenbank ist im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsprojekts namens „TRR 266 Accounting for Transparency“ entstanden. Die auch für die Öffentlichkeit zugänglichen Daten sollen die Prognose ermöglichen, ob den deutschen Unternehmen eine Insolvenzwelle droht. In die tagesaktuelle Datenbank fließen die Bekanntmachungen der Insolvenzgerichte ein. Auch eine Sortierung nach Branchen und Regionen ist möglich.

          Interessante Details

          Das eröffnet recht interessante Einblicke: Wie die Paderborner Wirtschaftswissenschaftlerin Kosi erläutert, ist die Zahl der Insolvenzanträge ausgerechnet in den Branchen besonders stark gesunken, die vergleichsweise wenig von der Pandemie betroffen sind. Auffällig sei das etwa im Fall von Autowerkstätten, deren Insolvenzanträge im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 30 Prozent zurückgingen.

          Das ist laut Kosi erstaunlich, denn die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht gelte – zumindest formal – nur für Fälle, in denen die Pandemie für die finanzielle Schieflage gesorgt habe. Autowerkstätten jedoch gehören zur Daseinsvorsorge und bleiben auch während der Lockdowns offen. In Branchen dagegen, die relativ stark von der Pandemie betroffen sind, ist die Zahl der Insolvenzen laut Kosi trotz der ausgesetzten Antragspflicht deutlich gestiegen.

          Weitere Themen

          Bahn meldet hohe Nachfrage

          9-Euro-Ticket : Bahn meldet hohe Nachfrage

          Das 9-Euro-Ticket verkauft sich gut. Zum Start hat die Deutsche Bahn über alle Vertriebskanäle hinweg schon in den ersten Stunden rund 50.000 Monatsfahrscheine abgesetzt.

          Topmeldungen

          Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck bei einer Panel-Diskussion auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

          Weltwirtschaftsforum : Habeck wirbt für einen Öl-Höchstpreis

          Die großen Ölverbraucher-Staaten sollen sich auf einen Höchstpreis einigen, zu dem sie Öl kaufen – das schlägt der deutsche Wirtschaftsminister in Davos vor. Er ist nicht der einzige.
          Der Hafen der Matsu-Insel Nangan

          Taiwan-Frage : Sind die Matsu-Inseln das Donezk von Asien?

          Die Matsu-Inseln gehören zu Taiwan, aber viele ihrer Bewohner sehen sich als Chinesen. China beansprucht sie für sich – und testet die taiwanische Regierung mit ständigen Territorialverletzungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Kapitalanalge
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Zertifikate
          Ihre Weiterbildung im Projektmanagement