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Zeitungen in der Krise : Den Wirtschaftsmedien von Gruner + Jahr droht das Aus

Verlagshaus von Gruner + Jahr in Hamburg

Verlagshaus von Gruner + Jahr in Hamburg Bild: dapd

Am 21. November wird der Aufsichtsrat von Gruner + Jahr über die Zukunft der Wirtschaftsmedien dieses Verlags beraten. „Die Tendenz geht Richtung Schließung“, sagt ein Manager.

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          Am 21. November wird der Aufsichtsrat von Gruner + Jahr (G+J) über die Zukunft der Wirtschaftsmedien dieses Verlags beraten. Noch gibt es keine konkrete Beschlussvorlage des Vorstands. Aber es könnte zu einer harten Entscheidung kommen: „Die Tendenz geht Richtung Schließung“, sagte ein Manager des Verlags gegenüber dieser Zeitung.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Zugleich betonte er aber, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Zu den Wirtschaftsmedien von G+J gehören die „Financial Times Deutschland“ (FTD), „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“. Größtes Problemkind ist die „FTD“, die seit ihrer Gründung vor mehr als elf Jahren kein Geld verdient hat und in diesem Jahr einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro erwartet.

          Schleichender Übergang ins Netz

          Das lachsfarbene Wirtschaftsblatt leidet, wie andere Zeitungen auch, unter der Anzeigenflaute und einer sinkenden Auflage. Chefredaktion und FTD-Verlagsleitung haben dem Gruner-Vorstand ein Alternativkonzept vorgelegt, das eine Fortführung in veränderter Form vorsieht: Unter der Woche soll die Zeitung deutlich dünner ausfallen, was Druckkosten sparen würde. Dafür soll es am Wochenende eine große Ausgabe geben. Zugleich soll der Auftritt im Internet deutlich verstärkt und so der schleichende Übergang des Blattes in das Netz vorbereitet werden.

          In der Verlagsführung glaubt man aber nicht daran, dass sich dieses Modell am Ende rechnet, zumal man für die Offensive im Netz in den nächsten vier bis fünf Jahren, so die interne Schätzung, 30 bis 50 Millionen Euro investieren müsste. Und das in eine Marke, für die der Verlag nur noch bis zum Jahr 2017 die Lizenz hält. Im Aufsichtsrat fragt man sich überdies, wie eine reine Online-Ausgabe der „FTD“ Gewinne abwerfen soll, wenn nicht mal der Internetableger eines profitablen Flaggschiffs wie der „Stern“ Geld verdient.

          „FTD“ beschert 250 Millionen Euro Verlust

          Seit dem Start der „FTD“ hat G+J mit dieser Zeitung etwa 250 Millionen Euro Verlust gemacht. Ein Verkauf an die Verlagsgruppe Holtzbrinck (“Handelsblatt“), über die immer wieder diskutiert wird, dürfte aus kartellrechtlichen Gründen nicht möglich sein. Vor diesem Hintergrund spricht einiges dafür, dass Julia Jäckel, die seit kurzem im Vorstand für das Deutschland-Geschäft von Gruner zuständig ist und die „Grausamkeiten“ sicherlich gleich zu Beginn ihrer Amtszeit hinter sich bringen will, am 21. November vorschlägt, das Blatt einzustellen.

          Dies wäre dann aber wohl auch der Todesstoß für die gesamten Wirtschaftsmedien, denn die vier genannten Titel werden von einer Gemeinschaftsredaktion bestehend aus 350 Mitarbeitern herausgebracht. Arbeitsrechtlich ist es also unmöglich, selektiv vorzugehen und nur den FTD-Redakteuren zu kündigen.

          Die Frage ist allerdings, ob G+J und deren Großaktionär Bertelsmann tatsächlich so radikal vorgehen wollen. In den Redaktionen hofft man jedenfalls, dass die verlegerisch interessierte Familie Jahr, die als Minderheitsgesellschafter ein Vetorecht hat, für eine Fortführung plädiert. Auch im Hause Bertelsmann sind in der Vergangenheit nicht alle Entscheidungen rein rational gefällt worden.

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