https://www.faz.net/-gqe-pwf5

Zahlungsverkehr : Euro-Überweisungen werden einfacher

  • Aktualisiert am

Die neue „Single Euro Payments Area” (Sepa) verursacht Kosten wie bei der Bargeld-Umstellung Bild:

Die Banken haben einen Fahrplan für einen einheitlichen Euro-Zahlungsraum beschlossen. Ab 2008 wird der Zahlungsverkehr effizienter und billiger. Die Banken erfüllen aber nicht alle Forderungen der Politik.

          3 Min.

          Die europäischen Banken haben einen Fahrplan für die Schaffung eines einheitlichen Euro-Zahlungsraums beschlossen.

          Die jetzt angekündigten Maßnahmen sollen von 2008 an den Zahlungsverkehr im Euro-Raum effizienter und billiger machen und dadurch den innereuropäischen Handel und das Zusammenwachsen der Union fördern. Die Banken kommen damit Forderungen der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) nach - allerdings nur zum Teil. Die Politik hatte bereits gesetzliche Regelungen angedroht.

          Graduelle Umstellung in einem längeren Zeitraum

          Nach dem Plan werden die Banken den EU-Bürgern von Anfang 2008 an die Möglichkeit bieten, auf Wunsch alle Euro-Überweisungen - sowohl inländische als auch grenzüberschreitende - nach einem einheitlichen Verfahren abzuwickeln. Zudem sollen von dann an auch grenzüberschreitende Euro-Lastschriften nach einheitlichen Standards möglich sein. Ferner soll ein einheitlicher Markt für Bankkarten geschaffen werden. Letztlich soll damit das politische Ziel verwirklicht werden, daß die bislang übliche Unterscheidung zwischen inländischen und grenzüberschreitenden Zahlungen im Euro-Raum hinfällig wird - so wie dies beim Euro-Bargeld schon seit Anfang 2002 der Fall ist.

          Besonders für die Kreditinstitute, aber auch für Verbraucher und Unternehmen, bedeutet dies eine große und zunächst einmal kostenträchtige Umstellung. Die Realisierung der „Single Euro Payments Area“ (Sepa) sei vom Aufwand her mit der seinerzeitigen Umstellung von D-Mark auf Euro im bargeldlosen Zahlungsverkehr vergleichbar, schreibt der Zentrale Kreditausschuß (ZKA), die Dachorganisation des deutschen Kreditgewerbes, in einer Stellungnahme. Um die Umstellungskosten möglichst gering zu halten, setzen die europäischen Banken auf eine graduelle Umstellung in einem längeren Zeitraum. In diesem Zeitraum, für den die Banken kein Ende vorgeben, sollen die bisherigen und die neuen Standards parallel verwendet werden können. Letztlich sollen dann die Marktkräfte dafür sorgen, daß sich die neuen Standards wegen ihrer größeren Effizienz durchsetzen. Demgegenüber fordern EU-Kommission und EZB, daß die Umstellung bis 2010 vollständig abgeschlossen sein soll. Das wird von den Banken abgelehnt.

          Über die Vereinheitlichung zu einer Vereinfachung

          Der Fahrplan der Banken fordert alle Kreditinstitute auf, ihren Kunden von 2008 an die Möglichkeit zu bieten, bei allen Euro-Überweisungen innerhalb des Euro-Raums einheitliche Standards zu verwenden. Für ein Unternehmen, das Rechnungen ausstellt, bedeutet dies zum Beispiel, daß es dann für alle diese Überweisungen die internationalen Kontonummern (IBAN) und Bankleitzahlen (BIC) verwenden kann. Das erfordert für deutsche Unternehmen zunächst eine Umstellung von den herkömmlichen Bankleitzahlen und Kontonummern auf IBAN und BIC, führt dann aber über die Vereinheitlichung zu einer Vereinfachung. Allerdings bleibt es den Kunden nach dem Fahrplan der Banken freigestellt, ob und wenn ja, wann sie umstellen wollen.

          Als wichtige Neuerung sollen von 2008 an überall auch Euro-Lastschriften möglich sein. Bislang ist dies nur zwischen einigen Ländern möglich. Von der europaweiten Nutzung dieses für Verbraucher und Unternehmen bequemen Zahlungsinstruments erhoffen sich Fachleute eine deutliche Belebung des innereuropäischen sowie des Internet-Handels. Parallel soll auch der Rahmen für die Nutzung von Debitkarten (der früheren Ec-Karte) verbessert werden - wobei hier weniger Handlungsbedarf gesehen wird, da es bereits gut funktionierendec Kartensysteme gibt.

          „Euro-Standardüberweisung“ haben sich durchgesetzt

          Ganz allgemein setzt der Fahrplan der Banken auf Freiwilligkeit und die Kräfte des Marktes. So wird keiner Bank zwingend vorgeschrieben, die neuen Instrumente auch tatsächlich anzubieten. Vielmehr wird darauf vertraut, daß die großen Institute der jetzt von den Bankenverbänden abgegebenen Selbstverpflichtung Genüge tun werden - und daß dies einen Sog bewirkt, dem sich der Großteil der übrigen Banken nicht wird entziehen können.

          Im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr hat sich die für den Kunden kostengünstige „Euro-Standardüberweisung“ in Deutschland schon weitgehend durchgesetzt. Dabei muß der Kunde IBAN und BIC nutzen, beides lange Kennzahlen. So setzt sich der IBAN eines deutschen Kontos aus den Buchstaben DE, einer zweistelligen Prüfnummer, der Bankleitzahl sowie der Kontonummer zusammen. Ob die Verbraucher bereit sind, dieses Zahlenungetüm sowie den BIC auch bei inländischen Überweisungen zu nutzen, bleibt abzuwarten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Elektronenmikroskopische Aufnahme des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2), das Covid-19 verursacht

          Coronavirus : Mehr als 21.600 Neuinfektionen in Deutschland

          Das RKI meldet 379 Todesfälle binnen 24 Stunden. Am Freitag wurde die Marke von einer Million Covid-19-Fällen in Deutschland überschritten. Die Zahl der Neuinfektionen liegt unter dem Stand der Vorwoche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.