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Fahrtenvermittlung : Für Uber ist die Zeit der Verbote vorbei

Hier entlang, bitte: Ein Uber-Fahrer winkt seinen Kunden am Flughafen von Seattle herbei. Bild: AP

In Deutschland ringt der Fahrdienst Uber noch mit Auflagen, in anderen Ländern hat er sich etabliert – und steht nun trotzdem vor neuen Problemen.

          5 Min.

          Wer wissen will, wie es um den Fahrtenvermittler Uber bestellt ist, muss nur einen Blick in die Smartphone-Anwendung werfen: In Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf sind gar keine Wagen verfügbar, in Berlin kann man über die Plattform nur noch Taxis bestellen. Nur in München tummeln sich ein paar Fahrer in der Innenstadt. Das zeigt ganz deutlich: Von dem Anspruch, mit dem das umstrittene Unternehmen aus San Francisco vor zwei Jahren angetreten ist, die Mobilität zu verändern, ist nicht viel übrig geblieben – zumindest nicht in Deutschland.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Eine Reihe von Gerichtsentscheidungen hat Uber hierzulande spürbar ausgebremst. Im März vergangenen Jahres bestätigte das Frankfurter Landgericht ein Verbot des Angebots „Uber Pop“, bei dem Fahrten mit Privatleuten vermittelt wurden, die oft keine entsprechende Genehmigung hatten. Die Behörden und die Taxibranche hatten Uber deshalb unfairen Wettbewerb vorgeworfen. Uber nahm das Angebot daraufhin vom Markt, startete mit „Uber X“ einen neuen Versuch. Diesen Dienst, für den ausschließlich lizenzierte Mietwagenunternehmer tätig sein sollen, gibt es bislang nur in München. Im Sommer soll er auch nach Berlin kommen, wie ein Sprecher sagte. Es sind kleine Schritte, mit denen Uber versucht, in Deutschland vom Fleck zu kommen.

          In fast allen amerikanischen Bundesstaaten vertreten

          In anderen wichtigen Märkten ist das inzwischen mit rund 50 Milliarden Dollar bewertete Unternehmen hingegen viel weiter. Blick in die Vereinigten Staaten, das Heimatland nicht nur von Uber, sondern auch Airbnb und weiteren Vertretern der verheißungsvollen Sharing Economy: Sie alle hatten in den vergangenen Jahren mit viel Widerstand zu kämpfen. Ihren Aufstieg konnte das aber nicht aufhalten. Uber ist heute in fast allen amerikanischen Bundesstaaten vertreten. Auch in Städten wie Las Vegas, die das Unternehmen lange blockiert haben, sind heute Uber-Fahrer unterwegs.

          Das heißt nicht, dass Uber nirgendwo mehr Steine in den Weg gelegt werden. In New York drohte dem Unternehmen noch im vergangenen Jahr ein Gesetz, das seine Expansionspläne erheblich beeinträchtigt hätte und den Segen von Bürgermeister Bill de Blasio hatte. Uber schaltete Werbespots, um die Öffentlichkeit auf seine Seite zu bringen, und konnte das Gesetz am Ende verhindern. Es gibt zudem noch immer einige Märkte, an denen sich Uber zumindest bislang die Zähne ausgebissen hat.

          So zog sich das Unternehmen im vergangenen Jahr wieder aus Anchorage zurück, der größten Stadt in Alaska. Nachdem sich die Wähler im texanischen Austin am Wochenende in einer Abstimmung für striktere Regeln für Fahrdienste wie Uber und den Konkurrenten Lyft ausgesprochen hatten, wollen beide dort nun ihr Angebot einstellen.

          Fahrer sind keine Angestellten

          Die grundsätzliche Frage, ob und in welchem Umfang Uber erlaubt wird, scheint indessen in Amerika etwas in den Hintergrund getreten zu sein. In vielen Städten hat sich das Unternehmen etabliert, oft zum Leidwesen der Taxibetriebe. Und doch kämpft Uber auch in Amerika noch immer an vielen juristischen und regulatorischen Fronten. Erst kürzlich legte Uber mehrere Klagen mit einem Vergleich bei, in denen es um die Frage ging, ob das Unternehmen die Fahrer als Angestellte behandeln muss anstatt wie bisher als Selbständige. Mit einer Zahlung von bis zu 100 Millionen Dollar konnte Uber vermeiden, seine Fahrer zu Angestellten machen zu müssen, und wird damit wohl höheren Kosten entgehen.

          Wie Uber erfreut sich auch Airbnb in Amerika immenser Popularität. Der Zimmervermittler sieht sich aber noch immer großem Widerstand gegenüber, ob nun von der Hotellobby oder von Behörden. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman hat dem Unternehmen vorgeworfen, dass ein Großteil seiner Zimmerangebote in der amerikanischen Metropole illegal sei. Der New Yorker Stadtrat arbeitet an einem Gesetz, das die Strafen für illegale Zimmervermietungen auf Airbnb erhöhen soll. In seiner Heimatstadt San Francisco investierte Airbnb im vergangenen Herbst einen Millionenbetrag in eine Werbekampagne, um strengeren Auflagen zu entgehen, und entschied einen entsprechenden Bürgerentscheid für sich.

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