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Zeitungsmarkt : Gruner + Jahr will die „FTD“ vollständig übernehmen

Anscheinend übernimmt Gruner + Jahr die FTD vollständig Bild: picture-alliance/ dpa

Das Tauziehen um die „FTD“ geht zu Ende. Nach Informationen der F.A.Z. will Gruner + Jahr das Wirtschaftsblatt komplett übernehmen - für kleines Geld.

          Die Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ soll schon bald vollständig in deutscher Hand sein. Nach Informationen der F.A.Z. will das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr (G+J) das lachsfarbene Blatt zu 100 Prozent übernehmen. Offizielle Beschlüsse hierzu liegen noch nicht vor. Aber die Verhandlungen stehen anscheinend kurz vor dem Abschluss. Bislang ist Gruner + Jahr mit 50 Prozent an der „FTD“ beteiligt. Der britische Mitgesellschafter Pearson hat seine Hälfte an der Gemeinschaftszeitung schon vor Monaten zum Verkauf feilgeboten.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der ursprünglich ins Auge gefasste Verkauf der Anteile an den „Spiegel“-Verlag war im Oktober am Widerstand der „Spiegel“-Mitarbeiter KG gescheitert. Daraufhin befasste sich Gruner + Jahr mit dem Thema. Es gab aber auch noch andere Interessenten, darunter die Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe, die das „Handelsblatt“ herausgibt. Allerdings hat Gruner + Jahr, das mehrheitlich Bertelsmann gehört, ein Vorkaufsrecht.

          Niedriger Kaufpreis

          Als deutscher Ableger der großen „Financial Times“ kam die „FTD“ im Jahr 2000 auf den Markt. Sie hat ihre Auflage zwar kontinuierlich auf etwas mehr als 100.000 Exemplare erhöht. Bei den Anzeigenerlösen blieb das Blatt aber unterhalb der Planungen. Nicht zuletzt deshalb wurden die ursprünglichen Ergebnisziele verfehlt: Bei einem für 2007 geschätzten Jahresumsatz von rund 60 Millionen Euro operiert die „FTD“ immer noch in der Verlustzone, wobei sie angeblich nicht mehr weit von der Gewinnschwelle entfernt ist.

          Die Ertragslage trägt mit dazu bei, dass Pearson nur einen niedrigen Kaufpreis erhält. G+J wird wohl noch weniger als der „Spiegel“ bezahlen, der angeblich rund 9 Millionen Euro für die Anteile auf den Tisch legen wollte. Das ist insofern nachvollziehbar, weil die Hamburger als Joint-Venture-Partner eigene Umsätze und Leistungen in den Kaufpreis einrechnen müssen. Die Lizenz für die Nutzung des Markennamens „Financial Times“ soll sich G+J für zehn Jahre gesichert haben, heißt es in der Branche.

          Solide Lösung für die Redaktion

          Für die rund 120 Mitarbeiter in der „FTD“-Redaktion wäre eine Komplettübernahme durch G+J eine solide Lösung; weitere Kosteneinsparungen wären wohl nicht zu befürchten, heißt es in der Redaktion. Auf der Verlagsseite könnte G+J aber durchaus Synergien nutzen, nämlich durch eine Zusammenlegung des FTD-Verlags mit der konzerneigenen Kölner Verlagsgruppe Wirtschaftsmedien, in der die Titel „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“ gebündelt sind.

          In diesen beiden Verlagshäusern dürften zusammen gut 100 Mitarbeiter beschäftigt sein. Jenseits von Kostensenkungen könnte eine solche Bündelung Vorteile in der Anzeigenvermarktung bringen. Gruner könnte den Kunden Anzeigenpakete für ihre Wirtschaftstitel anbieten. Dies war bisher nicht möglich, weil der Partner Pearson eine Quersubventionierung anderer G+J-Titel zulasten der „FTD“ fürchtete.

          Auch „Les Echos“ wurde schon verkauft

          Um die Kräfte im Zeitungsgeschäft zu bündeln und das britische Mutterblatt „Financial Times“ wieder in die Gewinnzone zu befördern, will sich Pearson von allen ausländischen Titeln trennen. Vorstandschefin Marjorie Scardino hat kürzlich erst die französische Wirtschaftszeitung „Les Echos“ an den Luxusgüter-Konzern LVMH verkauft. Mit der radikalen Auslese von Verlustträgern im Zeitungsgeschäft reagiert Scardino auf die Kritik von Aktionären.

          Namhafte Investoren setzen die resolute Verlagschefin seit Jahren mit der Forderung unter Druck, sich vom zyklischen Zeitungsgeschäft zu trennen und stattdessen das hochprofitable Geschäft mit Lernmitteln und Schulbüchern zu forcieren. Doch Scardino stemmt sich bislang erfolgreich gegen den Komplett-Ausstieg und hält am weltweiten Ausbau der Londoner FT fest. Eine Trennung von der FT steht nach Ansicht von Branchenkennern erst dann auf der internen Agenda, wenn Scardino ihren Chefsessel bei Pearson an ihre designierte Nachfolgerin und jetzige Chefin der FT-Group, Rona Fairhead, abgibt. Mit einem Stabwechsel an der Verlagsspitze wird frühestens im kommenden Herbst gerechnet, heißt es in London.

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