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Zara-Mutterkonzern : Tochter für die nächste Mode

Eine Zara-Filiale in Melbourne: Inditex ist unter Pablo Isla enorm gewachsen. Bild: Getty

Die Inditex-Gruppe ist mit Marken wie Zara und Bershka zum Textilimperium geworden. Nun rückt die jüngste Tochter des Gründers an die Spitze des Verwaltungsrats. Mancher ist skeptisch.

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          Die Tochter des Gründers soll nun die Mode verantworten, und das sorgt im Umfeld des Mutterkonzerns der Bekleidungskette Zara für Unruhe. Nachdem das spanische Unternehmen Inditex überraschend den Führungswechsel angekündigt hatte, sackte der Aktienkurs am Dienstag um mehr als 6 Prozent ab. Am Mittwoch erholte er sich langsam. Mit acht Marken von Zara über Massimo Dutti und Bershka bis zu Pull & Bear ist Inditex das größte Unternehmen Spaniens. Und dessen Verwaltungsrat führt künftig Marta Ortega, die jüngere Tochter des Gründers Amancio Ortega. Sie ersetzt Pablo Isla, der nach 17 Jahren, in denen die Inditex-Gruppe einen internationalen Aufstieg vollzog, das Unternehmen verlassen wird.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der Kurssturz zeigte, wie sehr die Märkte Isla vertrauten. Der erklärte, jetzt sei der „optimale Augenblick“ für den Wechsel, da sich das Geschäftsmodell als sehr solide erwiesen habe und die Strategie klar definiert sei. In der Corona-Pandemie erholte sich Inditex schneller als seine beiden wichtigsten Konkurrenten H&M und Primark. Der spanische Konzern wies im zweiten Quartal einen Rekordgewinn aus. Auch das dritte Quartal begann gut. Nach der Rückkehr aus dem Homeoffice kleiden sich offenbar viele Menschen wieder neu ein.

          Marta Ortega
          Marta Ortega : Bild: Mauritius

          Der frühere Staatsanwalt Isla übergibt ein bestens aufgestelltes Haus. Als er bei Industria de Diseño Textil – kurz Inditex – anfing, hatte das Unternehmen knapp 3000 Geschäfte. Heute sind es international mehr als 6600 – gut 1400 davon in Spanien, wo die Konzernmarken ein Drittel des Modemarkts kontrollieren. Global ist Inditex mittlerweile in mehr als 200 Märkten vertreten. Der Börsenwert überstieg zeitweise die 100-Milliarden-Marke. Unter Isla hatte er sich versechsfacht.

          Seit Jahren trieb er die Internationalisierung und die Digitalisierung voran, was sich in der Pandemie auszahlte. Im vergangenen Geschäftsjahr 2020 stiegen die Onlineverkäufe im Vergleich zu 2019 um mehr als 69 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Das war dreimal so viel wie 2017. Im laufenden Jahr werden sie mehr als ein Viertel des gesamten Umsatzes ausmachen, ursprünglich sollte dieses Ziel erst im nächsten Jahr erreicht sein.

          Zu den jüngsten Erfolgen trug das integrierte Modell bei, das Inditex seit einigen Jahren ausbaut. Die Integration bedeutet, dass die Trennung zwischen den Läden und dem Onlinehandel zunehmend verschwindet. Die Filialen von Zara und Massimo Dutti verwandeln sich in Lager für den Onlineverkauf, aus denen Internetbestellungen in der Nähe noch schneller ausgeliefert werden können. Kunden können in den Geschäften Artikel umtauschen, die sie online erworben haben. Gleichzeitig schlossen Hunderte kleinere Filialen. Inditex konzentriert sich stärker auf große Flagship-Läden in bester Lage. Die Gebäude gehören oft dem Unternehmensgründer, der sein Geld zum großen Teil in Immobilien investiert.

          Einzige Tochter

          Amancio Ortega hatte sich 2011 von der Führung des Verwaltungsrats zurückgezogen. Der 85 Jahre alte Unternehmer kommt aber bis heute regelmäßig in die Inditex-Zentrale. Wenn seine Tochter am 1. April 2022 antritt, wird der Generationswechsel endgültig vollzogen sein. Marta Ortega wird dann nicht so mächtig wie Pablo Isla, der auch stark ins operative Geschäft eingebunden war. Neuer CEO wird Óscar García Maceiras. Der Jurist war erst seit März 2021 Chefberater und Sekretär des Inditex-Verwaltungsrats. Er löst Carlos Crespo nach nur zweieinhalb Jahren ab, der als Vorstand für das operative Geschäft wieder auf seinen alten Posten zurückkehrt. Marta Ortega wird vor allem die Mehrheitsaktionäre vertreten: Das sind die beiden Beteiligungsgesellschaften, über die ihr Vater 59,29 Prozent des Konzerns kontrolliert. Ihre Halbschwester Sandra Ortega Mera hält weitere 5 Prozent.

          Marta Ortega Pérez ist die einzige Tochter aus der zweiten Ehe von Amancio Ortega, der mit seiner verstorbenen ersten Frau in der galicischen Hafenstadt La Coruña sein erstes Modegeschäft eröffnet hatte. Heute ist er der reichste Mann Spaniens. Sein Vermögen beläuft sich auf 67 Milliarden Euro. Seine Tochter Sandra hat das zweitgrößte Vermögen des Landes.

          Die neue Inditex-Präsidentin Marta Ortega ist 37 Jahre alt. Seit 15 Jahren hat sie selbst schon in dem Unternehmen gearbeitet. Anfangs legte sie in einer Filiale an der Londoner King’s Road Hemden zusammen. Dort hatte sie nach dem Besuch eines Internats in der Schweiz an der European Business School studiert. Sie spricht fünf Sprachen. Zuletzt war sie öffentlich kaum in Erscheinung getreten, hatte neue Premiumkollektionen für Zara entwickelt und eine Zusammenarbeit mit der Designerin Charlotte Gainsborough begonnen. Sie wolle „Brücken bauen zwischen High Fashion und High Street, zwischen Vergangenheit und Gegenwart“, sagte die begeisterte Springreiterin im Sommer in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“. Mit ihrem Mann – der Sohn des Modedesigners Roberto Torretta arbeitet ebenfalls bei Inditex – und ihren beiden Kindern, die sie morgens selbst zur Schule bringt, wohnt sie in der nordspanischen Stadt Arteixo. Dort steht auch die Inditex-Zentrale. Wie ihr Vater hat sie dort kein eigenes Büro. „Ich habe dieses Unternehmen seit meiner Kindheit gelebt und geatmet“, teilte die neue Chefin mit. Sie werde ihr Leben dem Erbe ihrer Eltern widmen.

          Marta Ortega wird mit ihrem Aufstieg bei Inditex nun zur zweiten starken Frau in der spanischen Wirtschaft, in der immer noch Männer dominieren. Ihr Start an der Spitze des Textilkonzerns erinnert an die Karriere von Ana Botín. Die folgte vor sieben Jahren ihrem verstorbenen Vater Emilio an der Spitze der Santander-Bank nach. Auch damals zeigten sich die Anleger am Anfang skeptisch.

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