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Zigarren : Rauchzeichen aus dem Schwäbischen

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Ein Leben für den Genuss: Helmut Bührle ist mit Zigarren groß geworden Bild: F.A.Z. / Claus Setzer

Helmut Bührle mag Eleganz und Schick. Dieses Lebensgefühl verkörpern auch seine edlen Zigarren. Und damit passt der Gründer der Zigarrenfabrik Laura Chavin Cigars überhaupt nicht in seine schwäbische Heimat.

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          Zu den vielen Annehmlichkeiten, die unternehmerischem Erfolg zugeschrieben werden, zählt, dass er angeblich glücklich macht. Auf jeden Fall macht eine florierende Firma nicht zwingend weniger verletzlich. Diese Erfahrung macht Helmut Bührle. „So viele Menschen wollen nur die äußere Hülle von dir sehen“, sagt der braun gebrannte Zigarrenfabrikant im Salon des Hochdorfer Schlosses, dem Sitz seines Zigarrenunternehmens.

          Er werde von so vielen vorgeblichen Freunden angesprochen, die schon als Jugendliche im Freibad Handtuch an Handtuch mit ihm gelegen hätten und ihn jetzt nur um sein Geld angingen. „So viele wollen nur von dir saugen“, sagt Bührle mit einer Spur Verbitterung, die er nur schwer verbergen kann.

          Existenzgründer mit Sinn für Stil

          Der Unternehmer Helmut Bührle ist fast eine ständige Provokation in seiner württembergischen Heimat. Er hat nicht nur ein Unternehmen aufgebaut, sondern er hat auch Sinn für Stil. Und den trägt er gern zur Schau. Der Mann muss sich, obwohl Schwabe, wie ein Fremdkörper im eigenen Land fühlen.

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          Darauf angesprochen, schweigt Bührle. Allein schon sein Metier mag vielen seiner Landsleute als überflüssiger Luxus erscheinen: Bührle stellt Zigarren her, und zwar edle handgerollte Einzelstücke, die zwischen 8 und 40 Euro kosten.

          Sieben Jahre lang keinen Umsatz

          1992 gründete Bührle das Zigarrenunternehmen Laura Chavin Cigars in Hochdorf bei Ludwigsburg. Jahrelang arbeitete er an seinen Produkten, ohne eine Mark Umsatz zu erzielen. „Sieben Jahre lang habe ich nicht eine einzige Rechnung geschrieben“, erinnert sich Bührle. „Das hätte auch gewaltig schiefgehen können.“ Doch bei Bührle kam das Glück vor dem Erfolg.

          Als er mit seiner neuen Zigarrenmarke nach sechs Jahren schließlich an den Markt ging, setzte sich das neue Produkt rasch durch. Bührle gelang es, sich mit „Laura Chavin“ auf den internationalen Markt der Premiumzigarren zwischen global agierende Tabakkonzerne wie Davidoff oder den Cohiba-Erzeuger Habanos zu zwängen.

          Zigarrenfabrikanten sind auch nur Unternehmer

          Das Leben eines Zigarrenfabrikanten stellen sich Außenstehende so ausgeruht wie die Clubs vor, in denen Zigarren vornehmlich geraucht werden. Dabei ähnelt Bührles Alltag dem vieler Geschäftsleute: „Manchmal liege ich die halbe Nacht wach, weil der Körper zwar müde ist, aber der Kopf noch aufgeladen.“

          Die Schwierigkeiten sind Alltag in seinem Betrieb: „Im vergangenen Jahr gingen beim Transport in die Dominikanische Republik 100.000 Tuben verloren“, erzählt Bührle. „Dadurch haben wir acht Wochen verloren. Und jedes Jahr passiert so etwas.“

          Ein anderes Mal ging kurz vor den Weihnachtsauslieferungen das blaue Band aus, das die Holzkisten verziert. Der ungewöhnlich hohe Schwund erklärte sich schließlich dadurch, dass sich die Zigarrenrollerinnen diese ins Haar banden. Das schmeichelte Bührle.

          Eine exquisite Marke mit Weltruf

          Heute ist „Laura Chavin“ eine exquisite Marke, die auf der ganzen Welt von Ludwigsburg bis Sankt Petersburg geraucht wird. Allein das ist schon ein Erfolg. „Wir sind in 16 Ländern vertreten, in Fernost genauso wie in Russland“, sagt Bührle. „Und wir könnten sofort in zwölf neuen Länder aufmachen.“ Über den Gewinn seines Unternehmens redet er genauso wenig wie über den Umsatz.

          Nur so viel ist ihm zu entlocken: Vor acht oder neun Jahren beschäftigte er 55 Menschen in der Dominikanischen Republik, heute sind es dort 150. In Deutschland beschäftigt er lediglich zwölf Mitarbeiter. Dabei hat er Abteilungen wie Buchhaltung oder Recht ausgelagert. „Mir geht unser Wachstum schon zu schnell“, sagt der Fabrikant. Er wolle nicht Gefahr laufen, mit hohen Produktionsmengen zu Abverkäufen gezwungen zu werden. Denn das sei der Tod einer Marke.

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