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Ziele gekappt : SAP-Aktie sinkt vorbörslich um 13 Prozent

  • Aktualisiert am

SAP-Chef Christian Klein Bild: dpa

Viele andere Digitalkonzerne profitieren von der Corona-Krise. SAP dagegen muss die Umsatzerwartungen zurechtstutzen. Der Umzug in die Cloud kostet weiter Geld. Die Aktie sinkt drastisch.

          3 Min.

          Die Corona-Pandemie hat Europas größten Softwarehersteller SAP stärker im Griff als gedacht. Weil die Nachfrage wegen neuer Beschränkungen verhaltener ausfiel als erwartet, geht das Management um Vorstandschef Christian Klein nun von weniger Umsatz in diesem Jahr aus, auch der operative Gewinn dürfte nicht mehr so hoch ausfallen wie zuletzt geplant. Der wertvollste Dax-Konzern verfehlte mit den Zahlen zum dritten Quartal die Erwartungen von Analysten, während amerikanische Digitalkonzerne bisher besser durch die Krise gekommen sind. Die SAP-Aktie sank vorbörslich um 13 Prozent.

          SAP rechnet bis Mitte kommenden Jahres mit Belastungen durch die Pandemie, was auch die für 2023 gesetzten Mittelfristziele um ein bis zwei Jahre nach hinten verschiebt. Wegen des noch schnelleren Umstiegs auf Cloudsoftware müssen sich Anleger nun darauf einstellen, dass SAP bis dahin auch kaum Fortschritte bei der Profitabilität machen wird.  

          Cloudangebote wachsen, Marge sinkt

          Das hatte noch Ex-Chef Bill McDermott nach Jahren des Margenschwunds versprochen: Dass SAP nun endlich die Früchte ernten werde und die bereinigte operative Marge (bereinigtes Ebit) 2023 rund fünf Prozentpunkte über derjenigen von 2018 (29 Prozent) liegen sollte. Daraus wird nun nichts, SAP stellte den Finanzmarkt darauf ein, dass das starke Wachstum der Cloudangebote wohl vier bis fünf Prozentpunkte bei der operativen Marge kosten wird.

          Zwar wächst die Software zur Nutzung über das Internet stark, doch sie ist noch immer nicht so profitabel wie die Softwareverkäufe gegen einmalige Lizenzgebühren. Cloudsoftware wird entweder über Abonnements über die Laufzeit bezahlt oder gegen eine Nutzungsgebühr. Die Softwarelizenzen dürften in den kommenden Jahren gegenüber dem Niveau von 2020 zurückgehen, schätzt SAP.

          Für das Wachstum mit Cloudsoftware muss SAP auch weiter Geld in die technische Infrastruktur stecken, so seien voraussichtlich kommendes und übernächstes Jahr zusätzliche Investitionen erforderlich, hieß es. „Unser beschleunigter Umstieg in die Cloud wird sicherstellen, dass wir unseren Weg als Cloud-Wachstumsunternehmen fortsetzen, während wir uns gleichzeitig weiterhin auf Kosteneinsparungen konzentrieren“, sagte Finanzchef Luka Mucic.

          Niedrigerer Umsatz

          In diesem Jahr rechnet SAP nun mit einem Gesamtumsatz von 27,2 bis 27,8 Milliarden Euro auf Basis konstanter Wechselkurse – das heißt zu Wechselkursen aus dem vergangenen Jahr. Schlägt der starke Euro besonders hart bei der Umrechnung von ausländischen Erlösen zu Buche, sind auch Werte darunter möglich. Vorher waren 27,8 bis 28,5 Milliarden angepeilt.

          Darunter dürfte vor allem auch der Umsatz mit Cloudsoftware schwächer ausfallen mit 8 bis 8,2 Milliarden Euro, hier standen zuvor 8,3 bis 8,7 Milliarden Euro im Plan. Auch das amerikanische Tochterunternehmen Concur, die Kunden Reisekostenmanagement anbietet, leidet unter der Krise. Das Betriebsergebnis dürfte nun zwischen 8,1 und 8,5 Milliarden Euro landen statt zwischen 8,1 und 8,7 Milliarden. Schon im April hatte SAP die ursprünglichen Jahresziele wegen der Corona-Krise eingedampft.

          Weil der Konzern stark auf die Kostenbremse getreten ist, sieht es in diesem Jahr immerhin bei der Entwicklung der Kassenlage besser aus. Statt mit rund 4 Milliarden Euro freiem Barmittelzufluss (Free Cashflow) kalkuliert Mucic nun mit über 4,5 Milliarden Euro Zufluss in die Kasse.

          Der Wert der Digitalisierung

          Im dritten Quartal zeigte sich, wie stark die Krise auch SAP in die Mangel nimmt – wobei das Management weiter optimistisch ist, dass der Wert von Digitalisierung für die Unternehmen in der Krise deutlicher sichtbar wird. „Für Unternehmen ist der Umstieg in die Cloud, verbunden mit einer echten Neuausrichtung ihres Geschäfts, unerlässlich geworden“, sagte Klein. „Denn nur so können sie widerstandsfähiger werden und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie gestärkt aus der Krise hervorgehen können.“

          Der Gesamtumsatz schrumpfte zwischen Juli und Ende September im Jahresvergleich um 4 Prozent auf 6,54 Milliarden Euro, wobei der starke Euro für das Minus sorgte. Währungsbereinigt wären die Erlöse stabil geblieben. Das um Sonderkosten bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag mit 2,07 Milliarden Euro um ein Prozent unter dem Vorjahreswert, wäre ohne Wechselkurseinfluss nach Berechnungen von SAP aber um 4 Prozent gewachsen.

          Unter dem Strich konnte Mucic immerhin einen deutlichen Gewinnanstieg von 31 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro ausweisen. Dafür sorgte vor allem ein Bewertungseffekt bei der Beteiligungstochter Sapphire Venturs, die vorwiegend Geld in Start-Ups investiert. Mit den Werten von Umsatz und operativem Ergebnis lag SAP klar unter den Schätzungen von Analysten.

          In den kommenden beiden Jahren rechnet SAP einem verhaltenen Wachstum der Umsätze, das bereinigte Betriebsergebnis dürfte stagnieren oder sogar sinken. Ab 2023 soll der Umsatz schneller wachsen und das operative Ergebnis prozentual zweistellig zulegen.

          2025 will SAP bei den Clouderlösen die Marke von 22 Milliarden Euro knacken und Gesamtumsätze von über 36 Milliarden erreichen. 85 Prozent der Umsätze sollen dann besser planbar sein, das heißt, dass sie entweder aus Cloudabos kommen oder aus Wartungsverträgen und nicht allein vom vertrieblichen Erfolg abhängen. Das operative Ergebnis soll dann über 11,5 Milliarden Euro liegen. Bisher hatte SAP etwa beim Cloudumsatz 2023 mit mehr als 15 Milliarden Euro gerechnet.

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