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Gewinn knickt ein : Harte Zeiten für Zalando nach der Pandemie

Man geht eher wieder an Zalando vorbei: Fußgänger in Dublin passieren eine Werbebotschaft des Unternehmens. Bild: dpa

Wenige Unternehmen haben während der Corona-Krise so profitiert wie Onlinehändler. Zalando landet nun wieder hart in der Normalität – doch wichtige Indikatoren weisen in die richtige Richtung.

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          „Normalisierung“ ist ein positives Wort. Es suggeriert gute alte Zeiten, Beschaulichkeit – eben alles, wonach sich viele Menschen nach fast zwei Jahren Pandemie sehnen. Wenn sich allerdings der Betriebsgewinn von Zalando „normalisiert“, dann heißt das nach den Lockdowns: Er fällt von gut 118 Millionen Euro auf 9,8 Millionen im Quartal. Unter dem Strich rutsche Zalando mit einem Nachsteuerverlust von 8,4 Millionen Euro sogar in die roten Zahlen.

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zalando-Gründer Robert Gentz und sein Finanzchef David Schneider mussten insofern am Mittwochmorgen tief in die rhetorische Trickkiste greifen, um diesen Zahlen positive Botschaften abzugewinnen – schließlich sind es die ersten Ergebnisse, die Zalando als frisch gebackenes Dax-Unternehmen vorlegt. Die „Normalisierung“ zeige sich darin, dass die Marge aufs Betriebsergebnis (Ebit) mit 0,4 Prozent wieder da läge, wo sie im Herbstquartal vor zwei Jahren, vor der Pandemie, gelegen habe. Bei Investoren dürfte das Wehmut ausgelöst haben, denn vor einem Jahr lag sie bei 6,4 Prozent.

          Umsatz wächst

          Eine gute Botschaft konnten die beiden jedoch verkünden: Europas größter Online-Modehändler startete in diesem Jahr erfolgreich in sechs weiteren Ländern. Deshalb wächst der Umsatz um 23,4 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro im abgelaufenen Quartal von Juli bis September. Damit übertraf er die Erwartungen von Analysten. Die Expansionen in die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie in die Slowakei, nach Slowenien und Kroatien kosten aber eben auch Geld – entsprechend der gesunkene Gewinn. Für Anleger überwogen die schlechten Nachrichten: Am Vormittag sank Zalandos Aktienkurs um gut 5 Prozent.

          ZALANDO SE

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          In ihren inzwischen 23 Ländern hat die Plattform für Mode und Kosmetik nun gut 46 Millionen Kunden. Hoffnung macht, dass auch von der Expansion unabhängige Indikatoren in die richtige Richtung weisen. So stieg die durchschnittliche Zahl der Bestellungen je Kunde während des vergangenen Jahres von 4,8 auf 5,1. Im selben Zeitraum wuchs der durchschnittliche Wert eines Einkaufs leicht von 57,20 Euro auf 57,50 Euro. Das zeige, dass trotz wieder geöffneter Läden mehr Menschen als vorher im Internet einkauften: „Wir haben eine höhere Ausgangsbasis“, sagte Gentz am Mittwoch.

          Zalando wirbt insbesondere um Kunden, die nachhaltiger einkaufen wollen. Für 2022 kündigte Gentz viele strategische Initiativen an, die unter anderem die Modeindustrie mehr hin zu einer Kreislaufwirtschaft entwickeln sollen. Erst kürzlich hat Zalando einen Reparaturservice in Berlin gestartet. Zudem beteiligte es sich im September zusammen mit H&M und Adidas an dem finnischen Start-up Infinited Fiber Company.

          Diese stellt aus Textilfasern mit hohem Baumwollanteil eine Spezialfaser namens Infinna her. Infinna hat laut Hersteller dieselbe weiche Anmutung wie Baumwolle, ist biologisch abbaubar und enthält kein Mikroplastik. Die daraus hergestellten Kleidungsstücke können nach ihrer Nutzung zusammen mit anderen Textilabfällen im selben Verfahren abermals recycelt werden.

          Jahresprognose bleibt unverändert

          Finanziell sieht Gentz das Unternehmen auf gutem Weg zu dem im Frühjahr ausgegebenen Ziel, im Jahr 2025 einen Bruttowarenwert aller über die Plattform verkaufen Güter von mehr als 30 Milliarden Euro zu erreichen. Entsprechend bestätigte das Berliner Unternehmen seinen Ausblick für das Gesamtjahr. Demnach soll 2021 der Betriebsgewinn in der oberen Hälfte der Spanne von 400 bis 475 Millionen Euro liegen. Der Umsatz soll im Jahr um maximal 31 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro klettern.

          Im abgelaufenen Quartal wurden Waren für gut 3 Milliarden Euro verkauft, ein Zuwachs von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Beim Ziel des Warenwerts sollen Zalando auch stationäre Einzelhändler helfen: Unter dem Label „Connected Retail“ ermöglicht die Plattform es Händlern wie C&A, ihr Sortiment über Zalando online zu verkaufen. Das Berliner Unternehmen erhält dafür Provisionen und Geld für Logistik-Dienstleistungen.

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