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Millionensumme : Zalando-Chefs investieren in Solar-Start-up

Ein Handwerker montiert eine Solaranlage von Enpal. Bild: Enpal

Fünf Millionen Dächer in Deutschland mit Solarzellen ausstatten – das ist das Ziel von Enpal. Bei der Vision helfen jetzt eine kräftige Kapitalspritze und das Gründungsteam von Europas größter Online-Modeplattform.

          3 Min.

          Die Sonne schickt keine Rechnung, Enpal aber schon. Was paradox klingt, ist das Geschäftsmodell des 2017 gegründeten Berliner Start-ups: Solaranlagen zur Miete statt zum Kauf, Installation, Wartung und Versicherung für die Dauer von 20 Jahren inklusive. Der selbsterzeugte Strom verbleibt dabei beim Kunden, nach Ende der Vertragslaufzeit gibt es die Anlage für den symbolischen Kaufpreis von einem Euro. Photovoltaik für jedermann und alles so bequem und einfach wie möglich – damit wirbt der Gründer und Geschäftsführer Mario Kohle.

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          „Der Kunde hat praktisch kein Risiko“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. Der gegenwärtige Solarboom – die Modulpreise sinken immer weiter, und auch in Deutschland geht es nach Jahren der Krise wieder aufwärts – hat aus dem 36-jährigen Betriebswirt einen Goldgräber gemacht. Die Zahl seiner Kunden will Kohle von heute 5000 in sieben Jahren vertausendfachen und fünf Millionen Haushalte mit einer Solaranlage bestücken. Aktuell beschäftigt Enpal 400 Mitarbeiter, die Zahl der lokalen Montagebetriebe liegt bei 30, das Start-up wächst rasant.

          Das Wachstum hat prominente Investoren überzeugt, die Kohles Goldgräberstimmung teilen. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, steigen drei Vorstände des größten europäischen Online-Modehändlers Zalando – Rubin Ritter, David Schneider und Robert Gentz – zusammen mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag bei dem Start-up ein. Zusammen mit Alexander Samwer, der schon in einer Kapitalrunde im vergangenen Jahr eingestiegen war, findet sich damit unter den Enpal-Investoren das Team wieder, welches seinerzeit Zalando aufgebaut hat.

          „Investoren ziehen permanent bei dir ein“

          Gründer Kohle will nicht nur von ihrem Kapital, sondern auch von ihrem Wissen profitieren. Am Montag habe er mit Robert Gentz telefoniert, um seinen Rat zu einem Problem einzuholen, erzählt er. „Ich habe eine Sache gelernt über Investoren: Die ziehen permanent bei dir ein.“ Lukasz Gadowski, einen der Gründer von Delivery Hero, der ebenfalls zu den Bestandsinvestoren gehört, kenne er seit zwölf Jahren und telefoniere in manchen Wochen täglich mit ihm.

          Enpal-Gründer Mario Kohle
          Enpal-Gründer Mario Kohle : Bild: Enpal

          Kohle hat aber auch selbst schon Erfahrung im Aufbau eines Unternehmens. Im Jahr 2008 gründete er das Start-up Käuferportal, welches teure Produkte wie Küchen oder auch Solaranlagen an Käufer vermittelte. Vor vier Jahren verkauften er und sein Mitgründer Robin Behlau es als profitables Unternehmen unter anderem an die Beteiligungsgesellschaft von Pro Sieben Sat 1.

          „Kapitalismus ist ein ziemlich geiles Tool“

          Einen Teil des damals erhaltenen Geldes steckte er nun in Enpal. Dort gehe es für ihn, anders als damals, mehr um eine Überzeugung, sagt Kohle: Mehr Menschen sollten auf einfache Weise die Möglichkeit bekommen, selbst erneuerbare Energie zu erzeugen. Dazu setze er auf die Anreize des marktwirtschaftlichen Systems. Die schätze er besonders, weil er die ersten Jahre seines Lebens noch in der DDR aufgewachsen sei: „Kapitalismus ist ein ziemlich geiles Tool.“

          Dem Vernehmen nach wird Enpal bei der neuen Investition nun mit knapp unter 300 Millionen Euro bewertet. Dabei ist das Konzept des Start-ups nicht neu. Auch andere Anbieter werben mit Miet- und Leasingmodellen ohne Installationskosten, darunter Anbieter wie DZ-4 und Naturstrom oder Konzerne wie Eon und ENBW. Die Unterschiede liegen vor allem in der Vertragsdauer und der garantierten Stromerzeugung.

          Bei Thomas Geese sind es 7500 Kilowattstunden im Jahr, die Enpal dem Hausbesitzer aus dem brandenburgischen Ort Ahrensfelde für 20 Jahre zugesichert hat. Diese Garantie war für ihn Hauptgrund, sich im März dieses Jahres für Photovoltaik zur Miete – statt zum Kauf – zu entscheiden. „Die würden ja keine Anlage bestellen, die nach zehn Jahren nichts mehr produziert“, sagt Geese. Zumal man beim Kauf ein Darlehen offen habe, das man abstottern müsse.

          Sich für zwei Jahrzehnte an das Start-up aus Berlin gebunden zu haben, betrachtet er nicht als Nachteil. Vielmehr ist es in seinem Sinne, dass die Wartung im Vertrag enthalten ist und Enpal, wie er sagt, sofort jemanden vorbeischickt, wenn etwas nicht stimmt – so wie vier Handwerker auch die Installation der 23 Module flugs an einem Tag erledigt hätten.

          „Ich fühlte mich nicht so, als wenn die mir was aufquatschen wollten“

          100 Euro Miete zahlt Thomas Geese im Monat. Dass sich die Anlage lohnt, steht für ihn außer Frage: 5000 bis 6000 Kilowattstunden hat er zuletzt jährlich vom Stromanbieter bezogen, um seine 120 Quadratmeter Wohnfläche plus Keller und Sauna zu versorgen. Dank Südausrichtung hat seine Solaranlage nach eigenen Angaben schon jetzt mit 7600 Kilowattstunden in diesem Jahr weit mehr produziert – und er einige Euro gespart.

          Im November und nachts, wenn die Sonne nicht scheint, muss er zwar Strom aus dem Netz beziehen. Der Jahreszähler notiert derzeit aber nur bescheidene 800 Kilowattstunden. „Man muss ein bisschen umdenken“, sagt Geese, den Geschirrspüler also vormittags laufen lassen und Wäsche nicht abends waschen. Ansonsten sei er zufrieden. „Ich fühlte mich nicht so, als wenn die mir was aufquatschen wollten“, sagt er über Enpal – nur meint er gehört zu haben, dass wegen des Solarbooms die Handwerker knapp würden und sich die Aufträge stapelten.

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